30.8.2012

Integration der Jugend in die DDR

Die Themen der Jugendsendungen des DDR-Fernsehens folgten nach 1961 nicht mehr einer gesamtdeutschen Zielsetzung. Sie richteten sich stärker auf die Integration der Jugendlichen in die DDR. Häufiges Thema waren Ratschläge zur beruflichen Orientierung. Dabei besaßen diese Sendungen auch eine lenkende Absicht, folgte doch die Wahl der vorgestellten Berufe den Vorgaben des 1959 vom Staat beschlossenen Siebenjahresplans.
"Jugend, Beruf und Perspektiven" – eine Ausstellung in Leipzig informiert über Berufsperspektiven für Jugendliche."Jugend, Beruf und Perspektiven" – eine Ausstellung in Leipzig informiert über Berufsperspektiven für Jugendliche. (© Bundesarchiv Bild 183-D0929-0091-003 / Fotograf: Heinz Koch)
Sendereihen wie "Palette der Jugend" (ab 1960) und "Treff mit Petra" (ab 1962) versuchten sich an bunt gemischten Themen aus der jugendlichen Lebenswelt. Sie verfehlten aber oftmals den richtigen Ton, wie eine Kritik der "Neuen Deutschen Presse" an der Reihe "Junge Optik" (ab 1963) illustrierte, in der es hieß: "Es war alles andere als jung, alles andere als optisch interessant, die Konzeption fehlte" (zit. n. Reibold/Teichert 1998, S.350).

Jugendgemäß präsentierte Themen im "Basar"

Dies änderte sich mit der 1965 eingerichteten Reihe "Basar", die bis Ende 1972 im Programm blieb und damit eine ungewöhnlich lange Laufzeit erreichte. Das monatlich ausgestrahlte Magazin bot vor abwechslungsreichen Kulissen jugendgemäß aufgemachte Themen aus Kunst, Literatur, Mode, Ferien und Musik, verbunden durch singende Moderatoren wie den Schauspieler Dieter Mann. Nach 1966 trat eine politische Ausrichtung in den Vordergrund, die stärker die Vorzüge der DDR herausstellte, um damit Einflüsse abzuwehren, die durch die Politisierung der Jugend im Westen auch auf die DDR überzuschwappen drohten. Themen wie "Musenappell bei der Nationalen Volksarmee" versuchten, den Wehrdienst schmackhaft zu machen. Auch in der Sendung "Palette der Jugend" dominierte der sozialistische Zeigefinger – kritisiert wurden jugendlicher Leichtsinn und fehlende Dankbarkeit angesichts des "Glücks, im Kommunismus zu leben".

"Programmoffensive im Jahr 1969"

Ende der 1960er Jahre wurde das Programmangebot für Jugendliche verstärkt. Nicht zuletzt deshalb, weil nun die westlichen Programme Bilder der westlichen Jugendrevolten ins Haus brachten. Dem wollten die Programmverantwortlichen des DDR-Fernsehens begegnen. Deshalb kam es 1969 zu einer 'Programmoffensive', in deren Verlauf gleich fünf neue Jugendsendungen auf den Weg gebracht wurden. Diese waren das jeweils einem Einzelthema gewidmete "Freitag-Journal", das Frage- und Antwortmagazin "Postfach 70" mit dem Untertitel "Briefkasten der Jugend", die Ratgebersendung "Mode und Musik" mit den Schlagerstars Chris Doerk und Frank Schöbel, das "Freizeit-Magazin" und schließlich die dem Studium des Marxismus-Leninismus gewidmete Bildungsreihe "Kompaß" (Ziegert 1997, S.26f.).

Fernsehen für Bildung und Schule

Auch hier gab es – wie im Westen – eine Debatte über die Möglichkeiten, das Fernsehen für Bildung und Schule zu verwenden. Im Blickfeld standen nicht nur die Jugendlichen, sondern auch Kinder und Erwachsene. In einer seit Mitte der 1960er Jahre geführten Diskussion, ging es vor allem um eine "planmäßige Einbeziehung von Bildungssendungen in den Unterricht" (zit. n. Hickethier 1980, S.54). Dies wurde ab 1966 erprobt und ab Anfang der 1970er Jahre auch mit "schulbezogenen Sendungen" realisiert. Im Westen wurden diese Angebote des Fernsehens immer nur zusätzlich genutzt und in der Regel auch nicht auf die Lehr- und Stundenpläne der Schulen abgestimmt. In der DDR hingegen wurde die Planung des Schulfernsehens genau koordiniert. Zahlreiche Modelle für eine Einbeziehung des Fernsehens in den Unterricht, wurden in den fachdidaktischen Zeitschriften der DDR publiziert (vgl. ebd., S.55.).