PDF Version (135 KB) Fakten
Die Ausgaben für Sozialleistungen in Deutschland haben sich sehr unterschiedlich entwickelt. Bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt (BIP), das sich zwischen 1995 und 2006 um 25,6 Prozent erhöhte, stiegen die Ausgaben für das Kindergeld (plus 243,0 Prozent) und im Bereich der sozialen Pflegeversicherung (plus 241,2 Prozent) überdurchschnittlich stark.
Bei der Pflegeversicherung lässt sich diese Entwicklung vor allem dadurch erklären, dass diese erst im Jahr 1995 als eigenständiger Zweig der Sozialversicherung eingeführt worden ist und sich die Zahl der Pflegebedürftigen seitdem etwa verdoppelt hat. Beim Kindergeld ist nicht die Veränderung der Zahl der Empfangsberechtigten entscheidend, sondern die Erhöhung des Zahlbetrags pro Kind. So erhielten beispielsweise im Jahr 1995 die Empfangsberechtigten für das erste Kind 70 DM (knapp 36 Euro) pro Monat – 2006 waren es bereits 154 Euro.
Zwar stiegen zwischen 1995 und 2006 die Ausgaben in den Bereichen Kinder- und Jugendhilfe, allgemeine Rentenversicherung, gesetzliche Krankenversicherung, knappschaftliche Rentenversicherung sowie der gesetzlichen Unfallversicherung; allerdings fiel der prozentuale Anstieg in allen Bereichen niedriger aus als bei der Entwicklung des BIP.
Rückläufig waren die Ausgaben für Sozialhilfe (minus 23,2 Prozent), Arbeitslosengeld und -hilfe (minus 34,8 Prozent), Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz (minus 58,4 Prozent), Wohngeld (minus 60,4 Prozent) sowie Kriegsopferfürsorge (minus 60,8 Prozent).
Dabei sind die Ausgaben in den Bereichen Sozialhilfe, Wohngeld, Arbeitslosengeld und -hilfe vor allem durch die Einführung der Grundsicherung für Arbeitsuchende Anfang 2005 gesunken: Ehemalige erwerbsfähige Sozialhilfeempfänger erhalten jetzt Arbeitslosengeld II, genauso wie Personen, die zuvor einen Anspruch auf Arbeitslosenhilfe hatten. Und statt der Zahlung von Wohngeld werden die Unterkunftskosten im Rahmen der jeweiligen Sozialleistung (Grundsicherung für Arbeitsuchende, laufende Hilfe zum Lebensunterhalt bzw. Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung) berücksichtigt.
Die Ausgaben im Rahmen des Asylbewerberleistungsgesetzes reduzierten sich vor allem aufgrund der rückläufigen Zahl an Leistungsempfängern. Zwischen 1995 und 2005 sank die Zahl der Empfänger von Regelleistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz von etwa 489.000 auf rund 211.000 Personen.
Eine Erhöhung bzw. Reduzierung der Ausgaben im Bereich der sozialen Sicherung ist allerdings nicht immer gleichbedeutend mit einer Steigerung bzw. Absenkung des Versorgungsniveaus. Wenn beispielsweise im Bereich der Kriegsopferfürsorge zahlreiche Leistungsempfänger sterben, dann reduzieren sich die Gesamtausgaben, ohne dass die Leistungen pro Kopf sinken.
Datenquelle
Statistisches Bundesamt: Statistisches Jahrbuch 2008 (PDF-Version: 8.210 KB)
Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) misst den Wert der im Inland hergestellten Waren und Dienstleistungen (Wertschöpfung), soweit diese nicht als Vorleistungen für die Produktion anderer Waren und Dienstleistungen verwendet werden.

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Sozialleistungen – Entwicklung der Ausgaben
In absoluten Zahlen und Veränderung in Prozent, 1995, 2000 und 2006
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1995 |
2000 |
2006 |
| in Mio. Euro |
| Kindergeld |
8.685 |
25.627 |
29.787 |
| Soziale Pflegeversicherung* |
5.295 |
16.718 |
18.065 |
| Bruttoinlandsprodukt (BIP) |
1.848.450 |
2.062.500 |
2.321.500 |
| Kinder- und Jugendhilfe |
17.020 |
18.465 |
20.924 |
| Allgemeine Rentenversicherung |
189.977 |
217.596 |
233.101 |
| Gesetzliche Krankenversicherung** |
124.006 |
133.823 |
147.973 |
| Knappschaftliche Rentenversicherung |
13.559 |
14.390 |
14.631 |
| Gesetzliche Unfallversicherung |
12.992 |
13.384 |
13.995 |
| Sozialhilfe |
26.669 |
23.319 |
20.483 |
| Arbeitslosengeld und -hilfe*** |
35.130 |
36.772 |
22.899 |
Leistungen nach dem Asylbewerber- leistungsgesetz |
2.800 |
1.945 |
1.165 |
| Wohngeld |
2.938 |
3.541 |
1.162 |
| Kriegsopferfürsorge |
1.354 |
630 |
531 |
| |
Veränderung 1995/2000 |
Veränderung 2000/2006 |
Veränderung 1995/2006 |
| in Prozent |
| Kindergeld |
195,1 |
16,2 |
243,0 |
Soziale Pflegeversicherung* |
215,7 |
8,1 |
241,2 |
| Bruttoinlandsprodukt (BIP) |
11,6 |
12,6 |
25,6 |
| Kinder- und Jugendhilfe |
8,5 |
13,3 |
22,9 |
| Allgemeine Rentenversicherung |
14,5 |
7,1 |
22,7 |
| Gesetzliche Krankenversicherung** |
7,9 |
10,6 |
19,3 |
| Knappschaftliche Rentenversicherung |
6,1 |
1,7 |
7,9 |
| Gesetzliche Unfallversicherung |
3,0 |
4,6 |
7,7 |
| Sozialhilfe |
-12,6 |
-12,2 |
-23,2 |
| Arbeitslosengeld und -hilfe*** |
4,7 |
-37,7 |
-34,8 |
Leistungen nach dem Asylbewerber- leistungsgesetz |
-30,5 |
-40,1 |
-58,4 |
| Wohngeld |
20,5 |
-67,2 |
-60,4 |
| Kriegsopferfürsorge |
-53,5 |
-15,7 |
-60,8 |
* ohne private Pflegeversicherung ** ohne Risikostrukturausgleich *** ab 1998 einschließlich Erstattungen an ausländische Versicherte, ab 2005 Wegfall der Arbeitslosenhilfe
Quelle: Statistisches Bundesamt: Statistisches Jahrbuch 2008
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