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Handel und Investitionen
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Fakten

Wie bei den Handelsbilanzen ist auch bei den Leistungsbilanzen weltweit eine Zunahme der außenwirtschaftlichen Ungleichgewichte festzustellen. Insbesondere seit Anfang der 1990er Jahre nahmen die Ungleichgewichte der Leistungsbilanzen auffallend stark zu. Das steigende Leistungsbilanzdefizit der ökonomisch entwickelten Staaten ist vor allem auf die Ausweitung des Leistungsbilanzdefizits der USA zurückzuführen. Im Jahr 2006 erreichte das Defizit der USA das Rekordniveau von 788 Milliarden US-Dollar – das entsprach 6,0 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Im Jahr 2007 wurde mit 731 Milliarden US-Dollar das zweithöchste Leistungsbilanzdefizit in der Geschichte der USA gemessen (5,3 Prozent des BIP). 1995 hatte das Defizit der USA lediglich 1,5 Prozent des BIP entsprochen, im Jahr 2000 waren es bereits 4,3 Prozent.

Abgesehen von China sind die Leistungsbilanzüberschüsse am auffälligsten bei den Nettoexporteuren von Energierohstoffen gestiegen. Allein die Überschüsse von Saudi-Arabien, Russland, Norwegen und Kuwait beliefen sich im Jahr 2007 auf 284 Milliarden US-Dollar. In Saudi-Arabien entsprach der Leistungsbilanzüberschuss von knapp 96 Milliarden US-Dollar rund 25 Prozent des BIP. Die Überschüsse aus den Handelsbilanzen durch große Energienachfrage und parallel gestiegene Preise werden demnach nicht durch die Salden anderer Teilbilanzen kompensiert.

Auch mehrere asiatische Ökonomien – wie zum Beispiel Malaysia, Hongkong, Singapur und Taiwan – konnten ihre Leistungsbilanzüberschüsse bis zum Jahr 2007 steigern. Japan, die gemessen am BIP größte asiatische Ökonomie, erzielte im Jahr 2007 einen Rekordüberschuss von 211 Milliarden US-Dollar (4,8 Prozent des BIP). Allerdings lag China mit einem Leistungsbilanzenüberschuss von 372 Milliarden US-Dollar nicht nur vor Japan, sondern vor allen anderen Staaten der Welt. Auch bezogen auf das BIP erreichte der Leistungsbilanzenüberschuss Chinas im Jahr 2007 seinen bisherigen Höchstwert (11,0 Prozent).

Der Leistungsbilanzüberschuss des Euroraums war 2007 mit 0,2 Prozent des BIP nach wie vor gering. Die Leistungsbilanz der EU fiel mit einem Minus von 103 Milliarden US-Dollar sogar negativ aus – das entsprach 0,6 Prozent des BIP. Allerdings bestehen große Unterschiede zwischen den einzelnen Staaten. Während im Jahr 2007 beispielsweise der Leistungsbilanzüberschuss Deutschlands bei 250 Milliarden US-Dollar lag (7,5 Prozent des BIP), erhöhte sich das Defizit Großbritanniens im selben Jahr auf 81 Milliarden US-Dollar (2,9 Prozent des BIP). Das Defizit Spaniens stieg sogar auf 145 Milliarden US-Dollar (10,1 Prozent des BIP).

Unter den ökonomisch entwickelten Staaten entfielen 2007 – neben den USA, Großbritannien und Spanien – hohe Leistungsbilanzdefizite auch auf Australien (57 Mrd. US-Dollar), Italien (51 Mrd. US-Dollar) und Griechenland (44 Mrd. US-Dollar).

Datenquelle

International Monetary Fund (IMF): World Economic Outlook Database 04/2009

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

Die Leistungsbilanz ist auf einen Zeitraum bezogen und gibt Auskunft über außenwirtschaftliche Vorgänge eines Staates oder einer Staatengruppe. Bei einem Leistungsbilanzüberschuss bzw. -defizit erhöht sich die Gläubiger- bzw. Schuldnerposition gegenüber dem Ausland. Die Leistungsbilanz fasst die Handelsbilanz (Saldo der Warenexporte und -importe), die Dienstleistungsbilanz (Saldo der Dienstleistungsexporte und -importe), die Bilanz der Erwerbs- und Vermögenseinkommen sowie die Übertragungsbilanz (zum Beispiel Zahlungen an internationale Organisationen, Entwicklungshilfe und Überweisungen von ausländischen Arbeitnehmern in ihre Heimatländer) zusammen.

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Ausgewählte Leistungsbilanzen

In absoluten Zahlen und in Prozent des BIP,
Betrachtungszeiträume zwischen 1981 und 2007

  Leistungsbilanzen, in Mrd. US-Dollar (Durchschnitt)
1981-1985 1986-1990 1991-1995 1996-2000 2001-2005 2006 2007
USA -50,3 -121,5 -73,4 -239,2 -544,7 -788,1 -731,2
EU -9,3 -2,3 -32,8 18,5 12,7 -60,2 -102,9
Euroraum 34,9 51,1 31,5 20,4
Deutschland 6,0 46,8 -25,2 -20,0 71,8 178,8 250,3
Großbritannien 2,6 -26,6 -17,0 -18,2 -38,8 -83,0 -80,7
Japan 23,7 71,4 110,9 103,1 134,9 170,4 211,0
China 0,5 -0,6 3,4 22,4 65,6 253,3 371,8
Indien -3,3 -6,5 -3,3 -4,8 1,5 -9,3 -11,3
Russland 4,1 16,5 48,5 94,3 76,2
Saudi-Arabien 0,1 -8,5 -15,7 0,5 38,4 99,6 95,8
Mittlerer Osten 15,7 -3,3 -21,9 18,9 85,2 252,9 254,1
 

 

  Leistungsbilanzen, in Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP)
1981-1985 1986-1990 1991-1995 1996-2000 2001-2005 2006 2007
USA -1,3 -2,4 -1,1 -2,6 -4,8 -6,0 -5,3
EU -0,3 0,1 -0,4 0,2 0,1 -0,4 -0,6
Euroraum 0,5 0,6 0,3 0,2
Deutschland 0,9 3,9 -1,2 -0,9 2,7 6,1 7,5
Großbritannien 0,5 -3,1 -1,6 -1,3 -2,0 -3,4 -2,9
Japan 1,9 2,8 2,6 2,4 3,1 3,9 4,8
China 0,2 -0,2 0,8 2,2 3,5 9,5 11,0
Indien -1,6 -2,3 -1,1 -1,2 0,4 -1,1 -1,0
Russland 1,3 6,7 9,8 9,5 5,9
Saudi-Arabien -2,7 -9,4 -11,7 -0,1 14,8 27,9 25,1
Mittlerer Osten 3,4 -1,0 -5,2 3,1 10,1 21,0 18,2

Quelle: International Monetary Fund (IMF): World Economic Outlook Database 04/2009

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