PDF Version (179 KB) Fakten
Die Weltbank setzt sich aus zwei Institutionen zusammen: der Internationalen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (IBRD – International Bank for Reconstruction and Development) und der Internationalen Entwicklungsorganisation (IDA – International Development Association).
Die IBRD wurde gemeinsam mit dem Internationalen Währungsfonds (International Monetary Fund – IMF) im Jahr 1944 bei der Währungs- und Finanzkonferenz in Bretton Woods/USA gegründet. Sie ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen (UN) mit Sitz in Washington, D.C./USA. Die Gründung der IDA erfolgte im Jahr 1960.
Die IBRD und die IDA bilden zusammen mit der International Finance Corporation (IFC), der Multilateral Investment Guarantee Agency (MIGA) und dem International Centre for Settlement of Investment Disputes (ICSID) die Weltbankgruppe. Im Geschäftsjahr 2008 (Juli 2007 bis Juni 2008) vergab die Weltbankgruppe 38,2 Milliarden US-Dollar an Darlehen, Zuschüssen, Beteiligungen, Investitionen und Garantien an ihre Mitglieder und private Investoren in den Mitgliedstaaten. Damit ist die Weltbankgruppe einer der weltweit größten entwicklungspolitischen Akteure. Sie hat mehr als 11.000 Beschäftigte aus 161 Herkunftsländern und unterhält in nahezu 120 Staaten Länderbüros.
Die Kapitaleigner der Weltbank sind die Mitgliedstaaten. Neben einem Grundstock an Stimmrechten für jeden Mitgliedstaat bestimmt der Kapitalanteil der einzelnen Staaten maßgeblich über die Stimmenverteilung bei der IBRD und der IDA. Der Kapitalanteil hängt wiederum von der ökonomischen Leistungsfähigkeit ab. Die IBRD hat mit 186 Mitgliedern einige Mitglieder mehr als die IDA mit 169 (im Juni 2009 trat beiden Institutionen die Republik Kosovo bei).
Aufgabe der Weltbank ist es, den Lebensstandard zu steigern und Maßnahmen zur Armutsbekämpfung zu fördern. Entsprechend ihrer Entstehungsgeschichte vergab die Weltbank in den ersten Jahren überwiegend Kredite für den Wiederaufbau Europas. Heute stehen die ökonomisch sich entwickelnden Staaten im Mittelpunkt.
Zur Erfüllung ihrer Aufgaben vergibt die Weltbank zinsgünstige Darlehen, zinsfreie Kredite und so genannte Mikrokredite. Sie leistet technische Hilfe und koordiniert Entwicklungsprojekte; sie unterstützt ökonomisch sich entwickelnde Staaten in den Bereichen Bildung, Infrastruktur und Kommunikation sowie bei nationalstaatlichen Anti-Korruptionsbemühungen. Zusätzlich betreibt die Weltbank ein Korruptionspräventionsprogramm und engagiert sich im Kampf gegen HIV/AIDS. Die Kreditneuzusagen für Programme zur HIV/AIDS-Bekämpfung lagen in den Jahren 2003 bis 2008 bei insgesamt 2 Milliarden US-Dollar.
Während sich die Arbeit der IBRD stärker auf ökonomisch sich entwickelnde Staaten mit mittleren Einkommen bezieht (Pro-Kopf-Einkommen zwischen 1.095 und 5.300 US-Dollar pro Jahr), konzentriert sich die IDA auf Staaten, deren Pro-Kopf-Einkommen im Jahr 2007 1.095 US-Dollar nicht überschritt oder die als Schuldner zu schwach sind, um Kredite der IBRD zu erhalten.
Im Geschäftsjahr 2008 erhöhten sich die Kreditneuzusagen der IBRD gegenüber dem Vorjahr leicht auf 13,5 Milliarden US-Dollar. Die Auszahlungen von IBRD-Mitteln blieben mit gut 10,5 Milliarden US-Dollar geringfügig unter dem Vorjahreswert. Die Neuzusagen von IDA (konzessionäre Darlehen und Zuschüsse) sanken von 2007 auf 2008 von 11,9 auf 11,2 Milliarden US-Dollar, die IDA-Auszahlungen stiegen von 8,6 auf 9,2 Milliarden US-Dollar. Die über die Weltbankgruppe geleistete Öffentliche Entwicklungszusammenarbeit (ODA) der im Entwicklungshilfeausschuss der OECD vertretenden Staaten lag im Jahr 2007 bei 6,1 Milliarden US-Dollar.
Staaten, die ein Darlehen bei der IBRD erhalten, haben 15 bis 20 Jahre Zeit, dieses zurückzuzahlen – die tilgungsfreie Zeit schwankt dabei zwischen drei und fünf Jahren. Die meisten dieser Staaten könnten auch auf privaten Märkten Kredite aufnehmen, jedoch nur zu deutlich schlechteren Konditionen.
