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Handwörterbuch des politischen Systems der Bundesrepublik

Politische Elite


Dietrich Herzog / Wilhelm Bürklin
Inhalt

1. Überblick

2. Die Transitionsphase

3. Partei- und Parlamentseliten in der ersten Phase des Vereinigungsprozesses

4. Das Regierungspersonal

5. Neuformierungen

6. Zusammenfassung

Literatur

6. Zusammenfassung
Aus dem bisher Dargestellten ergibt sich, dass im Zuge der deutschen Einigung die politische Führungsschicht personell weitgehend erneuert wurde, dass es aber keinen einschneidenden Bruch in der elitensoziologischen Entwicklung gab. Unverkennbar ist eine Kontinuität der in der BRD bisher ausgeprägten Führungsstrukturen, Rekrutierungsmuster und Werthaltungen (Herzog 1975; Hoffmann-Lange 1992, Bürklin/Rebenstorf 1997, Kaina 2002). Das beruht auch auf dem Fortbestand und noch eher gewachsenen Bedeutung des Parteiensystems als institutionelle Rahmenbedingung der Politikerrekrutierung. Darüber hinaus zeigte schon die Sozialstrukturanalyse des ersten gesamtdeutschen Bundestages, dass sich auch die bisherige Tendenz zur Ausdifferenzierung des politischen Rekrutierungssystems - mit eigenen Karrierewegen und spezifischer Professionalisierung - fortgesetzt hat. Das dürfte zukünftig eine hinreichende Stetigkeit und - vom Ausland gesehen - eine genügende Berechenbarkeit der deutschen Politik gewährleisten.

Unbeantwortet bleibt zur Zeit noch die Frage, wie sich das Führungspersonal bei den beiden kleineren Parteien, den Bündnisgrünen und der PDS, entwickelt. Beide sind bereits in die Regierungsverantwortung auf Bundes- oder Landesebene gekommen, aber beide sind auch noch immer deutlich in partikuläre Wählerklientele eingebunden; in eine radikale Ökologie- und Alternativszene die einen, in eine sich separierende ostdeutsch-neosozialistische Klientel die andere. Manches, vor allem auch die Herkunft dieser Führungskräfte aus verantwortlichen Funktionen der Kommunalpolitik, deutet darauf hin, dass sich auch in diesem Parteienspektrum ein pragmatischer Handlungsstil durchsetzen könnte. Bei der PDS, die im 15. Bundestag nur noch mit zwei Abgeordneten vertreten ist, sind durch den Verlust des Fraktionsstatus die parlamentarischen Einflussmöglichkeiten künftig deutlich begrenzt.

Versteht man - nach den Erkenntnissen der modernen Elitentheorie (Field/Higley 1983; Herzog 1991) - Eliten-Integration als Voraussetzung kooperativer Konfliktaustragung und Interessen-Konversion in einer modernen "Verhandlungsdemokratie" (Scharpf), so wird das Ausmaß der Integration der politischen Führungselite D.s ausschlaggebend dafür sein, die zahlreichen, teils neuartigen und komplexen Probleme der nächsten Zukunft zu lösen - darunter die Integration des geeinten D. in das erwieterte Europa wie auch die Anpassung der sozialstaatlichen und marktwirtschaftlichen Ordnung an die globalen Herausforderungen des 21. Jhs.


Quelle: Andersen, Uwe/Wichard Woyke (Hg.): Handwörterbuch des politischen Systems der Bundesrepublik Deutschland. 5., aktual. Aufl. Opladen: Leske+Budrich 2003. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 2003.

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10. Februar 2012
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