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Handwörterbuch des politischen Systems der Bundesrepublik
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Staatssymbole |

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Rainer Bovermann
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Während die DDR-Symbole mit dem zweiten deutschen Staat untergingen, blieben die Staatssymbole der BRD, die sich auf ältere Traditionen bezogen, erhalten. Lediglich die Symbole, die erst nach 1945 mit Bezug zur deutschen Teilung geschaffen worden waren, wurden nach der Vereinigung durch die Wiederbelebung des früheren Hauptstadtsymbols bzw. die Einführung eines neuen Staatsfeiertages ersetzt. Die Beispiele neuer gesamtdeutscher Symbolschöpfungen zeigen, dass mit der Herstellung der deutschen Einheit zwar der Weg von Staats- zu Nationalsymbolen frei ist, diese aber nicht künstlich geschaffen werden und selbständig ihre identitätsstiftende Wirkung entfalten können. In den alten Bundesländern sind der Bedeutungsschwund nationaler Symbolik und die vor 1989 entstandenen Ansätze einer BRD-Teilidentität zu überwinden. In den neuen Bundesländern hängt die Akzeptanz der Symbole, wie des politischen Systems insgesamt, von der Lösung der ökonomischen und sozialen Probleme ab, damit nicht weitere Enttäuschungen über den Verlauf des Einigungsprozesses das Bewusstsein einer Teilidentität verstärken. So wird an der Herausbildung einer gemeinsamen nationalen Symbolik der Fortschritt im Zusammenwachsen der beiden Gesellschaften und politischen Kulturen in Deutschland abzulesen sein.
Aufmerksamkeit verdient aber nicht nur der Umgang mit den Symbolen der Einheit, sondern auch mit den Freiheitssymbolen. Während die Revolution von 1848 anlässlich des 150-jährigen Jubiläums große Beachtung fand und sich ihre Ideen in Flagge und Hymne wiederfinden, spielen die Revolution von 1918 und die Befreiung vom Nationalsozialismus 1945 nur eine untergeordnete, ambivalente Rolle im Symbolhaushalt der Deutschen. Zentrale Bedeutung kommt schließlich den Symbolen zu, die mahnend an die Zeiten der Unfreiheit und Diktatur erinnern. Gerade die Einstellungen gegenüber diesen Symbolen werden Auskunft über das Selbstverständnis der künftigen "Berliner Republik" geben. Komplexe Symbole wie Gedenktage und Denkmäler werden dabei weiterhin Gegenstand des geschichtspolitischen Deutungsstreites sein, bei dem sich zwei Diskursgemeinschaften gegenüberstehen. Die eine Seite fordert einen unbefangenen, selbstbewussten Umgang mit der Vergangenheit und bejaht eine "normale" Identität der Deutschen als Nation. Die andere Seite betont die kritische Auseinandersetzung mit der NS-Diktatur einschließlich des Holocaust und tritt für eine postnationale, am "Verfassungspatriotismus" orientierte Identität ein.
Quelle: Andersen, Uwe/Wichard Woyke (Hg.): Handwörterbuch des politischen Systems der Bundesrepublik Deutschland. 5., aktual. Aufl. Opladen: Leske+Budrich 2003. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 2003.
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10. Februar 2012
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