PDF Version (160 KB) Fakten
Nach Angaben einer vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Erhebung, die in Deutschland bei 20.000 Unternehmen mit 100 und mehr Beschäftigten des nichtfinanziellen Sektors der gewerblichen Wirtschaft durchgeführt wurde, verlagerten rund 14 Prozent der Unternehmen zwischen 2001 und 2006 Aktivitäten vom heimischen Standort ins Ausland. Vor allem bei Industrieunternehmen ist dieses Globalisierungsphänomen überdurchschnittlich stark ausgeprägt: 20 Prozent verlagerten Aktivitäten ins Ausland. In der übrigen Wirtschaft waren 7 Prozent der Unternehmen an Verlagerungen ins Ausland beteiligt.
63 Prozent aller verlagernden Industrieunternehmen verlagerten Teile ihrer wirtschaftlichen Aktivitäten in die zwölf neuen Mitgliedstaaten der EU. Mit klarem Abstand folgten China (38 Prozent), die Verlagerung innerhalb Deutschlands (33 Prozent) und die EU15-Staaten (25 Prozent). Etwa 67 Prozent der Industrieunternehmen, die innerhalb Deutschlands oder ins Ausland verlagerten, suchten einen neuen Standort für ihr Kerngeschäft und 62 Prozent für Hilfsfunktionen (zum Beispiel Marketing, Vertrieb, Logistik).
Da neben der Senkung der Lohnkosten der Zugang zu neuen Absatzmärkten von 82 Prozent aller Unternehmen als wichtiges/sehr wichtiges Verlagerungsmotiv genannt wird, werden Marketing- und Vertriebsaktivitäten am häufigsten ins Ausland verlagert. Es ist zu vermuten, dass sich entsprechende Marketingaktivitäten direkt im Zielland besser an die dortigen Gegebenheiten anpassen lassen. Auch Logistik und Ingenieursleistungen werden häufig verlagert.
Bei den Verlagerungen ins Ausland streben die Unternehmen in den meisten Fällen eine organisatorische Nähe an: 84 Prozent der Industrieunternehmen verlagerten wirtschaftliche Aktivitäten in verbundene Unternehmen ("Insourcing"). Häufig mussten dafür verbundene Unternehmen neu gegründet werden (51 Prozent). Bei 38 Prozent übernahm ein bereits bestehendes verbundenes Unternehmen die verlagerten Tätigkeiten und 14 Prozent erwarben ein anderes Unternehmen und gliederten es in den Unternehmensverbund ein. Verlagerungen zu einem nicht verbundenen Partner ("Outsourcing") im Ausland wurden von 27 Prozent der Unternehmen durchgeführt.
Insgesamt erfüllten sich bei mehr als der Hälfte der befragten Unternehmen die Erwartungen an ein Engagement im Ausland. Fast drei Viertel aller Unternehmen konnten ihre Position im Wettbewerb durch eine Verlagerung ins Ausland stärken. Wesentliche unternehmerische Nachteile wurden hingegen kaum gesehen.
In einer vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI) in Auftrag gegebenen Studie des Fraunhofer Instituts für System- und Innovationsforschung wird allerdings darauf hingewiesen, dass nicht jede Verlagerung die erhoffte Kostensenkung bringt. Dies auch deshalb, weil viele Unternehmen die Kosten für Anlaufzeiten, Betreuung, Koordination, Qualitätssicherung und betriebliche Kontrolle unterschätzen oder gar nicht erst berücksichtigen. Auch kulturelle Unterschiede können zum Beispiel durch verschiedene Kommunikationsstile oder Arbeitsweisen die Kosten erhöhen.
Neben einer Unterschätzung der Kosten werden teilweise auch die Einsparpotenziale überschätzt: Die Lohnkosten – das Hauptmotiv für die Verlagerung – machen in vielen Betrieben nur noch 10 Prozent der Gesamtkosten aus, die Einsparmöglichkeiten sind hier entsprechend begrenzt. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass bei Berücksichtigung aller Faktoren die alternativen Standorte häufig teurer sind, als von den Unternehmen angenommen. Gerade bei den Unternehmen, bei denen die Markterschließung keine zentrale Rolle spielt, kann es deshalb auch zu einer Rückverlagerung der Produktion kommen.
Eine Verlagerung von Unternehmensfunktionen bedeutet in der Regel auch eine Abwanderung von Arbeitsplätzen. Insgesamt bauten die Unternehmen mit 100 und mehr Beschäftigten in den Jahren 2001 bis 2006 durch Verlagerungen 189.000 Stellen in Deutschland ab. Ebenfalls verlagerungsbedingt wurden gleichzeitig 105.000 neue Arbeitsplätze am heimischen Standort geschaffen, also rund 56 Prozent der verlagerten Arbeitsplätze. Laut VDI liegt die Zahl der verlagerten Arbeitsplätze sogar bei mehr als 70.000 pro Jahr und damit deutlich höher.
Datenquelle
Statistisches Bundesamt: Verflechtung deutscher Unternehmen mit dem Ausland 2009, STATmagazin: Engagement deutscher Unternehmen im Ausland; Verein Deutscher Ingenieure e.V. (VDI): www.vdi.de
Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen
Zum Bereich der nichtfinanziellen gewerblichen Wirtschaft gehören die Unternehmen der Industrie und des übrigen Produzierenden Gewerbes sowie des Handels- und Dienstleistungsbereichs ohne Kredit- und Versicherungswirtschaft.

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Verlagerungsziele
Nichtfinanzielle gewerbliche Wirtschaft, Angaben in Prozent*, bis 2006 und geplant (Stand: 2008)
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Industrie |
nichtfinanzielle gewerbliche Wirtschaft ohne Industrie |
| 12 neue EU-Mitgliedstaaten** |
63,1 |
49,5 |
| China |
38,1 |
22,5 |
| Deutschland |
33,3 |
52,1 |
| EU15 |
24,7 |
35,1 |
| übriges Europa |
18,8 |
20,0 |
| Nordamerika |
16,7 |
10,4 |
| Indien |
15,8 |
18,0 |
| übriges Asien, Australien und Ozeanien |
12,6 |
8,7 |
| Lateinamerika |
7,6 |
7,2 |
| Afrika |
3,5 |
4,7 |
* Mehrfachnennungen möglich ** Estland, Lettland, Litauen, Malta, Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechische Republik, Ungarn, Zypern, Bulgarien und Rumänien
Quelle: Statistisches Bundesamt: Verflechtung deutscher Unternehmen mit dem Ausland 2009
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