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Handwörterbuch des politischen Systems der Bundesrepublik

Terrorismus


Eckhard Jesse
Inhalt

1. Definition

2. Die Geschichte des T. in Deutschland

3. Perspektiven

Literatur

2. Die Geschichte des T. in Deutschland
Die Wurzeln des T. in D liegen in der Studentenbewegung der zweiten Hälfte der 60er Jahre. Diese hat die Gesellschaft in markanter Weise beeinflusst. Dazu gehört auch die Herausbildung einer terroristischen Subkultur. Im Jahre 1970 begann der Aufbau einer "Roten Armee Fraktion" (RAF). Deren führende Köpfe (u.a. A. Baader, G. Ensslin, H. Mahler und U. Meinhof) wurden jedoch bald gefasst. Der Höhepunkt des T. lag im Jahre 1977 mit den Morden an Generalbundesanwalt S. Buback, an dem Vorstandssprecher der Deutschen Bank, J. Ponto, sowie an dem Arbeitgeberpräsident H.M. Schleyer und seinen Begleitern, durchgeführt von einer "zweiten Terroristengeneration" (vgl. Wunschik). Nach dem mythenumwobenen "deutschen Herbst" 1977 - Baader, Ensslin und Raspe begingen in Stammheim als Reaktion auf die Unnachgiebigkeit des Staates Selbstmord, dabei einen Mord vortäuschend - flauten spektakuläre Aktionen etwas ab, wenngleich in den 80er Jahren Terrorakte sogenannter "revolutionärer Zellen" zunahmen und Morde an politischen und wirtschaftlichen Repräsentanten des "Systems" nicht ausblieben. Das letzte Attentat traf den Präsidenten der Treuhandanstalt D. K. Rohwedder am 1.4. 1991. 1993 wurde der Neubau der Justizvollzugsanstalt in Weiterstadt in die Luft gesprengt (Sachschaden: 100 Millionen DM). Über die "dritte Terroristengeneration" weiß man aufgrund geringer Fahndungserfolge nur wenig. Der spektakulärste gelang 1993 in Bad Kleinen: Eine Terroristin wurde festgenommen, ein Terrorist beging Selbstmord. Der T. in der BRD ist bis jetzt weitgehend ein Linksterrorismus. Den Nachahmungsversuchen auf der extremen Rechten in der ersten Hälfte der 80er Jahre blieb ein vergleichbarer "Erfolg" versagt. Die ausländerfeindlichen Ausschreitungen zumal in der ersten Hälfte der 90er Jahre können schwerlich im strengen Sinn als T. klassifiziert werden - ihnen fehlt(e) es an Planungsintensität und Systematik.


Quelle: Andersen, Uwe/Wichard Woyke (Hg.): Handwörterbuch des politischen Systems der Bundesrepublik Deutschland. 5., aktual. Aufl. Opladen: Leske+Budrich 2003. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 2003.

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10. Februar 2012
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