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30.3.2013

Musik im Fernsehen

Titel: Gisela May
Bildrechte: Verwendung weltweit
Rechtevermerk: picture alliance / Universität Jena
Fotograf: Universität Jena
Notiz zur Verwendung: picture alliance/dpa-Zentralbild
Caption: Gisela May, Schauspielerin und berühmte Brechtinterpretin zu Gast
im Studentenkeller "Zur Rosen" in Jena. (Bild undatiert, Mängel in der
Bildqualität vorlagebedingt). Foto: Walter StreitDie goldene Note galt als Fernseh-Konzertreihe und zeigte u.a. Konzertübertragungen aus dem Gewandhaus Leipzig, dem Schauspielhaus am Gendarmenmarkt - aber auch Chansonreihen mit der berühmten Brecht-Interpretin Gisela May. (© picture-alliance, Universität Jena)


Musik wurde im DDR-Fernsehen deutlich umfangreicher präsentiert als die Bildende Kunst. Dazu gehörte, dass bei den Programm-Machern ein umfassendes Verständnis einer alle Menschen verbindenden Musikkultur bestand. So gab es neben den schon erwähnten Jazz-Sendungen die regelmäßig präsentierte Sendereihe "Die goldene Note", dann auch Konzert-Übertragungen und Gala-Abende, die vom Fernsehen gemeinsam mit der Oper veranstaltet wurden ("Theo Adam lädt ein", 1982). Auch wurde häufiger "Aus Oper und Konzert" berichtet. Konzerte von Mozart und anderen Klassikern und Opern-Aufführungen waren in regelmäßigen Abständen im Programm vertreten, seit den 1970er Jahren vermehrt auch im II. Programm des DDR-Fernsehens.

Musik im Fernsehen der BRD

In der Bundesrepublik konzentrierte sich die Präsentation von Musik im Fernsehen bereits in den 1950er Jahren bei der ARD auf die Ausstrahlung von Musiktheater-Sendungen, also auf Übertragungen, später auf Mitschnitte von Opern-, Operetten-, Singspiel- und Musical-Aufführungen (z. B. die Übertragung der Oper "Die Gärtnerin aus Liebe" von Mozart durch den BR im Rahmen des ARD-Programms am 6.11.1954, also unmittelbar nach dem offiziellen Beginn des ARD-Gemeinschaftsprogramms am 1.11.1954). Die Einrichtung und Bearbeitung von Aufführungen für das Fernsehen wurde schnell üblich, d. h. es wurden unterschiedliche Kameraperspektiven gewählt und mehrere Kameras eingesetzt, um einen filmischen Eindruck zu erzeugen. "Das Fernsehen hat an allen bedeutenden Ereignissen der Opern-, der Musikgeschichte teilgenommen", konstatiert der Musikwissenschaftler Lothar Mattner (Mattner 1994, S.145). Hinzu kamen Konzertübertragungen. Zu einer Routine wurden schon in den 1960er Jahren die Übertragungen von Neujahrskonzerten berühmter Orchester (etwa der Berliner oder der Wiener Philharmoniker).

Weniger E-Musik in den 1970er und 1980er Jahren

Anneliese Rothenberger stellt den kleinen Pianisten Billy Bowman vor.Anneliese Rothenberger stellt den kleinen Pianisten Billy Bowman vor. (© picture-alliance, KPA)


Gab es in den 1950er und 1960er Jahren ganze Opernabende in den Hauptprogrammen, die als besondere festliche Veranstaltungen und Programmhöhepunkte gefeiert wurden, reduzierte sich die Zahl solcher Übertragungen in den 1970er Jahren. Die musikalische Darbietung von ernster Musik ging mehr und mehr über in die Form von musikalischen Sendungen, die Arien, Couplets etc. aus dem Kontext der Operndarbietungen herauslösten und sie in ein Nummernprogramm einbrachten (z. B. "Anneliese Rothenberger stellt vor" oder "Erkennen Sie die Melodien?"), das sich an der Darbietung unterhaltender populärer Musik orientierte. In den 1980er Jahren wurden dann die Übertragungen ganzer Opern und Operetten in die Dritten Programme verlagert, und in den 1990er Jahren – mit dem Umbau der Dritten Programme zu regionalen Vollprogrammen – in die Kultur-Spartenprogramme wie arte, 3sat und den ZDF-Theaterkanal. Auch hier war der Grund die abnehmende Zuschauerzahl von häufig nur einem Prozent (vgl. ebd., S.146). Die Ursache dafür lag vor allem darin, dass solche theatralen Darstellungen im Fernsehen, das sich in seinen Darstellungskonventionen ansonsten stark am Film orientierte, immer etwas schwerfällig, statisch und vor allem künstlich wirkten.

Fernsehen als Archiv der neueren Musikgeschichte

Die öffentlich-rechtlichen digitalen Fernsehprogramme wie ZDFkultur hingegen leben von den zahlreichen Mitschnitten und Aufzeichnungen von Musiktheater- und Konzertsendungen, die – nun meist in Reihen oder thematischen Programmabfolgen zusammengestellt – einen Einblick in das Musikleben der Bundesrepublik seit den 1950er Jahren geben. Das Fernsehen wird damit zum Archiv der neueren Musikgeschichte und stellt damit ein kollektives kulturelles Gedächtnis des Musiklebens dar.