30.8.2012

Neue Programmplätze für Jugendkultur

Bei den Musikangeboten für Jugendliche richtete das ZDF 1971 eine neue Jugendschiene im samstäglichen Vorabendprogramm ein. Das war eine Reaktion auf eine Studie, derzufolge junge Zuschauer mehrheitlich erst nach 18.00 Uhr fernsehen würden. Zwischen 18.45 Uhr und 19.45 Uhr leifen abwechselnd die seit dem 18.01.1969 bestehende Schlagersendung "ZDF Hitparade", das Magazin "Direkt" und die Musiksendung "Disco". Nach der Programmreform von 1978 wurden die Sendungen zwischen 19.30 Uhr und 20.15 Uhr ausgestrahlt. "Disco"-Moderator Ilja Richter, der als 16-Jähriger bei "4-3-2-1 Hot and Sweet" begonnen hatte, schrieb selbst Gags und Sketche. Er spielte und sang auch. Diese oft gequält komischen Einlagen überbrückten die Pausen zwischen Auftritten zahlreicher Schlagerstars und einiger Pop-Interpreten. Ebenso die Pausen zu Einspielungen von Musikclips mit Bands wie Creedence Clearwater Revival, T. Rex und Alice Cooper. Mit dieser gefälligen Mischung erreichte das ZDF ein Publikum mit breiter Altersstruktur.

"Beat-Club" war die erste Musiksendung, die englischsprachige Gruppen im Fernsehen live präsentierte und die meisten bekannten Bands ins Programm holte. Die Sendung erhielt später Kult-Status und wird noch heute verschiedentlich wiederholt und auf DVD vertrieben. (Ausschnitt aus einer Sendung aus dem Jahr 1967) (© Radio Bremen, 1967)
In den 1970er Jahren breitete sich die Jugendkultur – bzw. was man darunter zu verstehen glaubte – auch vermehrt in andere Lebens- und Medienbereiche aus. Entsprechende TV-Angebote erreichten die Abendprogramme. Deutliches Indiz: Im Dezember 1972 wurde der nachmittägliche "Beat-Club" eingestellt und vier Tage später von der auf breitere Akzeptanz zielenden Abendsendung "Musikladen" abgelöst. Dort gab es unter anderem eine Oldie-Zuschauerwahl mit Ausschnitten aus alten "Beat-Club"-Sendungen – ein nostalgisches Angebot für die Beat-Generation, die mittlerweile bürgerlich geworden war.

"Rockpalast" – Livekonzerte im WDR

Der Wunsch nach kompetent präsentierter Pop- und Rockmusik blieb bestehen (Schmidt 1972, S.10). Anknüpfend an die seit Oktober 1974 im WDR-Regionalprogramm gezeigte Konzertreihe "Rockpalast" entwickelte der Regisseur Christian Wagner die Idee, samstags nach dem damals üblichen mitternächtlichen Sendeschluss Rockkonzerte live zu übertragen. Die erste "Rockpalast"-Nacht stand am 23.07.1977 auf dem Programm. Jugendliche fanden sich zu Partys zusammen und warfen den Kassettenrekorder an, um die parallele Hörfunkübertragung mitzuschneiden. Videorekorder waren zu diesem Zeitpunkt noch wenig verbreitet.

Konnten damals die von zahlreichen ausländischen Sendeanstalten übernommenen "Rockpalast"-Konzerte Musikfans in ganz Europa einschließlich des Ostblocks für eine Nacht vereinen, so geriet die Reihe mit Aufkommen der Musikkanäle (z. B. MTV) und der Differenzierung der Stile in eine Krise. 1986 wurden die klassischen "Rockpalast"-Nächte eingestellt.

"Rock-Pop" und "Rock-Pop in Concert"

Eine Variante der Musikpräsentation fand das ZDF mit "Rock-Pop" (1978–1989) und den "Rock-Pop in Concert"-Nächten, in denen gekürzte Fassungen vorab aufgezeichneter Konzerte gezeigt wurden. Ab 1982 leistete sich der Sender die Videoclip-Show "Ronny's Popshow" und ließ sie von einem Affen "moderieren", der vom Produzenten der Sendung, dem Komiker Otto Waalkes, synchronisiert wurde.