30.3.2013

Film- und Kulturförderung

Als der deutsche Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck 2007 einen Oscar für den deutschen
"Das sind schlimme Männer, die andere einsperren": Begegnung Wieslers (Ulrich Mühe) mit einem Jungen mit Ball (Paul Maximilian Schüller). Szenenfoto aus "Das Leben der Anderen" – als DVD erhältlich.Szenenfoto aus "Das Leben der Anderen" (© Disney, Buena Vista Home Entertainment, Inc. 2006)
Kinofilm "Das Leben der Anderen" erhielt, waren an dem Erfolg auch öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten beteiligt. Der Bayerische Rundfunk hatte den Film nämlich als Koproduzent mitfinanziert. Ohne Mittel aus den Rundfunkgebühren wären viele deutsche Kino-Erfolge der vergangenen Jahre nicht möglich gewesen. Ob "Good bye, Lenin!", "Schtonk" oder "Das Boot" – etwa zwei Drittel aller deutscher Kinofilmproduktionen werden direkt oder indirekt durch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk gefördert. Diese Beteiligung des Fernsehens an der Filmförderung geht auf das zwischen der Filmwirtschaft und den Rundfunkanstalten 1974 geschlossene und seitdem immer wieder verlängerte Film-Fernseh-Abkommen zurück (vgl. Hickethier 1991). Trotz mancher Kritik, die regelmäßig alle vier Jahre geäußert wird, wenn die Verlängerung des Abkommens ansteht, hat sich diese Zusammenarbeit bewährt und wurde zum Vorbild für die Kooperation von Filmwirtschaft und Fernsehen in einigen anderen europäischen Ländern (z. B. in Großbritannien).

Verflechtungen innerhalb der Filmförderung

Seither ist die Struktur der Filmförderung komplexer geworden: Erstens speisen einige Bundesländer ihre Filmfördertöpfe mit einem Teil der Rundfunkbeitragseinnahmen, die eigentlich für die Landesmedienanstalten reserviert sind. Zweitens sind ARD und ZDF direkt an einigen Filmförderungseinrichtungen der Länder beteiligt und tragen außerdem mit etwa 11 Millionen Euro jährlich auch zur Finanzierung der Filmförderungsanstalt (FFA) des Bundes bei. Drittens treten öffentlich-rechtliche Programmanbieter manchmal auch direkt als Koproduzenten auf, zum Beispiel bei den erfolgreichen Filmen "Good bye, Lenin!", "Deutschland. Ein Sommermärchen", "Der Schuh des Manitu" oder "Alles auf Zucker". Beteiligen sich öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten direkt an Kinofilmen, erhalten sie in der Regel im Gegenzug jeweils die TV-Ausstrahlungsrechte.

Ausgaben für Filmwirtschaft und kulturelle Förderungen

ARD und ZDF beziffern ihr direktes und indirektes Engagement in der Filmwirtschaft auf insgesamt mehr als hundert Millionen Euro. Allein die ARD wendet ungefähr ein Prozent ihrer Rundfunkbeitragseinnahmen für Film- und Kulturförderung auf. Hinzu kommen etwa zwei Prozent für etwa 20 Orchester und Chöre. Darüber hinaus unterstützen öffentlich-rechtliche TV-Programmanbieter pro Jahr mehr als tausend kulturelle Veranstaltungen (Konzerte, Festivals, Festspiele, Preisverleihungen, Lesungen etc.). WDR und ZDF sind außerdem auch Mitgesellschafter des Grimme-Instituts, das jährlich den Grimme-Preis verleiht, und des Deutschen Fernsehpreises. Alle diese Förderungen – im Falle des Grimme-Instituts vor allem eine ideelle – kommen direkt und indirekt auch den Programmen zugute.

An der Filmproduktion im Rahmen des Film-Fernseh-Abkommens haben sich inzwischen auch privatwirtschaftliche Unternehmen wie die RTL-Group und ProSiebenSat.1 beteiligt, da die hier geförderten Filme eben auch in den Fernsehprogrammen gezeigt werden und die Fernsehsender damit zusätzliche Mittel der Filmförderung für ihre Produktionen einwerben können.