Fakten
Nicht zuletzt aufgrund neuer Kommunikations- und Informationsmöglichkeiten hat sich im Kunstbetrieb ein Netz von sozialen Beziehungen gespannt, das in seinen Ausdehnungen und seiner Dichte stark zugenommen hat. Die digitalen Medien und die zunehmende Mobilität haben diesen Prozess nochmals intensiviert. Auf Seiten der Akteure des Kunstbetriebs findet sich daher häufig die Einschätzung, dass der Bereich der Kunst bereits global vernetzt ist.
Die Betrachtung des 'Kunstkompass' spiegelt jedoch die These einer weitreichenden Globalisierung des Kunstmarktes nicht wider. Beim Kunstkompass handelt es sich um eine seit 1970 jährlich veröffentlichte Rangliste, in der die weltweit gefragtesten Künstler der Gegenwart aufgeführt werden. Ein Blick auf die Ranglisten verdeutlicht, dass das Zentrum des Kunstmarktes nach wie vor 'westlich' geprägt ist. Daran hat bisher auch die weltweite Vernetzung von Künstlern und Künstlergruppen nichts verändert. Selbst die wenigen Künstler aus Südamerika, Asien und Afrika, die einen der begehrten Plätze unter den Top 100 erlangen konnten oder in der Vergangenheit erlangten, leben und arbeiten häufig in den bedeutenden Kunstmetropolen der USA, Deutschlands, Großbritanniens oder Frankreichs.
Allerdings gab es rund um die Jahrhundertwende auch Anzeichen für eine Abschwächung der extrem hohen Konzentration westlich geprägter Künstler und Werke in der Kunstdomäne. Immer mehr Künstlerinnen und Künstler aus nicht-westlichen Nationen konnten in diesen Jahren in wichtige Märkte und Ausstellungen integriert werden. Nach ein paar rückläufigen Jahren scheint das Jahr 2009 an diesen Prozess anzuknüpfen: In der Liste der 100 einflussreichsten Künstler der Gegenwart fanden sich 2009 mit 46 Newcomern mehr neue Namen als je zuvor – darunter viele Neueinsteiger aus Schwellen- und Entwicklungsländern.
Problematisch ist, dass auch die Einbindung von Neueinsteigern aus Schwellen- und Entwicklungsländern aus einer eurozentrischen Kunstauffassung resultieren kann: Kritisiert wird in diesem Zusammenhang die modische Ausstellung von "ethnischen Randgruppen", bei der die Aufnahme der Künstler nur auf der Basis von "Anderssein" stattfände. Die Werke müssten dabei zwangsläufig Spuren der afrikanischen oder asiatischen Herkunft aufweisen, um Beachtung zu finden. Bestehende Machtstrukturen würden sich aber durch diese Art des Umgangs nicht ändern, sondern eher noch verfestigen.
Datenquelle
© Capital-Kunstkompass / Manager-Magazin
Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen
Beim 'Kunstkompass' handelt es sich um eine seit 1970 jährlich veröffentlichte Rangliste der Zeitschrift 'Capital', in der die weltweit gefragtesten Künstler der Gegenwart aufgeführt werden. Seit 2008 wird diese Liste halbjährlich vom Hamburger 'Manager-Magazin' veröffentlicht. Die Rangliste gilt als Indikator für die Qualität künstlerischer Produkte. So bezeichnet etwa das 'Wall Street Journal' den Kunstkompass als den einzig glaubwürdigen Maßstab der zeitgenössischen Kunst und die Tageszeitung 'Herald Tribune' sieht ihn als eine unverzichtbare Hilfe bei Käufen auf den internationalen Kunstmessen.
Beim Kunstkompass werden Einzelausstellungen in rund 200 international bedeutenden Museen und Kunstinstituten, die Teilnahme an mehr als 120 wichtigen Gruppenausstellungen, Ankäufe von angesehenen Museen sowie Rezensionen in internationalen Kunstmagazinen gemessen und bewertet. Die Grafik berücksichtigt die im Kunstkompass aufgeführten Personen.

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Kunstmarkt
Weltweite Verteilung der gefragtesten Künstler der Gegenwart in Prozent, 1970 bis 2008*
| |
EU |
USA** |
sonstige |
| 1970 |
49 |
40 |
11 |
| 1971 |
55 |
37 |
8 |
| 1972 |
50 |
41 |
9 |
| 1973 |
47 |
42 |
11 |
| 1974 |
48 |
41 |
11 |
| 1975 |
46 |
45 |
9 |
| 1976 |
47 |
46 |
7 |
| 1977 |
46 |
47 |
7 |
| 1978 |
45 |
47 |
8 |
| 1979 |
43 |
50 |
7 |
| 1980 |
48 |
48 |
4 |
| 1981 |
49 |
44 |
7 |
| 1982 |
48 |
47 |
5 |
| 1983 |
45 |
47 |
8 |
| 1984 |
46 |
46 |
8 |
| 1985 |
47 |
46 |
7 |
| 1986 |
48 |
45 |
7 |
| 1987 |
53 |
43 |
4 |
| 1988 |
56 |
40 |
4 |
| 1989 |
54 |
42 |
4 |
| 1990 |
55 |
41 |
4 |
| 1991 |
54 |
40 |
6 |
| 1992 |
55 |
40 |
5 |
| 1993 |
55 |
38 |
7 |
| 1994 |
55 |
40 |
5 |
| 1995 |
53 |
41 |
6 |
| 1996 |
54 |
41 |
5 |
| 1997 |
54 |
40 |
6 |
| 1998 |
49 |
42 |
9 |
| 1999 |
48 |
40 |
12 |
| 2000 |
51 |
35 |
14 |
| 2001 |
47 |
36 |
17 |
| 2002 |
53 |
35 |
12 |
| 2003 |
57 |
33 |
10 |
| 2004 |
57 |
34 |
9 |
| 2005 |
59 |
34 |
7 |
| 2006 |
65 |
31 |
4 |
| 2007 |
66 |
25 |
9 |
| 2008 |
66 |
29 |
5 |
| |
sonstige |
| davon: |
| Asien |
Afrika |
Mittel- und Süd- amerika |
| 2002 |
7 |
1 |
3 |
| 2003 |
7 |
1 |
2 |
| 2004 |
5 |
1 |
3 |
| 2005 |
3 |
1 |
3 |
| 2006 |
2 |
1 |
1 |
| 2007 |
5 |
2 |
2 |
| 2008 |
2 |
1 |
2 |
* gemessen und bewertet werden Einzelausstellungen in rund 200 international bedeutenden Museen und Kunstinstituten, die Teilnahme an mehr als 120 wichtigen Gruppenausstellungen, Ankäufe von angesehenen Museen sowie Rezensionen in internationalen Kunstmagazinen. Die Grafik berücksichtigt die im 'Kunstkompass' aufgeführten Personen. Bis 2001 abgeleitete Werte.
** ab 2002 plus Kanada
Quelle: © Capital-Kunstkompass / Manager-Magazin