30.8.2012

Bürgerfernsehen und Offene Kanäle

Die Entwicklung des kommerziellen Fernsehens in der Bundesrepublik wurde vor allem durch die Herausbildung der Kirch-Gruppe und des Bertelsmann-Konzerns bestimmt. Trotzdem hat die Entwicklung der 1980-er Jahre noch ganz andere Formen des Fernsehens hervorgebracht. Aufgrund der langen gesellschaftlichen Auseinandersetzungen um die Einführung kommerzieller Fernsehanbieter wurde beschlossen, in den Kabelnetzen die Möglichkeit eines Bürgerfernsehens zu etablieren. Die Zuschauer selbst konnten auf diese Art zu Fernsehproduzenten werden.

Für die lokale Öffentlichkeit, aber wenig Zuschauer

Bürger machen Fernsehen – z.B. im Offenen Fernsehkanal Gera, dem ersten offenen Kanal in Thüringen.Bürger machen Fernsehen – z.B. im Offenen Fernsehkanal Gera, dem ersten offenen Kanal in Thüringen. (© picture-alliance, ZB - Fotoreport)
Sie wurden als "Offene Kanäle" konzipiert, bei denen produktions- und sendetechnische Einrichtungen in den Kabelnetzen geschaffen wurden, mit denen Zuschauer Sendungen produzieren und damit eine lokale oder regionale Öffentlichkeit erreichen konnten. In diesen Offenen Kanälen gab es bis zum Ende der 1990er Jahre in der Regel keine fest gefügte Programmstruktur, sondern die Sendungen wurden in der Reihenfolge gesendet, in der sie von den Produzenten, zum Beispiel Vereinen, Medienwerkstätten oder auch Einzelpersonen, vorgelegt wurden. Diese Programme funktionierten also nach dem Prinzip der Warteschlange. Das hatte zur Folge, dass die Zuschauer nur selten bestimmte Sendungen regelmäßig zu einer bestimmten Sendezeit erwarten konnten. Die Offenen Kanäle erreichten deshalb zumeist nur wenige Zuschauer, so dass sich nach und nach auch hier festere Programmstrukturen etablierten. Bedingt auch durch eine veränderte Mediengesetzgebung in den meisten Bundesländern ging die Anzahl der Offenen Kanäle in den Folgejahren mehr und mehr zurück.


Materialien zu "BRD: Das duale TV-System"

PDF-Icon Duales System
PDF-Icon Politische Magazine BRD/DDR