30.3.2013

Spartenprogramme und Sportsender

Das duale Rundfunksystem mit öffentlich-rechtlichen und privaten Fernsehsendern machte es auch möglich, Spartenkanäle zu gründen. Neben Kinder-, Musik- und Nachrichtensendern haben sich seit Ende der 1980er Jahre auch Sportsender etabliert. Dabei ist zwischen den Sendern zu unterscheiden, die frei empfangen (Free TV), und denen, die nur im Pay-TV, dem Bezahlfernsehen, gesehen werden können.

Eurosport

Der erste Sport-Spartensender, der in Deutschland auf Sendung ging, war Eurosport im Jahr 1989. Die Zentrale des Senders, der inzwischen im Besitz des französischen Senders TF1 ist, hat ihren Sitz seit 1991 in Paris. Das Konzept besteht darin, Sportereignisse europaweit in 20 verschiedenen Sprachen zugänglich zu machen. Der Anteil der Live-Berichterstattung liegt bei etwa 40 Prozent. Daneben werden Sportmagazine und Clipshows produziert. Da Eurosport dem Zuschauer täglich 24 Stunden Programm anbietet, die nicht nur mit populären Sportarten wie Fußball gefüllt werden – zumal der Sender keine Erstverwertungsrechte für Fußball besitzt, sondern lediglich Zusammenfassungen von Spielen senden kann –, setzen die Programm-Macher auf Boxen, Golf, Leichtathletik, Schwimmen oder Tennis sowie auf Sportarten, die sonst nicht so stark im öffentlichen Interesse stehen, zum Beispiel Curling oder Snooker.

Seit 2005 gibt es mit Eurosport 2 einen zweiten Sender von Eurosport. Er sendet digital und ist nur verschlüsselt zu empfangen. Bestimmte Sportarten und -veranstaltungen werden exklusiv auf Eurosport 2 übertragen. Seit 2008 kann Eurosport auch als kostenpflichtiges Programm im Kabelnetz in HD Qualität empfangen werden.

2012 startete mit Eurosport 3D ein neuer Sender, bei dem ausgewählte Sportveranstaltungen in stereoskopischem 3D-Format (3dtv) zu sehen sind. Zu den ersten Übertragungen auf Eurosport 3D gehörten die French Open 2012 in Paris und die Olympischen Spiele 2012 in London.

SPORT1

Am 1. Januar 1993 startete dann der zweite frei empfangbare Sport-Spartensender: das Deutsche Sport Fernsehen (DSF; seit April 2010 SPORT1). Der Sender gehörte damals zum Kirch-Konzern. Nach dessen Insolvenz im Jahr 2002 wurde er zunächst mehrheitlich an den Karstadt-Quelle-Konzern verkauft, bevor er dann in den Besitz von EM.TV überging. Zusammenfassungen von Fußballspielen und teilweise auch Live-Übertragungen gehören zu den Zugpferden des Programms. Des Weiteren wird über Boxen, Motorsport, Tennis und Wrestling berichtet. Das Programmprofil hat sich mehrfach geändert. Den größten Anteil am Programm haben Sportmagazine und Nachbereitungen von großen Sportereignissen wie Formel 1-Rennen. Daneben setzt der Sender auch auf Gameshows und Erotikclips, die nachts gesendet werden. Pokersendungen gehören mittlerweile ebenfalls zum festen Bestandteil. Mit der Sendung "Doppelpass" wurde die erste reine Fußball-Talkshow im deutschen Fernsehen entwickelt, die im öffentlich-rechtlichen Fernsehen mit "Waldis WM-Club" (Das Erste, 2006–2012) Nachahmer fand.

Sportsender im Pay-TV

Neben den frei empfangbaren Sport-Spartensendern gibt es Sportkanäle im Bezahlfernsehen auf digitalen Plattformen. Der bekannteste Sportkanal ist Sky Deutschland (bis Juli 2009 Premiere Deutschland). Dabei handelt es sich um ein Unterhaltungs- und Sportportal, bei dem je nach Abonnement bis zu 15 verschiedene Sportkanäle parallel empfangen werden können. Das Programm besteht aus Live-Berichten von Formel 1-Rennen, Golf-Turnieren, Spielen der Fußball-Bundesliga sowie den englischen, französischen, österreichischen und spanischen Fußball-Ligen und von den Spielen der Europäischen Champions League im Fußball. Daneben gibt es Magazine mit Zusammenfassungen und Wiederholungen von Fußballspielen und Formel 1-Rennen. Da der Sender digital verbreitet wird, besteht die Möglichkeit, auf dem Sportkanal zwischen verschiedenen Angeboten zu wählen. So kann sich der Abonnent z. B. samstags für eines der Bundesliga-Spiele entscheiden oder aber die Konferenz schauen, bei der zwischen den einzelnen Berichten gewechselt wird. Bei Übertragungen von Formel 1- Rennen kann er zwischen verschiedenen Kameraperspektiven wählen. Premiere (heute Sky Deutschland) ging 1991 auf Sendung. Zum Empfang ist ein Dekoder notwendig.

Zuvor hatte es seit 1996 bereits mit DF1, das zum Kirchkonzern gehörte, ein digitales TV-Angebot gegeben, zu dem auch ein Sportkanal gehörte. 1999 fusionierte DF1 jedoch mit Premiere zu Premiere World, das aber von 2002 bis Juli 2009 wieder Premiere hieß (danach Sky Deutschland). Von 2006 bis 2007 gab es auch den Sportkanal Arena, der im Jahr 2005 die Rechte für die Live-Übertragung der Fußball-Bundesliga erworben hatte. Aufgrund großer Verluste wurden die Rechte jedoch als Sublizenz an Premiere weitergegeben. Auf den digitalen Plattformen können auch amerikanische Sportsender wie ESPN empfangen werden.