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Erwerbstätigkeit
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Fakten

Die International Labour Organization (ILO) gliedert die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter – also von 15 und mehr Jahren – in Erwerbspersonen und Nichterwerbspersonen. Die Erwerbspersonen werden wiederum in Erwerbstätige und Erwerbslose unterteilt. Erwerbstätige Personen sind sowohl Lohn- und Gehaltsempfänger als auch Arbeitgeber und mithelfende Familienangehörige sowie Personen, die auf eigene Rechnung arbeiten. Erwerbslose sind Personen ohne Erwerbstätigkeit, die sich in den letzten vier Wochen aktiv um eine Arbeitsstelle bemüht haben und innerhalb von zwei Wochen für die Aufnahme einer Tätigkeit zur Verfügung stehen. Die Erwerbslosenquote entspricht dem Anteil der Erwerbslosen an den Erwerbspersonen.

Bei einer Beschreibung von mittelfristigen Trends lassen sich für alle hier betrachteten Gruppen steigende Erwerbslosenquoten von 1991 bis 1997 feststellen. Von der sich anschließenden Verringerung der Erwerbslosenquoten bis zum Jahr 2001 waren ebenfalls alle Gruppen betroffen (bei den 50 bis 64-Jährigen setzte sich diese Bewegung bis 2002 fort). Schließlich stiegen bis 2004 bei allen Gruppen die Werte der Erwerbslosenquote an, um dann bis zum ersten Quartal des Jahres 2007 erneut zu sinken. Die gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen wirkten sich demnach ähnlich auf die einzelnen Gruppen unter den Erwerbspersonen aus. Dies gilt sowohl für negative als auch für positive Trends.

Unterschiede ergeben sich vor allem bei einer Betrachtung der Niveaus der jeweiligen Erwerbslosenquoten. So lag beispielsweise die Erwerbslosenquote der Frauen in jedem Jahr seit 1991 über derjenigen der Männer – auch wenn es im zeitlichen Verlauf eine Annährung gab. Und die Erwerbslosenquoten der unter 25-Jährigen sowie der 50 bis 64-Jährigen lagen durchgehend weit über dem Durchschnitt. Während die Erwerbslosenquoten der Männer bzw. Frauen im Jahr 2006 bei 7,8 bzw. 8,4 Prozent lagen, erreichten die Erwerbslosenquoten der unter 25-Jährigen sowie der 50 bis 64-Jährigen einen Wert von 15,1 bzw. 11,4 Prozent.

Nach einer insgesamt weiter sinkenden Erwerbslosenquote von 2006 auf 2007 ermittelte das Statistische Bundesamt für Mai 2008 saisonbereinigt 3,22 Millionen Erwerbslose. Dieser Wert wurde ebenfalls nach dem Konzept der ILO berechnet und stellt eine vorläufige Schätzung dar. Im Vergleich zum Vorjahresmonat waren 440.000 Personen bzw. 12,2 Prozent weniger erwerbslos. Die innerhalb der EU harmonisierte saisonbereinigte Erwerbslosenquote lag für Deutschland mit 7,4 Prozent deutlich unter dem Ergebnis des Vorjahresmonats von 8,5 Prozent. Durch die methodische Umstellung der Datenerhebung und einem neuen Veröffentlichungsprogramm seit September 2007 können diese Zahlen allerdings nicht mit denen der Grafik verglichen werden.

Da die ILO Erwerbslosigkeit als "extreme Situation des totalen Fehlens von Arbeit" definiert, hat sie zusätzlich das Konzept der Unterbeschäftigung eingeführt. Als unterbeschäftigt gelten die Personen, die unfreiwillig weniger als die normale Arbeitsdauer arbeiten und nach zusätzlicher Arbeit suchen. Die Unterbeschäftigtenquote liegt nicht nur höher als die Erwerbslosenquote, sie ist zwischen 2005 und 2006 auch von 12,1 auf 13,2 Prozent gestiegen. In den ersten Monaten des Jahres 2007 war allerdings auch bei der Unterbeschäftigtenquote ein deutlicher Rückgang zu beobachten.

