PDF Version (151 KB) Fakten
Bei der Anzahl der Kinder, die eine Frau im Laufe ihres Lebens bekommt, lassen sich zwischen den Generationen erhebliche Unterschiede feststellen. Das generative Verhalten ist dabei von verschiedenen Faktoren abhängig. Zum Beispiel vom Wandel der Lebensformen, von veränderten Einstellungen zur Sexualität, den Möglichkeiten der Empfängnisverhütung, der Erwerbstätigkeit von Frauen und/oder von den finanziellen Voraussetzungen für ein Leben mit Kindern. Welchen Faktoren hierbei eine besondere Bedeutung zukommt, ist politisch, aber auch wissenschaftlich umstritten.
Die endgültige Kinderzahl kann nur für die Jahrgänge (Kohorten) nachgewiesen werden, die das 50. Lebensjahr bereits erreicht haben. Seit 2007 sind demnach Angaben bis zur Kohorte der 1957 geborenen Frauen möglich. Bei einem Vergleich der Geburtsjahrgänge 1937 und 1957 zeigen sich erhebliche Unterschiede bei der durchschnittlichen Kinderzahl. Die Frauen des Geburtsjahrgangs 1937 brachten im Westen und Osten Deutschlands im Durchschnitt noch gleich viele Kinder zur Welt (2,1 Kinder je Frau). In den nächsten 20 Jahren nahm die endgültige Kinderzahl in Westdeutschland mit 26 Prozent deutlich stärker ab als in Ostdeutschland mit 13 Prozent. Die durchschnittliche Kinderzahl je Frau der Kohorte 1957 sank dabei auf 1,6 in West- und auf 1,8 in Ostdeutschland. Die endgültige Kinderzahl für alle Frauen des Jahrgangs 1957 beträgt durchschnittlich 1,6 Kinder je Frau.
Für die Geburtsjahrgänge nach 1957 ist in beiden Teilen Deutschlands mit einer Abnahme der endgültigen Kinderzahl zu rechnen. Darauf deuten die bis zum 35. Lebensjahr erreichten Geburtenzahlen hin. So ging die durchschnittliche Kinderzahl der 34-Jährigen von der Kohorte 1957 bis zur Kohorte 1970 in Westdeutschland um 20 Prozent und in Ostdeutschland sogar um 29 Prozent zurück. Obwohl aktuell die Geburten im höheren reproduktiven Alter zunehmen, wird dieser Rückstand kaum aufzuholen sein.
In Westdeutschland ist vor allem der Anteil von Frauen, die mehr als drei Kinder zur Welt bringen, in den älteren Kohorten deutlich höher als bei den nachfolgenden Generationen. Der Anteil der Frauen mit einem oder zwei Kindern ist bei den Geburtsjahrgängen ab 1940 relativ stabil.
Lange Zeit stieg in Ostdeutschland der anfangs sehr geringe Anteil von Frauen mit drei oder mehr Kindern. Seit den Jahrgängen ab 1955 liegt der Anteil nur noch leicht unter dem entsprechenden Wert im Westen. Während sich bei den älteren Jahrgängen der Anteil der Frauen mit einem Kind zugunsten des Anteils der Frauen mit zwei Kindern verringerte, gibt es bei den jüngeren Müttern in Ostdeutschland einen Trend zur Ein-Kind-Familie: 37 Prozent der 35- bis 49-jährigen Mütter hatten 2006 lediglich ein Kind, 48 Prozent hatten zwei und 16 Prozent drei oder mehr Kinder.
Parallel zum Rückgang der durchschnittlichen Kinderzahl hat sich auch der Anteil der Frauen, die dauerhaft kinderlos bleiben, erhöht. Von den Frauen, die 1957 bis 1966 geboren wurden und die bei einer Erhebung des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2006 zwischen 40 und 49 Jahre alt waren, hatten 21 Prozent keine Kinder. Unter den zehn Jahre älteren Frauen (Jahrgänge 1947 bis 1956) hatten 16 Prozent keine Kinder.
In Westdeutschland war der Anteil der kinderlosen Frauen bisher deutlich höher als in Ostdeutschland. Unter den Frauen der Jahrgänge 1957 bis 1966 hatten 2006 in Westdeutschland 23 Prozent keine Kinder. In Ostdeutschland – wo die zunehmende Kinderlosigkeit ein jüngeres Phänomen ist – waren nicht einmal halb so viele Frauen kinderlos. Für das gegenwärtige Geburtenverhalten der Frauen ist charakteristisch, dass von den im Jahr 2006 30- bis 34-Jährigen in Westdeutschland 42 Prozent und in Ostdeutschland 31 Prozent kinderlos waren.
Von den im Jahr 2006 40 bis 75 Jahre alten Frauen (Geburtsjahrgänge 1931 bis 1966) hatte in Westdeutschland jede vierte Frau mit hoher Bildung keine Kinder, bei den Frauen mit niedriger Bildung war es nur jede achte. Dagegen war in Ostdeutschland der Anteil der Kinderlosen insgesamt erheblich niedriger und er nahm auch mit dem Bildungsstand nicht zu.
Datenquelle
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend; Statistisches Bundesamt: Geburten in Deutschland (PDF-Version: 520 KB), Pressemitteilung
Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen
Der Begriff "Kohorte" bezeichnet alle Angehörigen eines Jahrgangs, das heißt die im gleichen Jahr Geborenen.

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Kinderzahl und Kinderlosigkeit
Verteilung nach Zahl der Kinder in Prozent, Frauenjahrgänge 1940 bis 1960, Stand: 2003
| Jahrgang |
Westdeutschland |
| 0 Kinder |
1 Kind |
2 Kinder |
≥ 3 Kinder |
| 1960 |
23,3 |
21,6 |
37,4 |
17,8 |
| 1955 |
19,4 |
24,3 |
38,5 |
17,8 |
| 1950 |
14,9 |
27,2 |
39,5 |
18,5 |
| 1945 |
13,3 |
26,9 |
39,4 |
20,4 |
| 1940 |
10,1 |
23,6 |
39,4 |
27,0 |
| |
Ostdeutschland |
| 0 Kinder |
1 Kind |
2 Kinder |
≥ 3 Kinder |
| 1960 |
10,6 |
20,7 |
54,0 |
14,8 |
| 1955 |
6,0 |
25,7 |
53,7 |
14,6 |
| 1950 |
8,0 |
29,3 |
49,6 |
13,1 |
| 1945 |
8,5 |
33,0 |
47,7 |
10,8 |
| 1940 |
8,9 |
33,2 |
47,4 |
10,5 |
Quelle: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
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