30 Jahre Deutsche Einheit Mehr erfahren

30.8.2012

Sportübertragungen in den 50er Jahren

Bereits 1952 erklärte Hermann Zilless, der damalige Leiter des DFF-Fernsehzentrums in Berlin, dass "regelmäßige Sportsendungen" über "die wichtigsten Sportereignisse in der DDR, in Berlin und über gesamtdeutsche Spiele in Westdeutschland" berichten sollten. "Sie wollen darüber hinaus die demokratische Sportbewegung und die Sportler im Kampf um die Einheit des deutschen Sports unterstützen" (zit. n. Steinmetz/Viehoff 2008, S.97).
Bernhardt Eckstein (li.), Zweiter der 3. Etappe der Friedensfahrt 1959, mit Reporter Heinz Florian Oertel.Bernhardt Eckstein (li.), Zweiter der 3. Etappe der Friedensfahrt 1959, mit Reporter Heinz Florian Oertel. Lizenz: cc by-sa/3.0/de (Bundesarchiv Bild 183-63966-0004 / Fotograf: Heinz Wendorf)
Am 22.12.1952 wurde die erste Magazinsendung "Sport der Woche" mit Wortbeiträgen und Standbildern gesendet. Sie wurde mehrfach umgebaut und schließlich als "Sportgeschehen in Wort und Bild" und im Frühjahr 1954 als "Sportgeschehen – ferngesehen" ins Programm genommen. Verantwortlicher Mitarbeiter war bis 1955 Wolfgang Reichardt. Die Sendereihe wurde jedoch im Herbst 1954 wieder eingestellt.

Ab 1955, mit der Beschaffung der ersten beiden Übertragungswagen, wurden Sportsendungen auch live ausgestrahlt. Den Anfang machte ein Boxkampf am 19.1.1955. In der Folgezeit wurden – wie auch in der Bundesrepublik – vor allem am Sonntag Fußballspiele gezeigt. Das Spiel Sparta Prag gegen ZSK Vorwärts Berlin am 23.10.1955 wurde als erste Großveranstaltung aus dem Walter-Ulbricht-Stadion in Berlin übertragen (vgl. ebd., S.102).

Die "Tour de France des Ostens"

Neben den Fußballübertragungen und anderen Sportberichten bildete die Internationale Friedensfahrt den Höhepunkt der Sportberichterstattung im Frühjahr. Dieses Radrennen, das seit 1948 zwischen Warschau und Prag, seit 1952 zusätzlich auch in Ost-Berlin mit wechselnden Streckenführungen durchgeführt wurde, galt als die "Tour de France des Ostens". Das Radrennen wurde ab 1956 mit geringen Einschränkungen als Live-Sendung ausgestrahlt. 1959 wurden erstmals Bilder von einer Hubschrauber-Kamera aufgenommen. Das galt damals europaweit als Sensation und machte die Live-Berichterstattung von der Fahrt noch attraktiver. 1955 und 1959 siegte der ungemein populäre DDR-Radrennfahrer Gustav Adolf ("Täve") Schur. Täve Schur war sechsmal DDR-Meister, gewann viermal die DDR-Rundfahrt und zweimal die Straßenrad-Weltmeisterschaft (1958 und 1959). Er wurde 1960 noch beliebter, weil er bei der Straßenrad-WM seinem Kollegen Bernhard Eckstein vor laufenden Kameras den Vortritt ließ.

Bildmaterial aus anderen Ländern

Der DDR war es gelungen, beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) provisorisch anerkannt zu werden. Eigentlich durfte keine Nation mit zwei Delegationen vertreten sein. Auf Grund dieser Anerkennung konnte das DDR-Fernsehen 1956 aus Cortina d'Ampezzo berichten. Mit einigen Live-Übernahmen des italienischen Fernsehens. Aus Rom 1960 kamen ebenfalls Live-Berichte, während es dann 1964 aus Tokio wieder nur Filmberichte gab. Das DDR-Fernsehen griff dabei immer wieder auf das von den veranstaltenden Ländern produzierte Pool-Material zurück, das allen Beteiligten zur Verfügung gestellt wurde. Erst ab 1968, als die DDR mit einer eigenen Mannschaft in Mexiko antrat und damit sportpolitisch einen Durchbruch erzielte, konnte man zumindest mit einer 15-minütigen eigenen Livesendung aus dem "DFF Studio Mexiko" berichten. Für die Mehrheit der Berichte war man weiterhin auf Pool-Sendungen angewiesen, die vor allem von der Eurovision hergestellt und an die Intervision weitergereicht wurden (Steinmetz/Viehoff 2008, S.252ff.).