PDF Version (162 KB) Fakten
Im Jahr 2009 stammten die – nach Vermögenswerten – 50 größten Transnationalen Unternehmen (TNU) der Finanzbranche alle aus den ökonomisch entwickelten Staaten: 33 Finanzunternehmen und damit zwei Drittel der 50 größten TNU der Finanzbranche hatten ihren Hauptsitz in Europa – darunter in Großbritannien (7), Frankreich (5), Deutschland und in der Schweiz (jeweils 4). Die verbleibenden Finanzunternehmen entfielen auf die USA (7), Kanada (5), Japan (3) und Australien (2). Die Top 10 hatten ihren Hauptsitz in Großbritannien (3), USA (3), Frankreich (2), Deutschland und Japan.
Innerhalb der Gruppe der 50 größten TNU der Finanzbranche kommt den zehn größten eine besondere Bedeutung zu, da die Branche in vielen Bereichen einen hohen Konzentrationsgrad aufweist: Mit Vermögenswerten (Aktiva) in Höhe von 23,38 Billionen US-Dollar im Jahr 2009 hatten die zehn größten Finanzunternehmen einen Anteil von 44,8 Prozent an den Vermögenswerten der 50 größten Finanzunternehmen. Zwei von fünf Beschäftigten der 50 größten TNU waren 2009 bei einem der 10 größten TNU beschäftigt – 1,88 von 4,61 Millionen Personen (40,7 Prozent). Und von den im Ausland angesiedelten Tochterunternehmen der 50 größten TNU der Finanzbranche gehörte jedes Dritte zu den 10 größten (33,4 Prozent).
Nach Angaben der United Nations Conference on Trade and Development (UNCTAD) lag die Zahl der Tochterunternehmen der zehn größten TNU der Finanzbranche im Jahr 2009 bei 5.995, davon 3.575 bzw. 59,6 Prozent im Ausland. Im Durchschnitt waren die zehn größten Finanzunternehmen in 44 Staaten mit Tochtergesellschaften vertreten. Bei den 50 größten TNU der Finanzbranche war der Anteil der Tochterunternehmen im Ausland an allen Tochterunternehmen mit 67,8 Prozent höher als bei den Top 10. Die Anzahl der Staaten, in denen die Tochterunternehmen 2009 im Durchschnitt angesiedelt waren, lag dabei allerdings nur bei 30. Unter den Top 50 ist kein Finanzunternehmen in so vielen Staaten mit Tochterunternehmen vertreten wie die Citigroup, die 2009 in 76 Staaten präsent war. An zweiter Stelle stand im selben Jahr das größte transnationale Finanzunternehmen: Die Bank BNP Paribas mit Aktivitäten in 62 Staaten.
Der Aufstieg der Finanzunternehmen zu 'global-players' war bis Anfang der 1970er-Jahre noch undenkbar, da die nationalen Finanzsysteme und Bankensektoren einer starken staatlichen Kontrolle unterlagen. Erst zahlreiche Deregulierungsmaßnahmen und die dabei zunehmende Freiheit des Kapitalverkehrs ermöglichten zunächst die internationale und später globale Ausrichtung des Finanzsektors. So waren beispielsweise Anfang der 1990er-Jahre – auf der nach Umsätzen sortierten Liste des Wirtschaftsmagazins Fortune – unter den 100 größten Unternehmen der USA keine Finanzunternehmen zu finden. Anfang 2010 gehörte hingegen rund jedes fünfte Unternehmen auf dieser Liste zur Finanzbranche.
Unter den – nach Umsätzen – 50 größten Unternehmen der Welt waren Anfang 2005 elf Unternehmen aus der Finanzbranche. Anfang 2008, noch bevor die globale Finanzkrise ihren bisherigen Höhepunkt erreichte, waren es mit 19 deutlich mehr. Während sich bis Anfang 2009 die Zahl der Finanzunternehmen in der Liste der Top 50 auf 15 reduzierte, gehörten Anfang 2010 wiederum 17 Unternehmen zur Finanzbranche. Der Finanzdienstleister Japan Post Holdings belegte dabei mit einem Umsatz von 202,2 Milliarden US-Dollar und einem Gewinn von 4,8 Milliarden US-Dollar Platz 6. Darauf folgten auf Platz 9, 12 und 15 der Versicherungskonzern AXA (Umsatz: 175,3 Mrd. US-Dollar), der Finanzdienstleister ING Group (163,2 Mrd. US-Dollar) und die Bank of America (150,5 Mrd. US-Dollar).
Von der Finanzkrise, die 2007 als Immobilienkrise auf dem Subprime-Markt in den USA begann, waren innerhalb der Gruppe der größten Unternehmen der Welt die Finanzunternehmen am stärkten betroffen. Ein Teil der größten TNU der Finanzbranche konnte die Krise nur mit staatlicher Unterstützung bzw. (Teil-)Verstaatlichung überstehen (zum Beispiel American International Group, Fortis, Dexia, Citigroup, Crédit Agricole, BNP Paribas oder Société Générale). Die Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley wurden durch die Krise dazu gezwungen, ihre Geschäftsmodelle umzustellen, Merrill Lynch gehört inzwischen zur Bank of America und Lehman Brothers musste im Zuge der Krise Insolvenz anmelden.
Nach Schätzungen des Internationalen Währungsfonds vom April 2010 werden sich infolge der Finanzkrise die Verluste bei den Finanzunternehmen in den USA, Europa und Asien auf insgesamt rund 2,28 Billionen US-Dollar summieren. Für die USA wird mit Kredit- und Wertpapierverlusten in Höhe von 885 Milliarden US-Dollar gerechnet. Für Großbritannien werden Verluste in Höhe von 455 Milliarden US-Dollar prognostiziert, für die Eurozone 665 Milliarden US-Dollar und für Asien 115 Milliarden US-Dollar.
Datenquelle
United Nations Conference on Trade and Development (UNCTAD): Word Investment Report 2010; International Monetary Fund (IMF): Global Financial Stability Report, April 2010; Fortune: www.fortune.com/rankings
Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen
Sofern es nicht anders angegeben ist, wird hier die Größe der Transnationalen Unternehmen der Finanzbranche durch die jeweiligen Vermögenswerte (Aktiva) bestimmt. Bei Auswahl eines anderen Merkmals – zum Beispiel 'Anzahl der Beschäftigten' – würde sich die Liste der 50 größten TNU entsprechend ändern.
Aktiva sind sämtliche Vermögenswerte eines Unternehmens. Dazu gehören immaterielle Vermögensgegenstände (Konzessionen, Lizenzen, Patente, Marken), Sachanlagen (Grundstücke, Gebäude, technische Anlagen, Maschinen, Betriebs- und Geschäftsausstattung), Finanzanlagen (Unternehmensanteile, Beteiligungen, Wertpapiere des Anlagevermögens), Vorräte (Rohstoffe, Waren), Forderungen, Wertpapiere, Barreserven und andere liquide Mittel.
Auf dem Subprime-Markt erhalten auch Kreditnehmer mit geringer Bonität ein Hypothekendarlehen.

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