PDF Version (84 KB) Fakten
Mit der Liberalisierung der Handelsbeziehungen nehmen nach Beobachtung der International Labour Organization (ILO) häufig die schlecht bezahlten Beschäftigungsverhältnisse ohne regulären Vertrag zu; der informelle Sektor weitet sich aus. Auch in Relation zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist die Bedeutung des informellen Sektors zwischen 1990 und 2003 in allen Regionen der Welt gewachsen.
In den ökonomisch sich entwickelnden Staaten (ohne China) entsprach die ökonomische Bedeutung des informellen Sektors im Jahr 1990 noch 28 Prozent des BIP, 2003 lag der entsprechende Wert bei 36 Prozent. Nach Schätzungen der ILO gehen bis zu 70 Prozent aller Beschäftigten in den ökonomisch sich entwickelnden Staaten einer informellen Beschäftigung nach.
Der informelle Sektor hat im subsaharischen Afrika, in Lateinamerika und der Karibik sowie in den einkommensschwachen Staaten Europas und in Zentralasien einen überdurchschnittlich hohen Anteil an der Ökonomie. Im Nahen Osten und Nordafrika, in Südasien sowie in Ostasien und der Region Pazifik ist seine Bedeutung unterdurchschnittlich.
In den ökonomisch entwickelten Staaten wuchs der informelle Sektor sogar etwas stärker als in den ökonomisch sich entwickelnden Staaten, allerdings auf deutlich niedrigerem Niveau. Er entsprach im Jahr 2003 13 Prozent des BIP.
Der informelle Sektor existiert in den ökonomisch entwickelten Staaten häufig parallel zum formellen Sektor. Insbesondere bei starker Zuwanderung von gering- und unqualifizierten Arbeitskräften aus ökonomisch sich entwickelnden Staaten können sich Parallelökonomien entwickeln, die – bei schlechterer Bezahlung und längerer Arbeitszeit der Beschäftigten – dem formellen Sektor zuarbeiten.
Als besonderes Problem gilt in Bezug auf den informellen Sektor das so genannte 'Subcontracting'. Dabei geben Multinationale Unternehmen (MNU) arbeitsintensive Produktionsschritte an Subunternehmen in ökonomisch sich entwickelnden Staaten als Auftragsleistung weiter. Diese Subunternehmen greifen wiederum vielfach auf den informellen Sektor zurück, um die nachgefragten Leistungen besonders kostengünstig anbieten zu können.
Der Widerspruch zwischen den sozialen Standards der MNU bei ihren westlichen Produktionsstätten bzw. Unternehmenssitzen und den Arbeitsbedingungen bei den Subunternehmen hat zu zahlreichen, durchaus nicht folgenlosen Kampagnen von Aktivisten gegen die MNU geführt.
Datenquellen
The World Bank: Doing Business 2005
Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen
Die International Labour Organization (ILO) definiert 'informelle Beschäftigung' als ein meist schlecht bezahltes Beschäftigungsverhältnis ohne regulären Vertrag, ohne soziale Sicherung und mit prekären Arbeitsschutzbedingungen. Die ILO unterscheidet in Bezug auf den informellen Sektor zwischen Selbstbeschäftigten mit unbezahlt mitarbeitenden Familienangehörigen und abhängig Beschäftigten.
Bei der Definition des informellen Sektors stehen nicht mehr die Unternehmen im Mittelpunkt, die bestimmte Regeln umgehen wollen, sondern die Beschäftigten, die gerne soziale Sicherungsleistungen erhalten würden, von diesen aber ausgeschlossen werden.
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