30.8.2012

Robert Lembke, Hans Rosenthal, Lou van Burg, Rudi Carrell

Titel: Robert LEMBKE und das 'Was bin ich?' Team
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Fotograf: Röhnert
Notiz zur Verwendung: picture alliance/Keystone
Caption: 5523253 (9002126) Robert LEMBKE (deutscher Journalist und
Moderator) und das "Was bin ich" Rate-Team, vl. n.r.: Guido BAUMANN,
Anette von ARENTIN , Robert LEMBKE, Hans SACHS und Marianne KOCH .
2 Service:Robert Lembke und das "Was bin ich" Rate-Team, vl. n.r.: Guido Baumann, Anette von Arentin , Robert Lembke, Hans Sachs und Marianne Koch. (© picture-alliance, Keystone)


Robert Lembke veranstaltete ein "Heiteres Beruferaten" in der Sendereihe "Was bin ich?" (nach der amerikanischen Gameshow "What's my line?" von Mark Goodson und Bill Todman), die es bis 1989 im ARD-Programm gab und die eher zu den kleineren Unterhaltungssendungen gehörte. Die Summen, die in diesen Quizspielen gewonnen wurden, blieben bescheiden, es ging mehr um das Spiel an sich. Prominent wurde Hans Rosenthal mit zahlreichen Ratespielen, vor allem mit "Dalli Dalli" (ZDF, 1971–1987).

Diese Ratespiele oder Quizsendungen, wie sie dann genannt wurden, hatten in der Regel amerikanische Vorbilder, die für das deutsche Fernsehen angepasst wurden (vgl. Hallenberger 1994). Aus "Take It or Leave It" wurde der TV-Dauerbrenner "Alles oder nichts" (1956–1988, ARD), "Twenty-One" hieß in Deutschland "Hätten Sie's gewußt?" (vgl. Hallenberger/Kaps 1991, S.11f. und 103) (ab 1958, ARD; unter dem Titel "Quiz Einundzwanzig" ab 2000 bei RTL). Zeitweilig ging der Trend vom Allgemeinwissen zum Besonderen. In Quizsendungen wie "Die große Reise" (1968, ARD) oder "Erkennen Sie die Melodie?" (1969–1985, ZDF) war Fachkenntnis gefragt. Beim "Krimi-Quiz" (ab 1964, ZDF) konnte dagegen jeder miträtseln.

"Der Goldene Schuss" (ZDF) mit Lou van Burg

Die erste interaktive Live-Show des deutschen Fernsehens "Der goldene Schuss" – Moderator Lou van Burg mit Assistentinnen und ArmbrustDie erste interaktive Live-Show des deutschen Fernsehens "Der goldene Schuss" – Moderator Lou van Burg mit Assistentinnen und Armbrust (© picture-alliance, KPA)


Ein mit dem Erfolg von "Wetten, dass ...?" vergleichbarer Publikumsrenner gelang mit der ZDF-Show "Der Goldene Schuss", die von 1964 bis 1970 im ZDF ausgestrahlt wurde. Moderator war der niederländische Entertainer Lou van Burg ("Mr. Wunnebar"), der ab 1967, nach einem kleinen Skandal um van Burg (er lebte mit der Assistentin Marianne Krems zusammen, und seine frühere Ehefrau verweigerte die Scheidung), vom ZDF durch den Entertainer Vico Torriani ersetzt wurde. Ausschlaggebend, so der damalige ZDF-Intendant Karl Holzamer, war dabei vor allem die Thematisierung der Affäre in den Boulevardmedien, durch die das ZDF seinen biederen bürgerlichen Ruf gefährdet sah.

Im Zentrum der Show stand ein Wettschießen mit der Armbrust (nach dem Apfelschuss in Friedrich Schillers "Wilhelm Tell"). Das Schießen wurde durch eine Kamera verfolgt und die Kandidaten mussten per Anweisungen die Kamera und damit die Armbrust dirigieren. Die Sendung erwies sich als sehr populär und war 1967 die erste Show im deutschen Fernsehen, die am 25.08.1963 in Farbe ausgestrahlt wurde.

Die "Rudi Carrell Show" war eine der großen Shows der ARD, die zunächst von Radio Bremen und später mit Beteiligung anderer ARD-Sender produziert wurde. Sie wurde live ausgestrahlt, von 1965 bis 1973. Typisch für die Show waren die Dekorationen nach Motiven aus dem Alltagsleben, die nicht angekündigten prominenten Gäste (hier: Camillo Felgen) sowie das Fehlen von Quiz-, Spiel- oder Talk-Einlagen. (Ausschnitt aus der Sendung mit einem Auftritt von Camillo Felgen) (© Radio Bremen, 1965 bis 1973)

Sendungen mit Rudi Carrell

Zu den bedeutenden Entertainern gehörte des weiteren der Niederländer Rudi Carrell, der aus einer Entertainer-Familie stammte, bereits als Kind auf der Bühne stand und seit 1961 in den Niederlanden als Fernsehunterhalter arbeitete und rasch populär wurde. 1965 sendete Radio Bremen die erste "Rudi Carrell Show" im ARD-Fernsehen. Carrell verstand es durch seine Art, eine leichte Conférence zu entwickeln, dabei eigene Sketche und Gesangsdarbietungen zu platzieren. Mit einem Regenduett mit Heinz Erhardt und einer Darbietung "Ein Loch ist im Eimer" mit Heidelinde Weis wurde er berühmt. 1974 wurde die Sendung durch die aus den Niederlanden importierte ("Een van de acht") Spiel-Reihe "Am laufenden Band" (RB) ersetzt. Eines der Spiele bestand darin, dass die Kandidaten alle Gegenstände mit nach Hause nehmen durften, an die sie sich erinnern konnten, nachdem die Artikel auf einem laufenden Band an ihnen vorbeigezogen waren.

1979 startete "Rudis Tagesshow" (WDR), eine auf englischen Vorbildern basierende Persiflage auf die "Tagesschau". Als er in der Sendung vom 15.02.1987 in einem sechs Sekunden dauernden Spot durch einen manipulativen Filmschnitt den Eindruck erweckte, der sittenstrenge iranische Religionsführer Ayatollah Chomeini wühle mit beiden Händen in einem Berg von Damenunterwäsche, kam es zu diplomatischen Verwicklungen mit dem Iran. Deutsche Diplomaten wurden ausgewiesen, das Goethe-Institut in Teheran geschlossen, Rudi Carrell musste sich entschuldigen und wurde unter Personenschutz gestellt.

Ab 1984 moderierte er die in Spanien erfundene Show "Die verflixte Sieben" ("Un, dos, tres"), mit der er schon im niederländischen Fernsehen aufgetreten war ("1-2-3-Show"). Ab 1987 folgte die auf einem US-amerikanischen Vorbild basierende Partnervermittlungs-Show "Herzblatt" und von 1988 bis 1992 noch einmal "Die Rudi Carrell Show", nun mit dem neuen Untertitel "Lass Dich überraschen", deren Vorbild aus Großbritannien stammte und um Elemente der niederländischen Reihe "Surprise Show" erweitert worden war. 1993 wechselte Carrell von der ARD zu RTL.