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Global Governance
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Fakten

Die globale Gesundheitslage beziehungsweise die armutsorientierte Krankheitsbekämpfung haben sich zu einem eigenständigen globalen Politikfeld entwickelt: Global Health Governance (GHG). Nicht nur moralische Überlegungen haben zur Entwicklung der GHG beigetragen, sondern auch die Erkenntnis, dass die massiven Gesundheitsprobleme in den armen Regionen ein potenzielles Risiko für die globale Stabilität und Sicherheit darstellen.

Insbesondere HIV/AIDS ist zu einem Thema geworden, das international auf den höchsten politischen Ebenen behandelt wird. Beispielsweise behandelte der UN-Sicherheitsrat im Jahr 2000 zum ersten Mal ein Gesundheitsthema – "The impact of AIDS on peace and security in Africa" – und verabschiedete die Resolution "HIV/AIDS and International Peacekeeping Operations". Weiter berücksichtigte die UN-Generalversammlung das Thema AIDS in der Millenniumserklärung. Im Jahr 2001 wurde eine Sondersitzung (UNGASS) speziell zu HIV/AIDS einberufen und die "Declaration of Commitment" verfasst. Und 2006 sowie 2008 hat die UN-Generalversammlung ein "High Level Meeting on AIDS" einberufen.

GHG beschreibt die Handlungen im globalen Mehrebenensystem (global, regional, national und lokal), die – unter Beteiligung staatlicher und nicht-staatlicher Akteure – auf die nationalen Gesundheitssysteme einwirken. Inhaltlich konzentriert sich GHG auf die Bekämpfung armutsbedingter (Infektions-)Krankheiten.

Die internationale Gesundheitspolitik wird stark von der Weltbank und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) beeinflusst. Während sich die Weltbank zu einer der wichtigsten internationalen Finanzierungsorganisationen gesundheitsbezogener Projekte entwickelt hat, ist die WHO die zentrale Organisation für internationale Gesundheitsfragen und nimmt durch globale Normsetzung sowie technische und politische Beratung Einfluss auf die globale Gesundheitspolitik.

Weitere Akteure von GHG sind Netzwerke und Global Public-Private Partnerships (GPPPs). Sie gelten als neue Formen politischer Steuerung in einer globalisierten Welt, da sie einen Rahmen für unterschiedliche Akteure und Politikebenen schaffen. Der 2001/2002 geschaffene "Global Fund to fight AIDS, Tuberculosis and Malaria" (GFATM) ist eine solche GPPP im Gesundheitsbereich. Der Fonds gilt nach wie vor als Hoffnungsträger im Kampf gegen die drei wichtigsten armutsbedingten Krankheiten AIDS, Tuberkulose und Malaria. Zwei Aspekte sind dafür hauptverantwortlich: Zum einen die Praxis der Mittelvergabe, die die Empfängerstaaten dazu auffordert, eigene Strategien und damit Strukturen im Kampf gegen die Epidemien zu entwickeln. Zum anderen das große Finanzvolumen bei einem vergleichsweise kleinen Verwaltungsapparat.

Die Organisationsstruktur des GFATM unterscheidet sich von traditionellen Hilfsinstitutionen: nicht nur Regierungen sind beteiligt und können über Projekte bestimmen, sondern auch private lokale Akteure. Die Empfängerstaaten bilden einen Beirat, bestehend aus öffentlichen und privaten Akteuren, und entwickeln eigene, auf sich zugeschnittene Programme, die der GFATM, nach Prüfung durch einen wissenschaftlichen Beirat, finanziert. Auch eine Anschlussfinanzierung ist nur dann möglich, wenn mit den erhaltenen Geldern messbare und nachhaltige Ergebnisse erzielt werden konnten.

Seit der GFATM 2002 seine Arbeit aufgenommen hat, wurden über den Fond insgesamt 18,7 Milliarden US-Dollar für 572 gesundheitsbezogene Projekte und Programme in 140 Staaten bewilligt (Stand: Ende 2009). Der GFATM ist damit das wichtigste Finanzierungsinstrument im Kampf gegen die drei häufigsten armutsbedingten Krankheiten AIDS, Tuberkulose und Malaria – sein Anteil an der internationalen Finanzierung liegt bei rund einem Viertel in Bezug auf AIDS und bei etwa zwei Dritteln bzw. drei Vierteln bei Tuberkulose und Malaria.

