30.3.2013

Neue Programm-Optionen durch die Digitalisierung

Die neuen Technologien ermöglichen eine Vervielfachung der Fernsehangebote. Daraus entstehen neue Angebotsformen. Dabei ist gegenwärtig mehr in der Diskussion, als sich dann wirklich durchsetzen wird – denn alle Entwicklungen müssen auch finanziert werden.

Pay-TV

Durch das digitale Fernsehen können gezielt Programme gegen Bezahlung (Pay-TV) angeboten werden. Schon im Rahmen des analogen Fernsehens war es möglich, Pay-TV zu veranstalten. Sky (bis Juli 2009 Premiere) in Deutschland, Canal+ in Frankreich und BSkyB in Großbritannien sind erfolgreiche Pay-TV-Veranstalter. Doch mit dem digitalen Fernsehen lassen sich die Optionen des Pay-TV stark erweitern. Durch die Vervielfachung der Übertragungsmöglichkeiten kann z. B. Sky zahlreiche Spielfilmangebote gleichzeitig übertragen: vom Familienfilm über Erotik bis zum Action-Genre, zusätzlich noch verschiedene Sportprogramme.

Spartenprogramme

Stärker auf individuelle Programmvorlieben der Zuschauer einzugehen und diese durch spezialisierte Programme zu bedienen, führt zur Einrichtung von Spartenprogrammen. Schon jetzt gibt es Nachrichtenprogramme, Musikprogramme und Kinderprogramme. Weitere Spartenbildungen sind denkbar. In Frankreich und Spanien bestehen z. B. eigenständige Fernsehprogramme für Jäger und Angler. Und "Fashion-TV" befriedigt die Bedürfnisse all derjenigen, die über Mode und die neueste Entwicklung der Pariser Haute Couture auf dem Laufenden sein wollen. Fernsehenthusiasten sprechen von mehr als tausend möglichen Programmen auf den Satellitenkanälen. Weitere Spezialisierungen sind deshalb zu erwarten. Voraussetzung ist jedoch – und dadurch begrenzt sich die Zahl der Programme wieder stark – dass sie ein größeres, für die Werbung interessantes Publikum finden und sich auf diese Weise finanzieren lassen.

Video-on-Demand

Die Individualisierung von Spielfilmangeboten wollen die Pay-TV-Anbieter mit "Video-on-Demand" (VoD) erreichen: Filme werden auf Abruf zu der Zeit, zu der der Zuschauer es sich wünscht, bereitgehalten. Die Sendung wird aus einem großen Archiv abgerufen. Ein solches Programmprinzip wird per Kabel oder über Telefonleitungen verwirklicht, denn eine Übertragung via Satellit wäre Ressourcenverschwendung, weil für die Anforderung eines einzigen Kunden europaweit ein ganzer Programmblock belegt wäre. Hier behilft man sich mit "Near-Video-on-Demand" (NVoD), einem Dienst, bei dem in bestimmten Zeitabständen – z. B. jede Viertelstunde – ein Spielfilm immer wieder neu gestartet wird und die Kunden dann gezielt zum Neustart einschalten.

"Video-on-Demand" stellt eine Art von interaktivem Fernsehen dar. Die Interaktivität beschränkt sich allerdings auf die Anforderung des Films und eventuell auf die Navigation (Vorspulen, Wiederholung) auf dem Videoserver des Anbieters. Andere Formen, beispielsweise die aktive Mitwirkung des Zuschauers bei der Gestaltung des Spielablaufes, sind zwar ein Wunschtraum vieler Experten, befinden sich aber noch in einem Experimentierstadium.

Von größerem Interesse könnten Videospielkanäle sein, bei denen der Mediennutzer aktiv spielt. Eine solche Interaktivität erfordert allerdings einen sogenannten Rückkanal vom Zuschauer zur Sendezentrale. In der Regel lässt sich der Rückkanal am einfachsten über Telefonleitungen bzw. Internet realisieren; über Satellit wäre ein solches Verfahren sehr unwirtschaftlich.