30.8.2012

Peter Frankenfeld, Wim Thoelke, Hans-Joachim Kulenkampff

VERGIßMEINNICHT
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Caption: PETER FRANKENFELD in der Show Vergißmeinnicht, OktoberPeter Frankenfeld in der Show Vergißmeinnicht, 1964. (© picture-alliance, KPA Copyright)


Entscheidend war und ist dabei der Showmaster. Neben anderen vom Hörfunk kommenden Entertainern war es vor allem Peter Frankenfeld, der die Fernsehunterhaltung prägte. 1953 präsentierte er auf der Düsseldorfer Funk- und Fernsehausstellung die Talentshow "Wer will – der kann", an die sich später die Reihe "1:0 für Sie!" anschloss. Frankenfeld trug eine große karierte Jacke, gab sich burschikos-volkstümlich, erfand immer wieder kleine Spiele und Fragen, mit denen er Teilnehmer aus dem Saalpublikum herausforderte und zum Mitmachen anregte. Peter Frankenfeld orientierte sich stark am kommerziellen US-Fernsehen. Als Autor und Ausführender betonte er die visuellen Elemente seiner Sendungen und setzte seine Spiele bewusst für die Fernsehkamera in Szene, während andere Sendungen noch im Stile eines abgefilmten Hörfunks produziert wurden.

Unterhaltung und Wohltätigkeit

Den Höhepunkt seiner Fernsehkarriere erlebte Frankenfeld mit der Unterhaltungsreihe "Vergißmeinnicht" (ZDF 1964–1970), bei der es zunächst um die Werbung für die gerade eingeführten Postleitzahlen ging (Slogan: "Vergißmeinnicht – die Postleitzahl"), dann aber in der Sendung die Gewinne der gemeinnützigen Lotterie "Aktion Sorgenkind" verkündet wurden. Diese Verknüpfung von Wohltätigkeit und Unterhaltung lag in der Tradition der öffentlich-rechlichen Unterhaltung. Schon Just Scheus 1948 initiierte Reihe "Wer hört, gewinnt" ("die Urgroßmutter aller deutschen Funklotterien" – Walter Hilpert) war durch die Verbindung von Quiz und Caritas gekennzeichnet und hatte andere Nachahmer, die im Fernsehen bis zur Reihe "Ein Platz an der Sonne" – unter Beteiligung Frankenfelds – reichten.

Wim Thoelke und "Der große Preis" (ZDF)

Wim ThoelkeWim Thoelke (© picture-alliance, KPA)


Eine Fortsetzung fand die Show, deren unmittelbarer Nachfolger eigentlich "Drei mal Neun" (1970–1974) war, in der – dann ganz anders konzipierten – Quizshow "Der große Preis", die von 1974 bis 1993 vom ZDF ausgestrahlt wurde. Moderator war bis 1992 Wim Thoelke, ein ehemaliger Sportreporter. Die Sendung wurde anfangs aufgezeichnet, ab 1987 live gesendet. Show-Teil und Quiz standen im Vordergrund. Die Sendungen wurden zusammen mit der "Aktion Sorgenkind" durchgeführt. Thoelke befragte ausgewählte Kandidaten. Experten standen ihm dabei beratend zur Seite. Die Fragen waren bildungsorientiert: Geschichte, Kunst und Geografie kamen häufig vor, oft mit schwierigen Fragen. Technik und Naturwissenschaften spielten dagegen eine geringe Rolle. Die Kandidaten wurden mit einer Diaprojektionswand konfrontiert, die 30 Felder besaß und hinter denen sich die Fragen verbargen. Zum Kennzeichen dieser Show wurden das von Loriot gezeichnete Maskottchen, der Hund Wum und sein lang gezogener Ruf "Thööölke" sowie später sein Kompagnon, der Elefant Wendelin. Diese Sendung lieferte den Rahmen für die Verlesung der Lotteriegewinner der "Aktion Sorgenkind".

Sendungen mit Hans-Joachim Kulenkampff

Vom Hessischen Rundfunk kam Hans-Joachim Kulenkampff, der Rate-Spiele moderierte: Quizsendungen wie "Wer gegen wen", "Zwei auf einem Pferd" (1957/58), "Die glücklichen Vier" (1957/58), "Sieben auf einem Streich" (1958/59) und "Der große Wurf" (1959/60). Im Gegensatz zu Frankenfeld gab er den großbürgerlichen, aber gewitzt-charmanten Moderator. Neben anderen Quizsendungen, die er moderierte, fand er seine besondere Form in einer "Quizshow in Turnierform" (Hallenberger 1994, S.47), die 1964 ins Programm kam und immer wieder bis 1987 ausgestrahlt wurde: "Einer wird gewinnen" (ARD/HR). Mit dem Titel wurde auf die Europäische Wirtschaftgemeinschaft (EWG) angespielt, den Vorläufer der EU, und so wurden hier Kandidaten aus vielen europäischen Ländern, aber auch aus den USA und Israel, eingeladen, die gegeneinander antraten. In einem kleinen Film inszenierte Kulenkampff, der eigentlich ein ausgebildeter Schauspieler war, immer selbst eine kleine komische oder parodistische Szene. Die Sendereihe sah sich im Dienst der europäischen Einigung.