Datenquelle

The Global Fund: www.theglobalfund.org; eigene Darstellung

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

GHG – Global Health Governance

GFATM – Global Fund to fight AIDS, Tuberculosis and Malaria

UNGASS – United Nations General Assembly Special Session

ILO – International Labour Organization

HIV – Human Immunodeficiency Virus (Menschliches Immunschwäche-Virus) ist die Bezeichnung für ein Virus, das nach einer unterschiedlich langen, meist mehrjährigen Inkubationsphase zu AIDS führt, einer unheilbaren Immunschwächekrankheit. Eine vollständige Entfernung des HI-Virus aus dem menschlichen Körper ist nicht möglich. Bei einer Minderheit (< 5 Prozent) – den so genannten Long Term Non-Progressors – bricht die Krankheit aus bisher noch nicht geklärten Gründen erst nach Jahrzehnten oder möglicherweise nie aus.

AIDS – Acquired Immune Deficiency Syndrome (erworbenes Immun-Defekt-Syndrom) ist eine Immunschwächekrankheit und die Folge einer Infektion mit dem HI-Virus.

HIV-positiv bedeutet, dass das HI-Virus im Blut und anderen Körperflüssigkeiten enthalten ist. Erst wenn das Immunsystem so stark geschädigt ist, dass es sich gegen Krankheiten verschiedenster Art nicht mehr zur Wehr setzen kann, wird von aidskrank gesprochen.

Creative Commons License

Dieser Text ist unter der Creative-Commons-Lizenz
by-nc-nd/3.0/de lizenziert.

Global Health Governance (GHG)

Herausbildung von GHG-Institutionen bei der globalen Bekämpfung von HIV/AIDS, zeitlicher Verlauf

1981
Entdeckung von HIV/AIDS
1985
1. Internationale AIDS-Konferenz in Atlanta (USA)
ca. 2,5 Millionen Menschen sind HIV-Positiv
1987
"Global Programme on AIDS (GPA)" der World Health Organization (WHO)
1995
Die Gesamtzahl der HIV-Positiven steigt auf 20 Millionen
1996
Entstehung des "Joint UN Programme on HIV/AIDS (UNAIDS)"
1998
"Global Business Coalition on HIV/AIDS (GBC)" von Wirtschaftsverbänden und Unternehmen
2000
Der UN-Sicherheitsrat behandelt zum ersten Mal ein Gesundheitsthema: "The impact of AIDS on peace and security in Africa"
Die UN-Hauptversammlung berücksichtigt AIDS in der Millenniumserklärung
Die ILO veröffentlicht das "Programme on HIV/AIDS and the World of Work"
"Multi-Country HIV/AIDS Programme for Africa (MAP)" der Weltbank
2001
Sondersitzung der UN-Generalversammlung zu HIV/AIDS: "Declaration of Commitment"
Gründund des "Global Fund to fight AIDS, Tuberculosis and Malaria (GFATM)"
Doha-Erklärung der WTO: Teilsieg von Public Health über ökonomische Interessen
2002
"Global Health Initiative (GHI)" des World Economic Forum
2003
Große Gewerkschaftsverbände beschließen das "Global Unions Programme on HIV/AIDS"
2006
"High Level Meeting on AIDS" einberufen von der UN-Generalversammlung
2008
"High Level Meeting on AIDS" einberufen von der UN-Generalversammlung
Die Gesamtzahl der HIV-Positiven liegt bei mehr als 33 Millionen
2010
Bis heute hat AIDS deutlich mehr als 25 Millionen Opfer gefordert
Noch immer infizieren sich jede Minute etwa 5 Menschen neu mit dem HI-Virus

Quelle: eigene Darstellung

 

Global Fund to fight AIDS, Tuberculoses and Malaria (GFATM)

Gesamte Mittelverteilung nach sieben Vergaberunden (12 Mrd. US-Dollar), bis Ende 2008

Verteilung … in Prozent
… nach Krankheiten HIV/AIDS 61
Malaria 25
Tuberkulose 14
 
… nach Ausgabe-bereichen Medikamente / medizinische Produkte 45
Humankapital / Ausbildung von Fachpersonal 23
Verwaltung 10
Infrastruktur / Ausrüstung 9
Überwachung und Evaluation 3
sonstige 10
 
… nach Staaten Staaten mit niedrigem Einkommen 68
Staaten mit mittlerem Einkommen 32
 
… nach Regionen subsaharisches Afrika 57
Ostasien und Pazifik 12
Osteuropa und Zentralasien 9
Lateinamerika und Karibik 8
Südasien 8
Mittlerer Osten und Nordafrika 6
 
… nach Sektoren Regierungen 60
NGOs / Privatsektor 17
multilaterale Organisationen 12
sonstige 11

Quelle: The Global Fund: www.theglobalfund.org




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