PDF Version (153 KB) Fakten
Bei der Anzahl der weltweit existierenden Tier- und Pflanzenarten gehen die Schätzungen weit auseinander, sie liegen zwischen fünf und 100 Millionen. Eine im Auftrag des UN-Umweltprogramms UNEP erstellte Studie kam Ende des letzten Jahrhunderts zu dem Ergebnis, dass gegenwärtig wahrscheinlich 13 bis 14 Millionen verschiedene Arten existieren. Bis zum Jahr 2009 konnten erst 1,74 Millionen Arten wissenschaftlich erfasst und beschrieben werden. Lediglich 47.700 dieser beschriebenen Arten wurden dahingehend bewertet, ob sie bedroht sind oder nicht.
In den letzten 50 Jahren hat der Mensch starken Einfluss auf die Umwelt genommen. Dies ist auch Hauptgrund dafür, warum immer mehr Arten aussterben. Täglich sterben, je nach Schätzung, zwischen 70 und 200 größtenteils unerforschte Pflanzen- und Tierarten aus. Das UNEP geht davon aus, dass gegenwärtig mindestens tausendmal mehr Arten pro Jahr sterben, als es ohne den Einfluss des Menschen der Fall wäre – andere Quellen, wie die globale Umweltorganisation IUCN, gehen sogar von einer tausend- bis zehntausendfach höheren Rate aus.
Die Hauptgründe für das Artensterben bestehen fort oder haben sich sogar verschärft: schrumpfende Lebensräume, rücksichtslose Ausbeutung von Ökosystemen und Nahrungsbeständen, die Einführung von fremden Pflanzen und Tieren, Schadstoffbelastungen und der Klimawandel.
Sowohl bei Wirbeltieren und Nichtwirbeltieren als auch bei Pflanzen verdeutlicht die von der IUCN veröffentlichte "Rote Liste", dass das Ausmaß der Bedrohung der Arten sehr hoch ist. So waren im Jahr 2009 beispielsweise 1.142 Säugetiere gefährdet – das waren 20,8 Prozent aller hinsichtlich ihrer Gefährdung bewerteten Säugetiere. Bei den Amphibien, bei denen fast alle beschriebenen Arten auch bewertet wurden, war im selben Jahr nahezu jede dritte Art bedroht. Wird allein der Anteil bedrohter Arten an den bewerteten Arten betrachtet, waren unter den Wirbeltieren die Fische (31,8 Prozent) und Reptilien (28,0 Prozent) auffällig stark gefährdet. Bei den Vogelarten, bei denen alle beschriebenen Arten auch bewertet wurden, war jede Achte gefährdet oder vom Aussterben bedroht.
Bei der Beurteilung von Nichtwirbeltieren und Pflanzen besteht das Problem, dass die Anzahl der beschriebenen Arten und die Zahl der davon bewerteten Arten sehr weit auseinander liegen. Während der Anteil der bedrohten Arten unter den bewerteten Arten schnell hoch ausfallen kann, kann der Anteil der bedrohten Arten unter den beschriebenen Arten dazu verleiten, die Bedrohung zu unterschätzen.
So wurden beispielsweise von den Insekten, die mit 1.000.000 beschriebenen Arten den größten Anteil unter den Nichtwirbeltieren haben, nur 2.619 bewertet. Bei 711 bedrohten Insektenarten im Jahr 2009 galten damit 27,1 Prozent der bewerteten Insektenarten als gefährdet oder vom Aussterben bedroht. Bezogen auf die beschriebenen Insektenarten schrumpft der Anteil jedoch auf marginale 0,07 Prozent. Auch der zeitliche Vergleich verdeutlicht, wie schnell sich die Werte ändern können: 2004 waren von 771 bewerteten Insektenarten 559 bedroht, also deutlich mehr als 70 Prozent. Das heißt aber nicht, dass sich die Lage zwischen 2004 und 2009 verbessert hat, sondern nur dass das Wissen über die Bedrohung zugenommen hat.
Zusammengefasst waren im Jahr 2009 mehr als ein Fünftel aller bewerteten Wirbeltiere, gut ein Drittel aller bewerteten Nichtwirbeltiere und sogar 70 Prozent aller bewerteten Pflanzen vom Aussterben bedroht oder gefährdet.
Datenquelle
International Union for Conservation of Nature (IUCN): Red List of Threatened Species™, www.iucn.org; United Nations Environment Programme (UNEP): Global Biodiversity Outlook 2, www.unep.org
Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen
Ein vereinfachtes Beispiel soll dazu dienen, den Unterschied zwischen beschriebenen und bewerteten Arten zu verdeutlichen. Angenommen, es existieren von einer Tier- oder Pflanzengattung weltweit 75.000 Arten. Wenn von diesen 75.000 Arten nur 10.000 entdeckt und erfasst werden, liegt die Anzahl der "beschriebenen Arten" bei 10.000. Da es schwierig und extrem aufwändig ist, bei 10.000 Arten zu überprüfen, ob sie bedroht sind oder nicht, wird nur ein Teil der beschriebenen Arten "bewertet". Wenn beispielsweise 1.000 der 10.000 beschriebenen Arten bewertet werden und sich dabei herausstellt, dass 500 Arten vom Aussterben bedroht sind, entsprechen diese 500 Arten 50 Prozent der 1.000 bewerteten Arten und 5 Prozent der 10.000 beschriebenen Arten.
Die bewerteten Arten sind immer ein Bestandteil der beschriebenen Arten, denn jede Art, die bewertet wird, muss vorher auch erfasst worden sein.
IUCN – International Union for Conservation of Nature
UNEP – United Nations Environment Programme

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