Jugendarrest

Freizeitarrest, Kurzarrest, Dauerarrest, Beugearrest

als strengstes der nach dem Jugendgerichtsgesetz (JGG) zulässigen Zuchtmittel eine kurzzeitige Freiheitsentziehung im Rahmen des Jugendstrafrechts. J. soll angeordnet werden, wenn die Verhängung von Jugendstrafe nicht erforderlich ist, dem Jugendlichen das Unrecht der Tat aber bewusst gemacht werden soll (§ 13 JGG). Der J. hat rechtstechnisch nicht die Wirkung einer Strafe, insbesondere erfolgt keine Eintragung ins Straf-, wohl aber ins Erziehungsregister. Es gibt drei Formen des J.: 1) Freizeitarrest wird im Allg. am Wochenende von Sonnabendmorgen bis Sonntagabend bzw. Montagmorgen vollzogen. Seine erzieherische Wirkung wird vielfach in Zweifel gezogen, da pädagogisch geschultes Personal am Wochenende nur in geringem Umfang zur Verfügung steht. In der Praxis wird er gern als »Schuss vor den Bug« (»short sharp shock«) eingesetzt, in der Hoffnung, dass der bei der Einschließung erlittene Leidensdruck den Verurteilten wieder zur Respektierung der Rechte anderer bringt. 2) Kurzarrest ist eine Ersatzform für den Freizeitarrest, wenn dieser unzweckmäßig ist. Er darf nicht länger als vier Tage dauern. In der Praxis wird er nur selten angewandt. 3) Dauerarrest wird für die Dauer von einer bis zu längstens vier Wochen verhängt. Die Verhängung von mehr als zwei Wochen Dauerarrest stößt in der Praxis teilweise auf Kritik, da ab dieser Dauer die positiven Wirkungen des Leidensdrucks abgelöst werden von den negativen der Gewöhnung.

Bei den im Jugendgerichtsverfahren beteiligten Berufsgruppen ist das Sanktionsmittel des J. seit Jahren heftig umstritten. Seine Beibehaltung setzt voraus, dass die Verurteilten während des Arrests mit Fachpersonal an ihren Erziehungsdefiziten arbeiten können, sodass der Dauerarrest den Charakter eines stationären sozialen Trainingskurses erhält.

Von dem als Zuchtmittel verhängten J. ist der sogenannte Beugearrest zu unterscheiden. Er wird verhängt, wenn der Verurteilte Weisungen oder Auflagen des Gerichts in vorwerfbarer Weise nicht erfüllt (§ 11 Abs. 3 JGG) oder im Bußgeldverfahren die Geldbuße nicht bezahlt und auch die ersatzweise verhängte gemeinnützige Arbeit nicht verrichtet hat. Auch der Beugearrest ist unter den Beteiligten des Jugendgerichtsverfahrens heftig umstritten.

Der J. wird in besonderen Anstalten (Jugendarrestanstalten) oder Arresträumen vollzogen. (Jugendstrafrecht)


Quelle: Duden Recht A-Z. Fachlexikon für Studium, Ausbildung und Beruf. 2. Aufl. Mannheim: Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus 2010. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung.




 

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