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Arbeitslosigkeit
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Fakten

Die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe im Jahr 2005 führte zu einer Verschiebung aus der so genannten Stillen Reserve in die registrierte Arbeitslosigkeit bzw. zu einem zusätzlichen Arbeitskräfteangebot. Aufgrund des "Hartz IV-Effekts" – der nach Berechnungen der Bundesagentur für Arbeit (BA) bei etwa 380.000 im Jahresdurchschnitt 2005 lag – beziehen sich die hier angestellten Jahresvergleiche entweder auf die Zeit bis 2004 oder auf die Zeit ab 2005.

Werden die Arbeitslosen in verschiedene Gruppen unterteilt, wird schnell deutlich, dass sowohl das Niveau als auch die Entwicklung der Arbeitslosenquote – die sich hier auf alle abhängigen zivilen Erwerbspersonen bezieht – nicht für alle Gruppen gleichermaßen repräsentativ ist. Abseits der Schwankungen im Zeitverlauf ist die Arbeitslosenquote in Deutschland zwischen 1995 und 2004 von 10,4 auf 11,7 Prozent gestiegen (plus 1,3 Prozentpunkte) und zwischen 2005 und 2007 von 13,0 auf 10,1 Prozent gesunken (minus 2,9 Prozentpunkte).

Bei einer Unterscheidung nach Nationalität fällt auf, dass die Arbeitslosenquote der Deutschen zwischen 1995 und 2004 – gegen den Gesamttrend – um 1,6 Prozentpunkte sank. Die Arbeitslosenquote der Ausländer stieg hingegen mit einem Plus von 3,2 Prozentpunkten überdurchschnittlich stark. Dies ist insbesondere deshalb problematisch, weil das Ausgangsniveau mit 17,1 Prozent im Jahr 1995 ohnehin deutlich höher war als bei den Deutschen mit 12,6 Prozent. Und auch die Entwicklung der Arbeitslosenquote der Ausländer in den Jahren 2005 bis 2007 ist nicht durchweg positiv: Der mit 25,2 Prozent auffallend hohe Wert der Arbeitslosenquote im Jahr 2005 relativiert die Reduzierung der Quote um 4,9 Prozentpunkte bis 2007.

Auch die Arbeitslosenquoten der unter 25-Jährigen bzw. die der unter 20-Jährigen entsprechen nicht dem Durchschnitt. Ausgehend von Arbeitslosenquoten von 9,5 bzw. 7,9 Prozent im Jahr 1995 stieg die Quote bei den unter 25-Jährigen bis 2004 unterdurchschnittlich um 0,4 Prozentpunkte. Bei den unter 20-Jährigen reduzierte sie sich im selben Zeitraum sogar um 3,7 Prozentpunkte auf 4,2 Prozent – damit lag sie weit unter der durchschnittlichen Arbeitslosenquote von 11,7 Prozent.

Am auffälligsten sind die Abweichungen von der durchschnittlichen Arbeitslosenquote bei einer Differenzierung nach Geschlecht. So stieg die Arbeitslosenquote der Männer in Ostdeutschland zwischen 1995 und 2004 von 11,3 auf 20,6 Prozent und damit um 9,3 Prozentpunkte. Die Arbeitslosenquote der ostdeutschen Frauen hatte mit 18,5 Prozent im Jahr 1995 zwar ein deutlich höheres Ausgangsniveau, sie erhöhte sich dann aber bis 2004 um lediglich einen Prozentpunkt. Damit lag die Arbeitslosenquote der ostdeutschen Frauen im Jahr 2004 1,1 Prozentpunkte unter der der ostdeutschen Männer.

Auch in Westdeutschland entwickelte sich die Arbeitslosenquote der Frauen deutlich besser als die der Männer. Während sich die Arbeitslosenquote der Männer in Westdeutschland zwischen 1995 und 2004 von 9,1 auf 10,3 Prozent erhöhte, reduzierte sich die der Frauen sogar um 0,6 Prozentpunkte auf 8,4 Prozent im Jahr 2004.

Schließlich weichen auch die Arbeitslosenquoten der Männer bzw. Frauen in Westdeutschland von denen der Männer bzw. Frauen in Ostdeutschland ab. 1995 waren die Arbeitslosenquoten der Männer in Ost (11,3 Prozent) und West (9,1 Prozent) lediglich 2,2 Prozentpunkte voneinander entfernt. Im Jahr 2004 war die Arbeitslosenquote der ostdeutschen Männer mit 20,6 Prozent genau doppelt so hoch wie die der westdeutschen Männer. Und zwischen 2005 und 2007 reduzierte sich wiederum die Arbeitslosenquote der Männer in Westdeutschland (minus 28,3 Prozent) stärker als die der Männer in Ostdeutschland (minus 21,6 Prozent).

