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Handwörterbuch des politischen Systems der Bundesrepublik
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Politische Elite |

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Dietrich Herzog / Wilhelm Bürklin
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Im Unterschied zu den klassischen Revolutionen der Neuzeit, wie auch im Vergleich mit den demokratischen Umwälzungen in Polen oder der Tschechoslowakei, war der Volksaufstand des Jahres 1989 in der DDR nicht von einer politisch handlungsfähigen Gegenelite getragen, die in der Gesellschaft, etwa in der Arbeiterschaft oder im akademischen Milieu, verankert gewesen wäre. Die Akteure des Umbruchs entstammten unterschiedlichen Gruppen und Bürgerbewegungen, von denen viele zunächst illegal und lokal unter dem Dach der evangelischen Kirche agierten. Erst nach dem Zerfall des Alten Regimes (während der ersten Regierung Modrow, ab 13.11.1989) konnten sie sich landesweit konstituieren. Sie waren SED-kritisch orientiert, standen jedoch nicht in grundsätzlicher Opposition zur sozialistischen Ordnung. Ihr Ziel war weder der Umsturz, noch die staatliche Auflösung der DDR (Müller-Enbergs u.a. 1991). Zusammen mit den Reformkräften aus den früheren Block-Parteien bildeten sie in einer kurzen Phase der Systemtransformation (zwischen Oktober 1989 und Oktober 1990) eine demokratische, wenngleich in sich konfliktreiche "Transitionselite". Im Zuge ihrer sukzessiven Macht-Beteiligung, zunächst am Runden Tisch (Thaysen 1990), dann in der zweiten Regierung Modrow (seit 5.2.1990), übernahmen die Mitglieder der Transitionselite politische Leitungsfunktionen, ohne auf nennenswerten Widerstand der alten totalitären Führungskader zu stoßen (Derlien 1991). Mit der ersten freien Volkskammer-Wahl (18.3.1990) und der Regierung de Maizičre waren die Repräsentanten des Alten Regimes fast vollständig aus den zentralen Führungspositionen verdrängt. So waren nur noch drei Prozent der Abgeordneten der 10. Volkskammer bereits Mitglieder des früheren, nicht demokratisch gewählten Parlaments gewesen. Eine neue politische und administrative Elite - letztere auch durch Personalimport aus Westdeutschland - hatte sich herausgebildet (Derlien 1997), ohne freilich in der kurzen Zeit bis zum Beitritt der DDR zur BRD mehr als nur ein Führungsvakuum ausfüllen zu können. Zudem hatten sich in der Endphase der DDR die parteipolitisch-ideologischen Lagerbildungen bereits weitgehend denen in Westdeutschland angeglichen (Niedermayer/Stöss 1994). Als unter dem Druck der Bevölkerung die staatliche Einheit (am 3.10.1990) vollzogen und der erste gesamtdeutsche Bundestag gewählt wurde (2.12. 1990), waren die Transitionseliten der DDR (mit Ausnahme des aus den Bürgerbewegungen gebildeten Wahlbündnisses Bündnis 90/ Grüne sowie der in PDS umbenannten ehemaligen Staatspartei SED) bereits in das bestehende westdeutsche Parteiensystem integriert. Dem staatsrechtlichen Beitritt der DDR entsprach - elitensoziologisch - die selektive Kooptation ihres politischen Führungspersonals in das neue staatliche Institutionengefüge.
Quelle: Andersen, Uwe/Wichard Woyke (Hg.): Handwörterbuch des politischen Systems der Bundesrepublik Deutschland. 5., aktual. Aufl. Opladen: Leske+Budrich 2003. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 2003.
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10. Februar 2012
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