Der typische IDA-Kredit ist zinslos und hat eine Laufzeit von 40 Jahren mit 10 tilgungsfreien Jahren – allerdings muss eine Verwaltungsgebühr von 0,75 Prozent der ausgezahlten Summe gezahlt werden. Im Jahr 2008 nahmen 80 Staaten Kredite der IDA in Anspruch. Die IDA gewährt 20 Prozent ihrer gesamten Finanzierungsleistungen als Zuschüsse. Staaten mit hohem Überschuldungsrisiko erhalten nur Zuschüsse und keine Kredite. Länder mit mittlerem Überschuldungsrisiko bekommen die Hälfte ihrer IDA-Leistungen als Zuschüsse und die andere Hälfte als Kredite.
Für stark verschuldete Staaten mit einem sehr niedrigen Bruttoinlandsprodukt pro Kopf (Heavily Indebted Poor Countries – HIPC) wurde auf Initiative der Weltbank und des IMF ein Entschuldungsprogramm beschlossen. Auch wenn die Initiative das grundsätzliche Problem der Schuldenkrise nicht vollständig beheben konnte, beträgt das Volumen der Entschuldung bisher rund 68 Milliarden US-Dollar (Stand: Juni 2009).
Die wirtschaftspolitischen Ansätze der Weltbank führen immer wieder zu Kontroversen. In der Vergangenheit wurde vor allem die eindimensionale Ausrichtung auf ökonomische Wachstumsraten und die zu häufige Förderung von ökologisch und sozial bedenklichen Großprojekten kritisiert.
Allerdings scheint in den letzten zehn Jahren ein Umdenken stattgefunden zu haben, das wohl auch mit dem prominenten Kritiker der Weltbank, Joseph E. Stiglitz, zu tun hat. Stiglitz, der von 1997 bis Anfang 2000 Chefökonom und Vizepräsident der Weltbank war, kritisierte die Arbeitsweise der Bank und forderte ein grundlegendes Umdenken.
Auch wenn Stiglitz nach zunehmendem Druck Ende 1999 seinen Rücktritt bekannt gab, wurde die von ihm vorgestellte, breitere Herangehensweise bei der Entwicklungsarbeit zu einer offiziellen Strategie der Weltbank: Der so genannte CDF (Comprehensive Development Framework) berücksichtigt stärker die verschiedenen Interdependenzen, lokalen Gegebenheiten und ökologischen Folgewirkungen. Dabei sollen die betroffenen Staaten – aber verstärkt auch nicht-staatliche Akteure – Partner und nicht nur Empfänger sein.
Zumindest wird heute bei der Zielsetzung der Weltbank nicht mehr ausschließlich die "ökonomische Wachstumsförderung" betont, sondern immer öfter die "Armutsbekämpfung" und "nachhaltige Entwicklung" in den Mittelpunkt gestellt. Dies trägt der Erfahrung Rechnung, dass Wachstum nicht automatisch die Armut verringert.
Datenquelle
International Bank for Reconstruction and Development (IBRD): Subscriptions and Voting Power of Member Countries; International Development Association (IDA): Voting Power of Member Countries; The World Bank: www.worldbank.org; The World Bank Group: Jahresbericht des deutschen Exekutivdirektors bei der Weltbank 2008
Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen
International Finance Corporation (IFC) – Internationale Finanz-Corporation
Multilateral Investment Guarantee Agency (MIGA) – Multilaterale Investitionsgarantie-Agentur
International Centre for Settlement of Investment Disputes (ICSID) – Internationales Zentrum zur Beilegung von Investitionsstreitigkeiten

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The World Bank – IBRD / IDA
Stimmenverteilung in Prozent, Stand: März/April 2009
| |
IBRD* |
| USA |
16,38 |
| Japan |
7,86 |
| Deutschland |
4,49 |
| Frankreich |
4,30 |
| Großbritannien |
4,30 |
| China |
2,78 |
| Indien |
2,78 |
| Italien |
2,78 |
| Kanada |
2,78 |
| Russland |
2,78 |
| Saudi-Arabien |
2,78 |
| Niederlande |
2,21 |
| Brasilien |
2,07 |
| Belgien |
1,80 |
| Spanien |
1,74 |
| Schweiz |
1,66 |
| Australien |
1,53 |
| Iran |
1,48 |
| Venezuela |
1,27 |
| Mexiko |
1,18 |
| Argentinien |
1,12 |
| sonstige Mitgliedstaaten (164) |
29,93 |
| insgesamt |
100,00 |
|
| |
IDA** |
| USA |
12,10 |
| Japan |
9,61 |
| Deutschland |
6,35 |
| Großbritannien |
5,42 |
| Frankreich |
4,08 |
| Saudi-Arabien |
3,32 |
| Indien |
3,16 |
| Kanada |
2,71 |
| Italien |
2,58 |
| Polen |
2,12 |
| Niederlande |
2,04 |
| Schweden |
2,00 |
| China |
1,90 |
| Brasilien |
1,61 |
| Australien |
1,24 |
| Belgien |
1,14 |
| Schweiz |
1,09 |
| Norwegen |
1,04 |
| sonstige Mitgliedstaaten (150) |
36,49 |
| insgesamt |
100,00 |
* International Bank for Reconstruction and Development (IBRD) ** International Development Association (IDA) Quelle: International Bank for Reconstruction and Development (IBRD): Subscriptions and Voting Power of Member Countries; International Development Association (IDA): Voting Power of Member Countries
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