30.3.2013

Internetfernsehen

Eine zusätzliche Erweiterung der Programmmöglichkeiten besteht im Internetfernsehen. Dabei wird zwischen IPTV ("Internet Protocol Television") und "Web-TV" unterschieden. IPTV bedeutet lediglich, dass zur Signalübertragung das Internet-Protokoll (IP) mit seinen ausgefeilten Fehlerschutzverfahren genutzt wird. IPTV kann über eine Vielzahl von Verbreitungswegen verteilt werden und ist nicht ans Internet gebunden. So benutzen einige Telefonnetzbetreiber das Internet-Protokoll, um ihre Kunden über schmalbandige Telefonleitungen vorzugsweise mit Pay-TV-Bildern zu versorgen.

Noch geringe Nutzung von IPTV-Programmen

IPTV wird in Deutschland derzeit von zwei Telekommunikationsunternehmen angeboten. Die deutsche Telekom ist mit "Entertain-TV" (seit 2006), Vodafone mit "Vodafone TV" (seit Februar 2011) auf dem Markt vertreten. Vodafone TV ist aus einem Vorläufer hervorgegangen. Mobilfunkbetreiber Vodafone übernahm im Mai 2008 den Festnetzanbieter Arcor und damit auch das Ende 2007 gestartete IPTV-Angebot "Arcor-Digital TV", das am 01.08.2009 in die Marke Vodafone TV überführt wurde. Hansenet, ein Tochterunternehmen der Telecom Italia, konnte auf dem relativ jungen Markt nicht bestehen. "Alice TV", das 2006 als erstes IPTV-Angebot Deutschlands startete, wurde im Frühjahr 2012 wieder eingestellt.

Das Interesse an IPTV ist noch relativ gering, die meisten Abonnenten konnte bisher die Deutsche Telekom (ca. 1,6 Millionen/Stand: Mitte 2012) an sich binden. Vodafone hatte im Dezember 2011 über 100.000 IPTV-Kunden. 2009 wiesen die Nutzungszahlen im statistischen Durchschnitt pro Bundesbürger 6 Minuten für "Live im Internet fernsehen" aus (Media Perspektiven Basisdaten 2009, S.77). Momentan nimmt das Interesse an IPTV tendenziell aber zu, aktuelle Wachstumsprognosen fallen positiv aus.

Streaming von Videos und Videoportale

YouTubeYouTube (© picture-alliance, maxppp)
Demgegenüber ist Internet-Fernsehen schon seit geraumer Zeit Realität. Voraussetzung dafür ist die Steigerung der Übertragungsraten zum Endnutzer. Das sogenannte Streaming von Videos, also die Übertragung von Videosequenzen in "Echtzeit" (ohne dass man sich die Sequenzen erst vom Anbieter auf den eigenen Computer herunterladen muss, um sie dann ansehen zu können) ist inzwischen über DSL-Anschlüsse möglich. Das Internet entwickelt sich damit zu einem Multimedianetz, weil es auch Film- und Videosequenzen übermitteln kann.

Der Mediennutzer kann selbst gedrehte oder professionelle Videoclips von Fernsehanstalten bei YouTube und anderen Videoportalen ansehen. Er kann z. B. beim schweizerischen Dienst Zattoo (Peer-to-Peer-TV) auch ganze Programme verfolgen. Die Fernsehsender haben seit 2005 einzelne Magazinbeiträge ebenso im Angebot wie ganze Sendungen. Hat man z. B. eine Nachrichtensendung im Fernsehen verpasst, kann man sie mit ihren wichtigsten Beiträgen noch Tage später auf der Website der Sendeanstalten ansehen. Das alte Problem des Rundfunks, dass man nur etwas sehen kann, wenn man zu einer ganz bestimmten Zeit vor dem Fernseher sitzt, wird durch zusätzliche Nutzungsmöglichkeiten ergänzt. Inzwischen lassen sich längst ausgestrahlte Sendungen oder einzelne Beiträge in einem begrenzten zeitlichen Rahmen nach der Originalausstrahlung von den Servern der Rundfunkanstalten herunterladen.

Öffentlich-rechtliche Mediatheken

Das ZDF etablierte zur IFA 2007 eine Mediathek, ein Angebot, bei dem sich – geordnet nach Themenbereichen oder Sendungstiteln – Beiträge im Nachhinein anschauen lassen. Arte hält einen Großteil seiner Sendungen sieben Tage nach der Erstausstrahlung im Internet bereit. Auch die ARD begann im Mai 2008 damit, die wichtigsten Beiträge aus ihrem Programm im Rahmen einer "Mediathek" per Internet den Zuschauern auch zum nachträglichen Betrachten zur Verfügung zu stellen.

Ein solches Angebot ist im Sinne des Kultur- und Bildungsauftrags der öffentlich-rechtlichen Sender, doch zum einen sind die Verbreitungskosten für derartige Angebote hoch, und zum anderen haben die öffentlich-rechtlichen Sender nach einer 2009 getroffenen gesetzlichen Regelung nur begrenzte Spielräume für ihre Internet-Dienste. Auch fehlen oft die Rechte für eine Internetpräsenz von Fernsehsendungen. Ein einziger Filmausschnitt aus der Zeit vor etwa 1993 kann schon dafür sorgen, dass eine ganze Sendung nicht ins weltweite Netz eingestellt werden kann, weil für dieses Bi-Nutzungsrechte eingeräumt worden sind – da damals das Internet noch eine unbekannte Größe war. Die Diskussionen sind hier vielfältig, der Bereich der Internetpräsenz ist umstritten, die Urheberproblematik und die Frage des 'Open access' (also des Gratiszugangs zu Informationen) beschäftigen die Forschungsinstitute (z. B. das Hamburger Hans-Bredow-Institut) und die politischen Entscheidungsträger.