30.3.2013

Ausbau kommerzieller Programme

Auch das kommerzielle Fernsehlager hatte seine Programme weiter ausdifferenziert. Neben Sat.1 und RTL entstand mit ProSieben ein weiteres Programm, das sich selbst als Vollprogramm definierte. Es gehörte zur Kirch-Gruppe, die sich in den 1990er Jahren als Gesellschafter von Sat.1 zu erkennen gab und in mehreren Einzelschritten diesen Sender mehrheitlich übernahm. Neben diesen beiden Sendern gründete Kirch mit dem Kabelkanal (heute kabeleins) eine Plattform. Auf dieser wurden die Serien und Spielfilme wiederholt, die zunächst bei den beiden Hauptprogrammen gelaufen waren. Später kamen mit N24 als Informationsprogramm und dem Deutschen Sportfernsehen (DSF, seit 2010 SPORT1) Sender hinzu, die sich auf bestimmte Programmsparten konzentrierten.

Trotz Sendervielfalt: Duopol von Kirch und Bertelsmann

Auch von RTL, bei dem die Bertelsmann AG ebenfalls in mehreren Schritten die Anteile erhöht hatte, wurden Programmableger gegründet, beispielsweise RTL 2 als Wiederholungskanal oder – zusammen mit dem amerikanischen Disney-Konzern – das Kinderprogramm Super RTL. Als der Versuch in Nordrhein-Westfalen scheiterte, mit dem Sender Vox ein informationsorientiertes Vollprogramm erfolgreich zu positionieren, übernahm Bertelsmann, beim Start nur Minderheitsgesellschafter, nach einer Krisenphase die restlichen Anteile und richtete Vox als Spielfilm- und Serienkanal neu aus. Später übernahm man auch den zunächst von Journalisten gegründeten Nachrichtenkanal n-tv, der auf dem Markt nicht allein überleben konnte.

Aus der von der Politik 1984 betonten Meinungsvielfalt des Fernsehens durch den Start der kommerziellen Anbieter war 15 Jahre später ein Duopol aus der Kirch-Gruppe auf der einen Seite und dem Bertelsmann-Konzern auf der anderen Seite entstanden. Versuche kleinerer Unternehmer, eigene Sender zu etablieren, scheiterten ebenso wie die Versuche internationaler Medienfirmen (NBC, CNN oder der News Corporation von Rupert Murdoch), Ende der 1990er Jahre in den deutschen Fernsehmarkt einzudringen.

Premiere-Start ohne Erfolg

Krisenanfällig war seit seinem Start 1991 der Abonnementsender Premiere, den die Bertelsmann AG, die Kirch-Gruppe sowie der französische Sender Canal plus gegründet hatten. Nach Streitigkeiten über die Geschäftsstrategie stieg erst Canal plus, dann Bertelsmann aus. Leo Kirch versuchte durch einen riskanten, da teuren Rechtekauf seinem Pay-TV-Sender das Monopol bei bestimmten Sportarten und Spielfilmen zu verschaffen. So schloss er Verträge mit den amerikanischen Filmstudios zu überhöhten Marktpreisen ab und überbot für die Rechte der Fußball-Bundesliga jeden Konkurrenten. Als er allerdings die Sat.1-Sendung "ran", die von den Samstagsspielen der Bundesliga zusammenfassend berichtete, von 18.00 Uhr in die Abendstunden verschob, um so die Fußballfans zu einem Premiere-Abonnement zu zwingen, hagelte es massive Proteste, so dass "ran" nach kurzer Zeit wieder auf den alten Sendetermin zurückkehrte. Kirch gelang es nicht, Premiere in die Gewinnzone zu führen. Im Gegenteil: Die hohen Rechtekosten führten 2002 zu einer massiven Überschuldung seines Unternehmens. Als die Banken weitere Kredite ablehnten, brach die Kirch-Gruppe zusammen.

Dominanz populärer Programme

Unter dem Konkurrenzdruck der kommerziellen Anbieter hatten ARD und ZDF Ende der 1990er Jahre ihre Angebote popularisiert. Im Vorabendprogramm des Ersten wurde die herrschende Vielfalt von Serien immer stärker durch ein vereinheitlichtes Programm aus Daily Soaps ("Verbotene Liebe", "Marienhof") ersetzt. Das ZDF füllte das Vorabendprogramm mit Krimis – Neuproduktionen, aber auch Wiederholungen der Klassiker "Der Alte" oder "Derrick". Generell nahm die Zahl der Krimis in den Programmen zu und verdrängte beispielsweise den Kino-Spielfilm weitgehend aus dem Hauptabendprogramm. Dokumentationen, Dokumentarfilme, Features gerieten ebenfalls an den Rand des Programms oder wurden in die Kulturkanäle verschoben, wo die Musik- und Theaterproduktionen schon länger zu sehen waren. Auch Angebote für Kinder wurden bis auf wenige Ausnahmen ("Die Sendung mit der Maus") an den Kinderkanal weitergereicht. Da ARD und ZDF zudem nach einer finanziellen Erholungsphase auch bei den teuren Sportrechten wieder mitsteigerten, konnte der Rückgang der Zuschauerzahlen gestoppt werden.

1998 kehrte das Erste Programm wieder an die Spitze der Sender zurück, nach Einschaltquoten in der Gruppe aller Zuschauer. Auch das ZDF positionierte sich im Wechsel mit RTL dauerhaft an zweiter oder dritter Stelle.