30.8.2012

Erste Perlen des populären Fernsehens (BRD)

Das ambitionierte Fernsehspiel schrieb politisch und ästhetisch Fernsehgeschichte. Die größten Erfolge beim Zuschauer aber feierten in der Bundesrepublik die ersten eigenproduzierten Kriminalfilme. Die Sendereihe "Stahlnetz" (NDR, bis 1968) legte 1958 mit 22 Folgen den Grundstein für das Genre, das Anfang der 1960er Jahre in den WDR-Mehrteilern von Francis Durbridge ihren noch erfolgreicheren Ausdruck fand. Ob "Das Halstuch" (WDR, 1962), "Tim Frazer" (WDR, 1963) oder "Melissa" (WDR, 1966) – der britische Autor bediente mit seiner auf Spannung und szenische Kontinuität bedachten Dramaturgie die Anforderungen des Mediums und die Ansprüche des Zuschauers. Gleichwohl erscheinen heute viele der Filme als sehr langsam erzählt, weil über die Verbrechen vor allem geredet wird. Deutlich filmischer erzählt war 1966 der Dreiteiler "Die Gentlemen bitten zur Kasse" (NDR, 1966) nach dem Bericht von Henry Kolarz, der dem legendären britischen Postraub nachempfunden wurde. Das ZDF reagierte mit den stark kolportageartigen, die traditionellen Krimigenre-Muster wiederholenden Dreiteilern "Der Tod läuft hinterher" (ZDF, 1967) und "Babeck" (ZDF, 1968) von Herbert Reinecker.

Abenteuerfilme als Advents-Vierteiler

Ein Highlight für die jungen Zuschauer waren die Advents-Vierteiler des ZDF: "Robinson Crusoe" (ZDF, 1964), "Die Schatzinsel" (ZDF, 1966) oder "Der Seewolf" (ZDF, 1971). Die Walter Ulbrich Filmproduktion stellte Jahr für Jahr spannende Abenteuerfilme voller Südseeromantik her, selbst wenn sie – wie einer der letzten Filme dieser Reihe, "Zwei Jahre Ferien" (ZDF, 1974) nach dem gleichnamigen Roman von Jules Verne – in Rumänien und am Schwarzen Meer gedreht worden waren.

Kriminal- und Science-Fiction-Innovationen

Eine unterhaltsame Kriminal-Innovation, die den Live-Charakter des Fernsehens beschwor, war das heitere Mörderratespiel "Dem Täter auf der Spur" (ARD, 1967–1973) von Jürgen Roland. Prominente konnten sich mit Lösungsvorschlägen beteiligen und rätseln, wer sich wann und wie bei den Befragungen durch den Kommissar verraten hatte. Legendär war auch die erste deutsche serielle Science-Fiction-Produktion "Raumpatrouille – Die phantastischen Abenteuer des Raumschiffes Orion" (WDR, 1966), die von der Bavaria produziert wurde. Die Szenerien und Requisiten entwarf Bavaria-Bühnenbauer Rolf Zehetbauer. Die Serie besaß durch Mode- und Stil-Accessoires und durch Hightech-Simulationen mittels Bügeleisen und Bleistiftspitzern schon zur Entstehungszeit einen hohen Kultfaktor.