30.8.2012

"Heitere Dramatik" im DDR-Fernsehen

Der Deutsche Fernsehfunk bemühte sich von Anfang an um die "heitere Dramatik", wie die Lustspiel-, Schwank- und Komödienproduktion in der DDR genannt wurde. Diese Bezeichnung hängt damit zusammen, dass der Begriff des Fernsehspiels im DDR-Fernsehen durch den der 'Fernsehdramatik' ersetzt wurde, weil man die fiktionalen szenischen Darstellungsformen als Teil einer übergreifenden Gattung der Dramatik ansah. Im Deutschen Fernsehfunk gab es deshalb eine eigenständige Redaktion "Heitere Dramatik", die viele als volkstümlich geltende Stücke bei DDR-Autoren in Auftrag gab.

Dabei war von vornherein klar, dass man auf die Stücke, die vor 1945 von den Lustspiel- und Schwankautoren verfasst worden waren, nicht zurückgriff, weil diese – vielfach zu Recht – als ideologisch belastet galten. Es sollten Stücke sein, die eine auf die DDR-Alltagsrealität hin orientierte Thematik entwickelten. Beispielhaft war die dreiteilige Fernsehkomödie von Hermann Rodigast und Klaus Gendries "Aber Vati!" von 1974 (mit einer Fortsetzung im Jahr 1979) um den allein erziehenden Erwin Mai (Erik S. Klein) der ca. 10-jährigen Zwillinge Kalle und Kulle, welcher nach etlichen Ereignissen und Turbulöenzen um die beiden Söhne die ebenfalls alleinerziehende Monika Büttner (Helga Labudda) heiratet.

Fernsehtheater aus der Moritzburg

Im Hallenser Fernsehtheater Moritzburg wird die Spielzeit 1981 eröffnet.Im Hallenser Fernsehtheater Moritzburg wird die Spielzeit 1981 eröffnet. (© Bundesarchiv, Bild 183-Z0206-022 / Fotograf: Thomas Lehmann)


Anfang der 1960er Jahre war der Parteifunktionär und spätere Volkskammerpräsident Horst Sindermann auf die "ehrgeizige Idee" (ebd., S.196f.) gekommen, in Halle ein Fernsehstudio zu gründen, das sich der Produktion heiterer und volkstümlicher Stücke verschrieb. Sindermann hatte selbst Fernsehstücke inszeniert (Steinmetz/Viehoff 2008. S.197ff.). Als Spielort für das neue Fernsehtheater – ganz in der Tradition des bayerischen "Komödienstadel" oder der Millowitsch-Bühne – wurden Räume in der mittelalterlichen Moritzburg bei Halle ausgewählt, obwohl sie sich als Produktionsräume für das Fernsehen letztlich als nicht optimal erwiesen. Die erste aus der Moritzburg im DFF gesendete Produktion war 1965 die Inszenierung "Das Himmelbett" von Hanns Anselm Perten. Vor allem die Stücke von Hermann Rodigast ("Opa und das blaue Wunder", 1968) wurden hier inszeniert. Es waren heitere Stücke, die zugleich immer etwas bieder wirkten (Steinmetz/Viehoff 2008, S.306f.) und sich zahlreicher Klischees wie der der "pfiffigen Berlinerin", des "eingebildeten Kranken", der "taten- und trinkfreudigen Traktoristin", der "aufgeweckten Jungpioniere" und des "ruppigen Bürgermeisters" bedienten, wie eine interne Kritik des Fernsehens der DDR 1975 kritisch anmerkte (ebd.).

Kritik an der Volkstümlichkeit

In der Benutzung solcher Stereotypen unterschied sich die heitere Dramatik nicht von den Volksstücken des bundesrepublikanischen Fernsehens, bei denen der WDR-Redakteur Martin Wiebel und Theatermacher Melchior Schedler etwa zur gleichen Zeit die Frage stellten, was denn ihre "Volkstümlichkeit" ausmache und ob "das Volk so tümlich" sei, womit sie auf eine gewisse geistige Beschränktheit der Figuren und ihrer Handlungen verwiesen (vgl. Schedler 1973). Das Fernsehtheater Moritzburg produzierte bis zum Ende des DDR-Fernsehens zahlreiche Inszenierungen, die im Fernsehen übertragen wurden (vgl. Kuseb u. a. 2007).