Datenquelle

Statistisches Bundesamt: Statistisches Jahrbuch 2007 (PDF-Version: 6.430 KB); Eurostat; Bundesagentur für Arbeit (BA)

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

Das Labour-Force-Konzept der ILO definiert Erwerbstätigkeit in einem extensiven Sinne. Es ist bereits ausreichend, während einer kurzen Referenzperiode (in der Regel eine Woche) eine Stunde gearbeitet zu haben, um als erwerbstätig klassifiziert zu werden. Erwerbslosigkeit wird entsprechend als extreme Situation des totalen Fehlens von Arbeit verstanden. Innerhalb der Erwerbstätigkeit können dagegen weniger extreme Situationen mit partiellem Fehlen von Arbeit vorhanden sein. Um solche Situationen zu identifizieren und damit die Statistik der Erwerbslosigkeit zu vervollständigen, wurde das Konzept der Unterbeschäftigung eingeführt. Erwerbstätige Personen werden nur dann als sichtbar unterbeschäftigt klassifiziert, wenn sie gleichzeitig die folgenden drei Kriterien erfüllen:

- Es wurde weniger als die normale Arbeitsdauer gearbeitet.
- Die geringere Arbeitsdauer war unfreiwillig.
- Es wurde nach einer zusätzlichen Arbeit während der Referenzperiode gesucht oder die Verfügbarkeit dazu war gegeben.

Zu den Nichterwerbspersonen zählen Schüler, Hausfrauen ohne eigenen Beruf, Personen, die von ihrem Vermögen, von Renten, Pensionen oder Unterstützung leben sowie Anstaltsinsassen. Soweit nicht besonders vermerkt, sind Soldaten inbegriffen, nicht jedoch Personen, die erstmals Arbeit suchen.

Creative Commons License

Dieser Text ist unter der Creative-Commons-Lizenz
by-nc-nd/2.0/de lizenziert.

Ausgewählte Erwerbslosenquoten und Unterbeschäftigtenquote

Nach der ILO-Arbeitsmarktstatistik, in Prozent, 1991 bis 2007

  Erwerbslosenquote*
insgesamt Männer Frauen
in Prozent
1991 4,9 3,5 6,6
1992 5,8 4,0 7,9
1993 6,9 5,2 9,0
1994 7,4 5,7 9,4
1995 7,1 5,5 9,0
1996 7,7 6,5 9,3
1997 8,6 7,3 10,1
1998 8,1 7,0 9,5
1999 7,5 6,5 8,7
2000 6,9 6,0 7,9
2001 6,9 6,2 7,7
2002 7,6 7,1 8,2
2003 8,8 8,3 9,3
2004 9,2 8,7 9,7
2005 9,1 8,8 9,5
2006 8,1 7,8 8,4
Jan. 2007 7,6 7,5 7,6
Feb. 2007 7,5 7,0 8,0
März 2007 7,2 6,7 7,7
April 2007 6,6 6,0 7,3
 

  Erwerbslosenquote* Unterbe-
schäftigten-
quote***
unter 25
Jahren
50 bis 64
Jahre**
in Prozent
1991 9,5
1992 10,2
1993 12,2
1994 12,6
1995 12,1
1996 13,2 11,2
1997 14,3 13,0
1998 13,4 13,2
1999 12,1 12,0
2000 11,4 11,0
2001 11,3 10,4
2002 13,3 10,1
2003 15,7 11,4
2004 15,9 12,1
2005 15,7 12,0 12,1
2006 15,1 11,4 13,2
Jan. 2007 14,6 13,1
Feb. 2007 14,5 13,1
März 2007 13,8 12,7
April 2007 12,6 11,8

* Anteil der Erwerbslosen an den Erwerbspersonen in vergleichbarer Abgrenzung
** Ergebnisse beziehen sich bis einschließlich 2004 auf das jeweilige Frühjahr. Ab 2005 handelt es sich um Jahresdurchschnitte.
*** Erwerbstätige Personen werden nur dann als sichtbar unterbeschäftigt klassifiziert, wenn sie gleichzeitig weniger als die normale Arbeitsdauer gearbeitet haben, die geringere Arbeitsdauer unfreiwillig war und nach einer zusätzlichen Arbeit während der Referenzperiode gesucht haben oder die Verfügbarkeit dazu gegeben war.

Quelle: Statistisches Bundesamt: Statistisches Jahrbuch 2007; Eurostat; Bundesagentur für Arbeit (BA)




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