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Handwörterbuch des politischen Systems der Bundesrepublik
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Politikwissenschaft |

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Wilhelm Bleek
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6. PW und deutsche Vereinigung |
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Der Erfolg des Konsolidierungskurses zeigte sich nach 1990, als im Rahmen des Prozesses der deutschen Vereinigung die bundesdeutsche PW auch an den Hochschulen in den neuen Bundesländern weitgehend unkontrovers und problemlos etabliert werden konnte. In der DDR hatte keine PW existiert, da die herrschende SED (PDS/ SED ) nicht nur das Monopol der politischen Führung, sondern auch der Interpretation der als wissenschaftlich postulierten Lehren des Marxismus-Leninismus beanspruchte. Mit dem Zusammenbruch der SED-Herrschaft im Herbst 1989 kollabierte auch der Marxismus-Leninismus als Universitätsdisziplin, auch wenn sich die Sektionen und viele Hochschullehrer dieses Faches durch die einfache Umbenennung zu Politikwissenschaftlern zu retten suchten. Doch angesichts des weitgehenden Defizits an institutionalisierter PW und ausgebildeten Politikwissenschaftlern in der alten DDR war der Neuaufbau des Faches an den Hochschulen der neuen Bundesländer in Gestalt einer Übertragung des Westmodells auf den Osten unumgänglich. Unter Leitung der beiden bundesdeutschen Fachverbände der PW wurden nicht nur für das Übergangsjahr 1990/91 westdeutsche Gastprofessoren an die ostdeutschen Universitäten vermittelt, sondern deren Regelausstattung in Anlehnung an die in der alten Bundesrepublik üblich gewordene Aufteilung in vier politikwissenschaftliche Professuren (Politische Theorie und Ideengeschichte; Deutsches Regierungssystem; Vergleichende Regierungslehre, Internationale Politik und deutsche Außenpolitik) beschlossen. So konnten bis zum Jahr 1995 an den ostdeutschen Universitäten 53 Politikprofessuren besetzt werden, wobei überwiegend westdeutsche Bewerber zum Zuge kamen. Die Angleichung des Gebietes der ehemaligen DDR an die BRD auf dem Gebiet der akademischen PW ist damit genauso verlaufen wie die allgemeine Integration auf den Feldern von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.
In inhaltlicher Hinsicht ist die PW in Ostdeutschland nach der deutschen Vereinigung wie in Westdeutschland nach dem Zweiten Weltkrieg vorzugsweise als Demokratiewissenschaft konzipiert und verankert worden. Neben den traditionellen Themenbereichen des Faches hat sich die deutsche Vereinigung selbst als ein sehr fruchtbares Gebiet sozialwissenschaftlicher Forschung und Lehre erwiesen: Da die Vereinigung nur auf dem Papier abgeschlossen worden ist, aber in der gesellschaftlichen, kulturellen, sozialpsychologischen und wirtschaftlichen Wirklichkeit noch über Jahre ablaufen wird, ist eine umfangreiche Begleitforschung zu diesem "offenen Experiment" eines umfassenden Transformations- und Integrationsprozesses entstanden.
Quelle: Andersen, Uwe/Wichard Woyke (Hg.): Handwörterbuch des politischen Systems der Bundesrepublik Deutschland. 5., aktual. Aufl. Opladen: Leske+Budrich 2003. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 2003.
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10. Februar 2012
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