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Nach den heftigen Kämpfen von Mai bis Juli 2009 in der Hauptstadt Mogadischu mit mehr als 350 Toten, 1500 Verletzten und über 207.000 Vertriebenen gab die TFG Ende 2009 bekannt, mittels einer neuen Militäroffensive das Land besser unter ihre Kontrolle bekommen zu wollen, zur Zeit beherrscht sie lediglich nur einen kleinen Teil des Landes, in der Hauptstadt beschränkt sich ihre Kontrolle im Wesentlichen auf das Regierungsviertel. Ihre Truppen sind einem UN-Bericht vom 16.3.2010 zufolge "ineffektiv, unorganisiert und korrupt". Etliche Soldaten verließen wegen ausbleibender Gehaltszahlungen die Armee, verkauften ihre Waffen auf dem Schwarzmarkt oder schlossen sich Milizen an. Drei Tage nach einem der Al-Shabaab zugeschriebenen Selbstmordanschlag am 3.12.2009, bei dem auf einer Examensfeier der Banaadir Universität in Mogadischu 24 Menschen ums Leben kamen, darunter die vier TFG-Minister für Gesundheit, Bildung, Höhere Bildung sowie Jugend und Sport, wurde Mohamed Gele Kahiye zum neuen Oberbefehlshaber der TFG-Truppen ernannt. Von der Ernennung sollte das Signal für eine Wende im Kampf gegen die radikalislamischen Milizen ausgehen, die angekündigte Offensive blieb bislang allerdings aus.

Am 24.12.2009 kamen bei Kämpfen zwischen Truppen der Afrikanischen Union (AMISOM) und Milizen der Hizb ul-Islam elf Menschen ums Leben, bei Kämpfen am 7.1.2010 starben mindestens 20 Personen. Zuvor hatten Al-Shabaab-Angehörige am 17.9.2009 zwei gestohlene UN-Fahrzeuge voller Sprengstoff ins AMISOM-Hauptquartier gesteuert und explodieren lassen; 21 Menschen starben. Dies geschah als Reaktion auf einen Angriff der US-Armee zwei Tage zuvor auf vermutete Stellungen der Al-Qaida in Südsomalia. Dabei wurde u.a. Saleh Ali Saleh Nabhan getötet, dem eine Mittäterschaft bei Terroranschlägen gegen ein Urlaubshotel sowie ein israelisches Passagierflugzeug im Jahr 2002 in Kenia nachgesagt wurde.

Mogadischu war ein Schwerpunkt der Kämpfe zwischen TFG-Soldaten, der AMISOM-Truppe und Milizen: Am 22.10.2009 verloren bei schweren Kämpfen zwischen den Regierungs- und AMISOM-Soldaten einerseits und Milizen andererseits mindestens 30 Menschen ihr Leben. Anfang Februar 2010 kamen hier bei tagelangen Kämpfen zwischen Regierungstruppen und Al-Shabaab-Milizen über 50 Menschen um, mindestens 100 Personen wurden verletzt. Mitte März forderten Zusammenstöße über 60 Tote. Bei Kämpfen am 2.4.2010 kamen allein 13 Menschen ums Leben, im Verlauf des Monats kamen weitere Dutzend dazu. Nach Schätzungen des Flüchtlingshilfswerks UNHCR wurden allein in den ersten vier Monaten des Jahres 2010 mehr als 100.000 Bewohner aus der Hauptstadt vertrieben.

Am 15.3.2010 begann Staatspräsident Scharif Ahmed (Biografie) mit der Unterzeichnung eines Kooperationsabkommens die offizielle Zusammenarbeit mit den Ahl as-Sunna wa al-Jama'a (ASWJ). Für ihre Unterstützung sollte die ASWJ fünf Ministerposten und weitere zentrale Regierungsämter erhalten. Unzufrieden über die Umsetzung ihrer Forderungen gab die ASWJ am 1.7.2010 bekannt, die Zusammenarbeit mit der Regierung sei "gescheitert".

Zunehmende Konflikte zwischen Al-Shabaab und Hizb ul-Islam gefährdeten auch auf der Gegenseite die Einheit der islamistischen Milizen; einige Beobachter gehen inzwischen davon aus, dass sich die erst im Februar 2009 gegründete Hizb ul-Islam bereits wieder aufgelöst hat.

Quelle: Der Fischer Weltalmanach. © Fischer Taschenbuch Verlag in der S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main 2010.

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10. Februar 2012
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