30.8.2012

Veränderungen seit den 80er Jahren

Die Einführung des dualen Rundfunksystems 1984 sowie die Veränderungen in der Fernsehlandschaft nach 1989 brachten zunächst keine wesentlichen Neuentwicklungen im Bereich der politischen Magazine. Klassische Sendungen wie "Panorama" oder "Monitor" lieferten, wenn auch mit sinkender Publikumsresonanz, weiterhin politisches Hintergrundwissen und deckten in gut recherchierten Beiträgen gesellschaftliche Missstände auf. Die Pionierfunktion der politischen Magazine für eine politische Berichterstattung im bundesdeutschen Fernsehen war aber spätestens Anfang der 1980er Jahre beendet.

Neue Perspektiven auf das politische Geschehen

Neue Entwicklungen setzten in den 1980er Jahren durch formale wie inhaltliche Neuorientierung in einigen neuen Magazinen ein, die das politische Geschehen nun auch ironisch-distanziert betrachteten. Vor allem das Magazin "ZAK" (ab 1988 zunächst im Dritten Programm des WDR, ab 1993 im ARD-Hauptprogramm), entwickelt von Gerd Berger, wurde für diese Tendenz beispielgebend. "ZAK" zeichnete sich durch den Einsatz neuer elektronischer Gestaltungsmittel, durch einen experimentierenden Einsatz der Montage, ein auffälliges Studiodesign, die Form der Beiträge in der Art von Videoclips sowie einen kurzen, ironischen Kommentarstil aus. Bis 1990 wurde "ZAK" von Desirée Bethge moderiert, dann bis zu seinem Ende 1996 von Friedrich Küppersbusch, dessen trockener und bissiger Moderationsstil dem Magazin noch größere Beachtung einbrachte.

Politische Magazine im Privatfernsehen

Die kommerziellen Sender etablierten zunächst keine eigenen politischen Magazine. Sie integrierten jedoch die von Zeitungen und Zeitschriften produzierten Magazine wie "Spiegel TV", "Stern TV", "Süddeutsche TV" oder "NZZ Format" in ihre Programme (Sendezeiten für unabhängige Dritte nach § 31 RStV). Für RTL, Sat.1 und dann auch Vox produzierte Alexander Kluges Produktionsfirma dctp zahlreiche dieser Magazine, zusätzlich auch Kluges eigene Magazine wie "News & Stories" und "10 vor 11". Kluge hatte für seine dctp eine eigene Sendelizenz erhalten und seine Magazine waren bei der Lizenzvergabe an die sich als Vollprogramme verstehenden Programme RTL, Sat.1 und dann auch Vox gekoppelt worden. Vor allem "Spiegel TV" unter seinem Chefredakteur Stefan Aust (bevor dieser auch die Chefredaktion der Zeitschrift übernahm) weckte mit gut recherchierten Themen und Enthüllungen verdeckter Sachverhalte wiederholt neue Aufmerksamkeit. Diese Zeitschriften-Magazine im Fernsehen lebten und leben auch davon, dass sie sich der journalistischen Apparate ihrer Medienhäuser bedienen konnten und deshalb Qualitätsjournalismus lieferten.

Wichtigstes Ziel der politischen Magazine ist es seit ihrer Entstehungszeit, Missstände im politischen und sozialen Geschehen der Bundesrepublik aufzudecken. Dabei geht es nicht immer nur um bundespolitische Themen, sondern oft auch um eher 'weiche' Themen wie Skandale in der Tierhaltung oder der Nahrungsmittelproduktion, über die z. B. "Report" aus Mainz (SWR) häufiger berichtet, oder um Themen wie die Bankenkrise oder die Gesundheitspolitik, über die "Panorama" vom NDR oder "Monitor" vom WDR 2008 berichtet haben.