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Handwörterbuch des politischen Systems der Bundesrepublik

Politische Beteiligung/Politische Partizipation


Max Kaase
Inhalt

1. Einleitung

2. Formen der Partizipation

3. Geschichte der Partizipationsforschung

4. Konventionelle und unkonventionelle Partizipation

5. Faktoren und Ursachen der Partizipation

6. Partizipation in Deutschland nach 1989

7. Gegenwart und Ausblick

Literatur

1. Einleitung
Unter politischer Beteiligung werden in der Regel jene Verhaltensweisen von Bürgern verstanden, die sie alleine oder mit anderen freiwillig mit dem Ziel unternehmen, Einfluss auf politische Entscheidungen zu nehmen (Barnes u.a. 1979: 42; Parry u.a. 1992: 16; Verba u.a. 1995: 38). Diese Einflussnahmen können sich auf eine oder mehrere Ebenen des politischen Systems (Gemeinde, Land, Bund) richten. Der fortlaufende Prozess der institutionellen internationalen Vernetzung, in Europa vornehmlich im Kontext der EU, führt darüber hinaus auch zur Einbeziehung transnationaler Regime, konkret z.B. in Form von Wahlen zum Europäischen Parlament.

Die obige Begriffsbestimmung bezieht sich bewusst auf den Typus des politischen Handelns, den man als instrumentell oder zweckrational bezeichnet (siehe dazu etwa Opp u.a. 1990: 70-100). Die Forschung hat jedoch schon früh auf den Umstand aufmerksam gemacht, dass man bei kollektiven Erscheinungen politischer Partizipation (z.B. Demonstrationen, Hausbesetzungen) nicht automatisch für jedes sich beteiligende Individuum eine instrumentelle, auf politische Ziele hin gerichtete Partizipationsmotivation unterstellen kann. Eine offene Frage ist, ob in solchen Fällen hedonistische, Partizipation als Ziel betonende Motive gegeben sind (Opp 1986: 96, 99, 106), oder ob sich Personen auch ausschließlich aus einem Mobilisierungszusammenhang ohne auf Partizipationsziele gerichtete Erwägungen an kollektiven politischen Aktionen beteiligen. Für die Messung vor allem von vergangener politischer Partizipation spielen diese Motivationsunterschiede zunächst keine Rolle. Bedeutsam sind sie jedoch für die Erklärung solchen Verhaltens; aus dieser Problematik ergibt sich ein wichtiger Hinweis auf die Bedeutung von Mobilisierungsprozessen für individuelle politische Beteiligung.

Sieht man einmal von der Wahlforschung ab, die traditionell auch mit Aggregatdaten, d.h. auf Gebietseinheiten wie Wahlbezirke oder Wahlkreise bezogenen Informationen arbeitet, basieren die Befunde der Beteiligungsforschung im weiteren Sinne weitgehend auf Repräsentativbefragungen der Gesamtbevölkerung oder deren Teilgruppen. Als einen anderen Datentypus haben Taylor und Jodice 1983 in der dritten Ausgabe des World Handbook of Political and Social Indicators für 140 Länder Protestereignisse aufgenommen, die sie hauptsächlich dem New York Times Index und einigen regionalen Quellen entnahmen. Diese Daten enden in der Publikation jedoch im Jahre 1977 und in dem über das Inter-university Consortium for Social and Political Research (ICPSR) in Ann Arbor zu beziehenden Datensatz 1982. Für die BRD ist im Rahmen des PRODAT-Projektes am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung mit Ereignisberichten aus der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Rundschau sogar für den Zeitraum 1950 bis 1994 eine deutsche Protestgeschichte erstellt worden (Neidhardt/ Rucht 1999).


Quelle: Andersen, Uwe/Wichard Woyke (Hg.): Handwörterbuch des politischen Systems der Bundesrepublik Deutschland. 5., aktual. Aufl. Opladen: Leske+Budrich 2003. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 2003.

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10. Februar 2012
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