|
|
 |

 |

Politiklexikon
 |
 |
 |
 |
 |
Politisches System |

 |
 |
Peter Massing
|
 |
|

4. Systemtheoretische Ansätze |
   |
 |
 |
 |
 |
 |
Theoretisch anspruchsvoller als ein solch überwiegend pragmatisches Vorgehen, sind Versuche das p.S. auf der Grundlage und mit Hilfe systemtheoretischer Annahmen zu bestimmen. Solche Überlegungen reichen von den systemtheoretischen Ansätzen Talcott Parson's, David Easton's und Gabriel Almond's über Theorien der Selbstorganisation (Autopoiesis) bis zu neueren Systemtheorien, die die Steuerung von Systemen in ausdifferenzierten Subsystemen als Hauptproblem der Systemforschung sehen (vgl. Pilz, 10). In Parsons Systemverständnis ist nicht das politische, sondern das soziale System der Oberbegriff. Parsons unterteilt ihn in vier Subsysteme: in das wirtschaftliche Subsystem, das politische Subsystem, das Rechtssystem und in das kulturelle System (Parsons 1951). Das politische Subsystem ist in diesem Zusammenhang für die Produktion kollektiver verbindlicher Entscheidungen zuständig. "Der Systembegriff impliziert die Vorstellung einer zum Gleichgewicht tendierenden, intern in eine Vielzahl interdependenter Elemente, Rollen und Prozesse differenzierten Einheit, die von einer sozialen, kulturellen, ökonomischen und physischen Umwelt unterscheidbar, mit dieser aber durch wechselseitige Austauschprozesse verbunden ist" (Nohlen/Thibaut, 732). Der Parsons'schen Begrifflichkeit wurde vorgeworfen, dass sie zu statisch und letztlich "ahistorisch" sei. Zudem bleibe der "politische Bereich seltsam verschwommen" (von Beyme). Hinzu komme, dass das p.S. nicht immer als Subsystem klassifiziert werden könne, dass es heute vielfach einen breiteren Geltungsbereich habe als das soziale System. Politikwissenschaftlich einflussreicher waren denn auch die Konzeptionen des politischen Systems in den Formulierungen von David Easton und Gabriel Almond. Easton stellte sich das politische System als einen Organismus vor, der mit seinem gesellschaftlichen und internationalen Umfeld in einer Austauschbeziehung steht. Grundlegend bei ihm ist die Unterscheidung in "Inputs" und "Outputs" des politischen Systems, wobei die innere Struktur desselben, Easton weniger interessieren. Input- und Output-Funktionen sind in einem dynamischen Regelkreis miteinander verbunden. Daraus ergibt sich folgender Gedankengang: Jedes p.S. ist Adressat von gesellschaftlichen Unterstützungsleistungen und von gesellschaftlichen Forderungen (Inputs). Zu den gesellschaftlichen Unterstützungen ohne die kein p.S. denkbar ist, gehören z.B. das Zahlen von Steuern, die Bereitschaft Gesetze zu respektieren ebenso dazu wie der Wille Opfer zu bringen, wenn die gesellschaftliche Ordnung bedroht erscheint. Zu den Forderungen an das politische System zählen u.a. die Ansprüche von Interessengruppen, die finanzielle Hilfen vom Staat verlangen, aber auch solche Forderungen die wollen, dass bestimmte Gesetze (z.B. Steuergesetze) geändert werden oder die verlangen, das Familienrecht oder Erziehungsinhalte zu ändern. Das p.S. greift sowohl die Unterstützungsleistungen als auch die Forderungen auf. Das System selbst bleibt bei Easton allerdings eine "black box", ein unstrukturierter Komplex, in dem nicht näher bezeichnete Akteure Entscheidungen treffen (vgl. Hartmann, 155). Wesentlich im Konzept von Easton ist, dass konkurrierende Forderungen auf das p.S. einwirken und es die Aufgabe hat, aus diesen Forderungen auszuwählen; einige Forderungen abzuweisen oder abzuschwächen, anderen nachzugeben und sie zu bündeln. Auf diese Weise fällt das p.S. Entscheidungen und trifft Maßnahmen. D.h. das politische System produziert Outputs. Diese wirken auf das gesellschaftliche Umfeld ein und auf das politische System zurück. Es findet ein sog. "feedback"-Prozess statt. Als Ergebnis dieses "Feedbacks" entstehen neue Inputs im politischen System, entweder als Unterstützungen oder als Forderungen. "Die Leitvorstellung dieses Systemmodells liegt in der Gewährleistung einer stabilen Grundbeziehung zwischen dem politischen System und dem gesellschaftlichen Umfeld" (Hartmann, 156). Im Zentrum der politischen Analyse und Theoriebildung nach Easton sollen dann auch vor allem die Bedingungen der Stabilität bzw. der Anpassungsfähigkeit des politischen Systems stehen.
Quelle: Andersen, Uwe/Wichard Woyke (Hg.): Handwörterbuch des politischen Systems der Bundesrepublik Deutschland. 5., aktual. Aufl. Opladen: Leske+Budrich 2003. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 2003.
|
 |
 |
 |
Stöbern im Handwörterbuch |
 |
 |
 |
|
 |
10. Februar 2012
 |
 |
 |
Online-Lexika |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
Schichtung
Gesellschaften sind durch soziale Ungleichheit gezeichnet und verfügen daher über eine bestimmte soziale Struktur oder eine bestimmte soziale Zusammensetzung... |
 |
|
 |
 |
 |
|
 |
 |
 |
 |
Online-Angebot |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
Leitfaden
Von Abschiebehaft bis Zuwanderungsgesetz, das Online-Lexikon "Ausländer, Fremden- feindlichkeit, Extremis- mus von A bis Z" bietet wichtige Fakten, Rechts- grundlagen und weiter- führende Literatur. |
 |
|
 |
 |
 |
|
 |
 |
|