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Missbrauchsskandal
Am 11.12.2009 entschuldigte sich Benedikt XVI. (Biografie) für den sexuellen Missbrauch von Kindern durch Priester in Irland. Der Papst sei "tief beunruhigt und erschüttert" über den veröffentlichten Bericht über den Missbrauchsskandal, erklärte der Vatikan nach einem Treffen mit irischen Kirchenvertretern. Er teile mit vielen Gläubigen in Irland "die Empörung, das Gefühl des Verrats und die Scham" über die "abscheulichen Verbrechen". Ein Ende November im Auftrag der irischen Regierung veröffentlichter Bericht hatte aufgedeckt, dass vier frühere Erzbischöfe von Dublin katholische Geistliche geschützt hatten, die sich des sexuellen Missbrauchs schuldig gemacht hatten. Am 19.3.2010 forderte der Papst die Katholiken in Irland in seinem Hirtenbrief auf, "die schwere Sünde gegen schutzlose Kinder vor Gott und vor anderen offen zuzugeben". Am 31.5. teilte der vatikanische Sprecher mit, dass im Herbst 2010 in Irland eine päpstliche Kommission zur Untersuchung der Missbrauchsfälle eingesetzt werde.

Dass Papst Benedikt XVI. zunächst nicht auf den seit Mitte Januar 2010 immer weitere Kreise ziehenden Missbrauchsskandal in Deutschland einging, wurde heftig kritisiert. Am 10.4. wurden Vorwürfe gegen Benedikt XVI. laut, er habe sich 1985 als Präfekt der Glaubenskongregation gegen die rasche Entlassung eines pädophilen Priesters in den USA ausgesprochen und damit zur Vertuschung beigetragen. Bereits im März waren Vorwürfe erhoben worden, dass er 1996 als Präfekt der Glaubenskongregation auf Briefe, die den Missbrauchvon Kindern durch einen US-amerikanischen anzeigten, nicht reagiert habe. Der Vatikan begründete dieses Vorgehen damit, dass der Fall zu diesem Zeitpunkt bereits 20 Jahre zurückgelegen habe; zudem sei die Kongregation erst seit 2001 alleine für pädophile Delikte zuständig.

Am 12.4.2010 veröffentlichte der Vatikan auf seiner Internetseite erstmals die internen Regeln zum Umgang mit Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche. Danach müssen bei Anschuldigungen wegen Missbrauchs Untersuchungen der jeweiligen Diözese eingeleitete und bei bestehendem Verdacht auf Missbrauch der Fall der Glaubenkongregation vorgelegt werden, wobei die jeweiligen staatlichen Gesetze hinsichtlich der Anzeige von Straftatbeständen zu beachten sind. Gravierende Fälle von Gewalt gegen Kinder und Jugendliche können dem Papst von der Kongregation direkt vorgelegt werden, der ohne kirchenrechtlichen Prozess einen Priester in den Laienstand versetzen kann. Mit der Veröffentlichung der seit 2003 existierenden Regeln reagierte der Vatikan auf die Vertuschungsvorwürfe.

Bei seinem Besuch auf Malta traf Benedikt am 18. 4. Opfer von Missbrauch durch Geistliche. Er drückte ihnen seine Scham und seinen Schmerz angesichts ihres Leides und dessen ihrer Angehörigen aus. In seiner Grußbotschaft zum Ökumenischen Kirchentag in München am 12.5. sowie auf seiner Portugal-Reise Mitte Mai verurteilte er erneut den sexuellen Missbrauch durch katholische Geistliche. Am 11.6. bat Benedikt XVI. die Opfer von sexuellen Übergriffen durch Priester erstmals in aller Form um Vergebung. "Wir bitten nachdrücklich um Vergebung durch Gott und die betroffenen Menschen", sagte er während der Messe zum Abschluss des Priesterjahrs auf dem Petersplatz. Die katholische Kirche werde alles unternehmen, um solche Missstände abzuschaffen. Zu weiteren Missbrauchsfällen Belgien, Niederlande

Quelle: Der Fischer Weltalmanach. © Fischer Taschenbuch Verlag in der S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main 2010.

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10. Februar 2012
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