30.8.2012

Trends in den 1970er und 1980er Jahren

Titel: Jürgen von der Lippe bei Donnerlippchen
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Caption: Moderator Jürgen von der Lippe mit u.a. seinen beide Assitenten die
Situationskünstler Dr. Klinker-Emden und Chappy, der Vollstrecker in der ARD
Show Donnerlippchen , aufgenommen am 15.11.1987 in Köln. Foto: Horst
GaluschkaModerator Jürgen von der Lippe mit u.a. seinen beide Assitenten die Situationskünstler Dr. Klinker-Emden und Chappy, der Vollstrecker in der ARD Show Donnerlippchen ,1987 in Köln. (© picture-alliance, Horst Galuschka)


In den 1970er Jahren wurden auf Tagungen und in der Fachpresse wiederholt Beispiele einer "gesellschaftsorientierten Unterhaltung" (vgl. Prager 1971, S.141) diskutiert. Neue Formate betonten psychologische und soziale Aspekte. In "Sie und Er im Kreuzverhör" (1971–1973, ZDF) wurden prominente Ehepaare einem unterhaltsamen Ehetest unterzogen. Das "Elternspiel" (1973–1974, ARD) widmete sich Fragen der richtigen Kindererziehung.

Skandalformate

In den 1980er Jahren verloren sich derartige Aspekte von Gesellschaftsorientierung. Grenzen wurden gesprengt, Skandalformate kamen auf, nicht nur bei kommerziellen Sendern. In der ARD-Reihe "4 gegen Willi", moderiert von Mike Krüger (1986–1989, ARD), wurde mal das Auto eines Kandidaten zertrümmert, mal musste eine Mitspielerin über leicht bekleidete Männer hinweg steigen. Das Prinzip Schadenfreude beherrschte Jürgen von der Lippes "Donnerlippchen" (1986–1988, ARD). Zehn Jahre später wurden in "Showlympia" (1996, ARD) Kandidaten unter Strom gesetzt, andere mussten an nackten Hintern schnüffeln – wenngleich 'nur' in Einspielfilmen, die aus Unterhaltungssendungen anderer Länder stammten. Bei der "Glücksspirale" (1995–2001, ZDF, später Sat.1) sollten die Mitspieler ihre Phobien überwinden. So wurde eine Kandidatin, die an Höhenangst litt, über eine schmale Hochbrücke geschickt, die Kamera immer hautnah aufs schreckverzerrte Gesicht gerichtet. "Showlympia" wie die erwähnte Variante der "Glücksspirale" wurden von der niederländischen Firma Endemol produziert, die mit "Big Brother" weithin bekannt werden sollte. In Sendungen wie "Ihr seid wohl wahnsinnig" (2000, RTL) und "Fear Factor" (2004, RTL) wurden die Extreme nochmals weiter getrieben.

Sendungen mit versteckter Kamera

Zu den eher humoristischen Shows gehörten (und gehören) die Sendereihen, die mit dem Prinzip der versteckten Kamera arbeiten. Dabei werden Alltagsmenschen, oftmals Passanten, mithilfe eines "Lockvogels" in eine Situation gebracht, in der sie mit überraschenden und ganz ungewohnten Dingen konfrontiert werden: Türen, die sich nicht wieder öffnen lassen, verrücktspielende elektrische Geräte (der Toaster spielt Musik, beim Einschalten des Radios wird das Licht gelöscht) und anderes mehr. Dabei werden sie heimlich gefilmt, um ihre Reaktionen später in der Sendung als Einspielfilm vorzuführen. Es ist das Prinzip des Missgeschickes, der Schadenfreude, das hier wirksam wird. Sendungen wie "Vorsicht Kamera!" mit Chris Howland (ARD, ab 1961), dann "Verstehen Sie Spaß?" mit Paola und Kurt Felix (ab 1980 bzw. 1983, 2002–2009 Frank Elstner, ab 2010 Guido Cantz) und schließlich "Pleiten, Pech und Pannen" (ARD, 1986–2003) mit Max Schautzer gehören dazu.

"Wetten, dass…?"

Der TV-Moderator Thomas GottschalkDer TV-Moderator Thomas Gottschalk (© picture-alliance/dpa)


Von den großen Unterhaltungsshows ist im Wesentlichen nur die ZDF-Sendung "Wetten, dass ...?" übrig geblieben. Seit 1981 wird sie ausgestrahlt, Spielleiter war von 1987 bis 2011 (mit einer Unterbrechung) Thomas Gottschalk. Seit 2012 ist Markus Lanz der Moderator. Sie gilt als die erfolgreichste Show in Europa und wurde als Format ins Ausland verkauft. Es geht hier um unterschiedliche Wetten, die zwischen Gästen und dem Moderator und ebenso zwischen einer Stadt und dem Moderator geschlossen werden. Das Konzept wurde von Frank Elstner entwickelt, jedoch seither mehrfach verändert. Entscheidend waren und sind die Originalität der Wette und die dabei gezeigte Geschicklichkeit. So gelang es einem Kandidaten, während einer Autofahrt ein Rad des Autos auszutauschen, einem anderen, mit einem sehr leistungsstarken Motorrad einen abgeschossenen Pfeil einzuholen. Ein schweres Unglück in der 192. Sendung im Jahr 2010 bewog Gottschalk dazu, die Moderation der Show abzugeben. Viele Stars der Unterhaltungsbranche nutzen die Sendereihe, um für sich, einen neuen Film, eine neue CD oder anderes zu werben.