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Handwörterbuch des politischen Systems der Bundesrepublik

Politikwissenschaft


Wilhelm Bleek
Inhalt

1. Bezeichnung

2. Ältere Lehre der Politik

3. Wiedergründung als Demokratiewissenschaft

4. Expansion und Professionalisierung

5. Krise und Konsolidierung

6. PW und deutsche Vereinigung

7. Perspektiven

Literatur

1. Bezeichnung
Die Bezeichnung der Universitätsdisziplin, die sich mit den Strukturen, Funktionen und Normen der politischen Systeme beschäftigt, ist so vielfältig wie der ihr zugrundeliegende Begriff der Politik kontrovers ist und sich im Ablauf der Geschichte gewandelt hat. So reicht das Spektrum der Politikbegriffe vom in der antiken Klassik geprägten normativen Verständnis als politische Gemeinschaft und deren guter Ordnung bis zum in der Neuzeit und Moderne vorherrschenden Fokus auf der Empirie von Herrschaft und Macht als Charakteristikum des Politischen (vgl. Rohe 1978).

Das Fach hat in seiner älteren Phase als "Politik" firmiert, eine einfache Bezeichnung, die aber keine Abgrenzung zum Realphänomen des Politischen erlaubte. Bei der Wiedergründung der Disziplin nach dem Zweiten Weltkrieg griff man auf die Benennung als "Wissenschaft von der Politik" zurück, ein klarer, aber umständlicher Begriff. Sehr anspruchsvoll war die in Südwestdeutschland vorherrschende Etikettierung als "Wissenschaftliche Politik", aber missverständlich, als ob es um die Verwissenschaftlichung der praktischen Politik gehen könne. Noch fragwürdiger ist die bis heute nicht überwundene Bezeichnung als "Politische Wissenschaft": vordergründig eine Übersetzung des anglo-amerikanischen Codes "Political Science", inhaltlich aber nicht gefeit gegen das Missdeutung als "politisierte Wissenschaft", zumal wenn wie im Dritten Reich in der Mehrzahl der "Politischen Wissenschaften" verwandt.

Die bundesdeutschen Gründungsväter der Politikwissenschaft haben sich daher um neue Wortschöpfungen bemüht. In Anknüpfung an die Kreation "Politikologie" des Herausgebers von H. Hellers posthum veröffentlichter "Staatslehre" (Heller 1934) haben die beiden Berliner Politikwissenschaftler E. Fischer-Baling und G. von Eynern "Politologie" als Bezeichnung für das Fach und "(Diplom-) Politologe" als Titel seiner Absolventen vorgeschlagen. Doch sind diese in den 60er und 70er Jahren weitverbreiteten Bezeichnungen aufgrund ihrer Assoziation mit der von Westberlin ausgehenden Studentenrebellion suspekt geworden. In den letzten beiden Jahrzehnten hat sich weitgehend "Politikwissenschaft" (PW) als der inhaltlich angemessenste und sprachlich klarste Begriff durchgesetzt.


Quelle: Andersen, Uwe/Wichard Woyke (Hg.): Handwörterbuch des politischen Systems der Bundesrepublik Deutschland. 5., aktual. Aufl. Opladen: Leske+Budrich 2003. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 2003.

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20. März 2010
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