Bei den Frauen sind die Unterschiede zwischen Ost und West ähnlich gravierend. So war die Arbeitslosenquote der ostdeutschen Frauen in allen Jahren von 1992 bis 2004 mindestens doppelt und häufig zweieinhalbmal so hoch wie die der westdeutschen Frauen. Und auch bei den Frauen reduzierte sich zwischen 2005 und 2007 die Arbeitslosenquote im Westen (minus 18,7 Prozent) stärker als im Osten (minus 14,7 Prozent).

Datenquelle

Bundesagentur für Arbeit (BA): Analytikreport der Statistik 04/2008 (PDF-Version: 380 KB), www.arbeitsagentur.de

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

Das Sozialgesetzbuch Drittes Buch (SGB III) definiert als Arbeitslose alle Arbeitsuchenden im Alter von 15 bis 64 Jahren, die keine Beschäftigung haben oder weniger als 15 Wochenstunden arbeiten, eine versicherungspflichtige, mindestens 15 Stunden wöchentlich umfassende Beschäftigung suchen und dabei den Vermittlungsbemühungen der Arbeitsagenturen zur Verfügung stehen und nicht arbeitsunfähig erkrankt sind. Außerdem ist die Registrierung bei einer Agentur für Arbeit erforderlich.

Die Arbeitslosenquote entspricht dem prozentualen Anteil der Arbeitslosen an den Erwerbspersonen. Die Erwerbspersonen setzen sich aus den Erwerbstätigen und den Arbeitslosen zusammen. Je nach Definition werden die Arbeitslosen auf die abhängigen zivilen Erwerbspersonen oder auf alle zivilen Erwerbspersonen bezogen. Bei den hier ausgewählten Arbeitslosenquoten werden die Arbeitslosen immer in Beziehung zu den abhängigen zivilen Erwerbspersonen gesetzt.

Creative Commons License

Dieser Text ist unter der Creative-Commons-Lizenz
by-nc-nd/2.0/de lizenziert.

Ausgewählte Arbeitslosenquoten*

In Prozent, 1991 bis 2007

  insgesamt Männer Frauen
1991 7,3 6,4 8,5
1992 8,5 7,1 10,2
1993 9,8 8,6 11,3
1994 10,6 9,5 12,0
1995 10,4 9,6 11,4
1996 11,5 11,0 12,1
1997 12,7 12,2 13,3
1998 12,3 11,9 12,8
1999 11,7 11,3 12,2
2000 10,7 10,5 10,9
2001 10,3 10,4 10,2
2002 10,8 11,3 10,3
2003 11,6 12,4 10,8
2004 11,7 12,5 10,8
2005 13,0 13,4 12,7
2006 12,0 12,0 12,0
2007 10,1 9,8 10,4
 

  Deutsche Ausländer unter
25 Jahren
15 bis unter
20 Jahren
1991
1992
1993 8,9 6,8
1994 9,5 7,2
1995 12,6 17,1 9,5 7,9
1996 13,9 19,5 11,0 9,0
1997 12,8 21,1 12,2 9,6
1998 11,7 20,1 11,8 9,3
1999 11,1 19,0 10,5 8,5
2000 10,2 17,1 9,5 6,8
2001 9,8 17,2 9,1 5,8
2002 10,2 18,8 9,7 5,4
2003 11,0 20,2 9,9 4,5
2004 11,0 20,3 9,9 4,2
2005 11,9 25,2 12,5 7,4
2006 11,0 23,6 10,8 6,8
2007 9,3 20,3 8,5 5,3
 

  Westdeutschland
insgesamt Männer Frauen
1991 6,2 5,6 7,0
1992 6,4 6,0 7,1
1993 8,0 7,8 8,3
1994 9,0 9,0 9,1
1995 9,1 9,1 9,0
1996 9,9 10,1 9,7
1997 10,8 11,0 10,5
1998 10,3 10,4 10,2
1999 9,6 9,7 9,6
2000 8,4 8,5 8,3
2001 8,0 8,3 7,7
2002 8,5 9,1 7,8
2003 9,0 10,2 8,3
2004 9,4 10,3 8,4
2005 11,0 11,3 10,7
2006 10,2 10,1 10,2
2007 8,4 8,1 8,7
 

  Ostdeutschland
insgesamt Männer Frauen
1991 10,2 8,7 11,9
1992 14,4 10,6 18,5
1993 15,4 11,3 19,9
1994 15,7 11,3 20,4
1995 14,8 11,3 18,5
1996 16,6 14,1 19,2
1997 19,1 16,7 21,6
1998 19,2 17,5 21,0
1999 18,7 17,3 20,2
2000 18,5 17,8 19,3
2001 18,8 18,5 19,0
2002 19,2 19,5 18,9
2003 19,4 20,6 19,6
2004 20,1 20,6 19,5
2005 20,6 21,3 19,7
2006 19,2 19,5 18,8
2007 16,8 16,7 16,8

* bezogen auf die abhängigen zivilen Erwerbspersonen

Quelle: Bundesagentur für Arbeit (BA): Analytikreport der Statistik 04/2008, www.arbeitsagentur.de




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