Volkswirtschaftslehre

Ökonomie, Nationalökonomie, VWL


Volkswirtschaftslehre. Einordnung der Volkswirtschaftslehre in die WissenschaftenVolkswirtschaftslehre. Einordnung der Volkswirtschaftslehre in die Wissenschaften
der Zweig der Wirtschaftswissenschaften, der sich mit der Untersuchung und Erklärung gesamtwirtschaftlicher Zusammenhänge befasst. Die Einteilung der Volkswirtschaftslehre erfolgt in allgemeine und spezielle Volkswirtschaftslehre. Im Mittelpunkt der allgemeinen Volkswirtschaftslehre steht die Wirtschaftstheorie, die wiederum in Mikroökonomie (siehe dort) und Makroökonomie (siehe dort) unterteilt wird. Die spezielle Volkswirtschaftslehre bildet im Kern die Theorie der Wirtschaftspolitik, die sich mit den Möglichkeiten der staatlichen Beeinflussung des Wirtschaftsgeschehens befasst. Disziplinen wie die Statistik, die Finanzwissenschaft, die Wirtschaftsgeschichte und die Wirtschaftsgeografie stehen in enger Beziehung zur Volkswirtschaftslehre.

Die Entwicklung der Volkswirtschaftslehre zu einer modernen Wissenschaft, wie wir sie heute kennen, setzte im 17. und 18. Jahrhundert während der Zeit des Merkantilismus (siehe dort) ein, in der eine erste planmäßige Befassung mit volkswirtschaftlichen Problemen begann. Die wichtigsten Vertreter waren in Frankreich Jean Baptiste Colbert (* 1619, † 1683) und in England Oliver Cromwell (* 1599, † 1658). Als eigentliche Urheber der Nationalökonomie werden die Physiokraten angesehen. Der wichtigste Vertreter der Physiokratie (siehe dort) war François Quesnay (* 1694, † 1774), der das Denken in Naturgesetzen auf wirtschaftliche Abläufe anwendete und damit den Gedanken der natürlichen Ordnung in Wirtschaft und Gesellschaft schuf. Die Vertreter der klassischen Schule der Nationalökonomie (siehe dort) gingen davon aus, dass der Mensch bei der Verfolgung seiner eigennützigen, wirtschaftlichen Ziele dem Gemeinwohl am besten dient, und forderten folglich, dass sich der Staat nicht in die Abläufe der Wirtschaft einmischen sollte. Der wichtigste Vertreter der klassischen Schule ist der englische Nationalökonom Adam Smith (* 1723, † 1790).

Der ungezügelte Liberalismus (siehe dort) des 18. und 19. Jahrhunderts führte dazu, dass eine sozialistische Lehre entstand. Die Vertreter des Sozialismus (siehe dort), vor allem Karl Marx (* 1818, † 1883), versuchten ausgehend von einer Kritik der klassischen Schule wissenschaftlich zu begründen, dass der Sozialismus eine unabwendbare gesellschaftliche Entwicklungsstufe ist.

Insbesondere in Deutschland wurde die Volkswirtschaftslehre etwa ab der Mitte des 19. Jahrhunderts von der historischen Schule geprägt, zu deren wichtigsten Vertretern Gustav Schmoller (* 1838, † 1917), Georg Friedrich Knapp (* 1842, † 1926) und Werner Sombart (* 1863, † 1941) gehörten. Ausgangspunkt deren Überlegungen ist hier die Annahme, dass die Wirtschaft jedes Landes geschichtlich gewachsen ist und deshalb allgemeingültige volkswirtschaftliche Theorien nicht zur Erklärung geeignet sind. Jede Volkswirtschaft muss aus Sicht der historischen Schule vielmehr mit ihren Eigenheiten und besonderen Merkmalen betrachtet und untersucht werden.

Mit der Neoklassik begann etwa ab 1880 eine neue Epoche der Volkswirtschaftslehre, die vor allem durch Ökonomen wie William Stanley Jevons (* 1835, † 1882), Léon Walras (* 1834, † 1910) und Carl Menger (* 1840, † 1921) geprägt wurde. Während in der klassischen Schule der Wert eines Gutes vom Arbeitsaufwand (Arbeitswertlehre) für dieses Gut abhängt, betonen die Neoklassiker, dass der Wert eines Gutes durch den Nutzen, den dieses Gut dem Verbraucher zur Befriedigung seiner Bedürfnisse stiftet, bestimmt wird (subjektive Wertlehre). Die am Nutzen der Konsumenten orientierte Betrachtung des Güterwertes und die Verwendung exakter mathematischer Darstellungsweisen seitens der Vertreter der Neoklassik, die auch als Grenznutzentheoretiker bezeichnet werden, schufen die Voraussetzungen für die moderne Mikroökonomie.

Den wichtigsten Anstoß zur Weiterentwicklung der gesamtwirtschaftlichen Theorie gab der britische Nationalökonom John Maynard Keynes (* 1883, † 1946). Keynes suchte unter dem Eindruck der im Oktober 1929 beginnenden Weltwirtschaftskrise nach Wegen, wie der Staat durch eine aktive Wirtschaftspolitik der Wirtschaft aus einer Krise helfen kann. Im Zentrum der Überlegungen des Keynesianismus steht das gesamtwirtschaftliche Gleichgewicht, zu dem insbesondere die Vollbeschäftigung gehört.

Aus der Sicht des Neoliberalismus (siehe dort), zu dessen wichtigsten Vertretern in Deutschland Walter Eucken (* 1891, † 1950) gehört, hat der Staat die Aufgabe, durch marktverträgliche Eingriffe eine freie, am Wettbewerb orientierte Wirtschaft zu schaffen und zu sichern. Die Auffassungen der klassischen Schule über eine freie Wirtschaft ohne staatlichen Eingriff werden heute vor allem durch Ökonomen wie Milton Friedman (* 1912) vertreten. Friedman gilt als der wichtigste Urheber der modernen Geldtheorie, des Monetarismus , die insbesondere aus der Kritik der Ansichten von Keynes entstand.


Duden Wirtschaft von A bis Z: Grundlagenwissen für Schule und Studium, Beruf und Alltag. 6. Aufl. Mannheim: Bibliographisches Institut 2016. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 2016.



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