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30.8.2012

Ambitionierte Krimi-Reihen und TV-Movies

Szene aus "Natalie – Endstation Babystrich"Szene aus "Natalie – Endstation Babystrich". (© SAT.1)


Ambitionierte Krimi-Reihen und TV-Movies

Die 1990er Jahre stellten einen Neuanfang der ambitionierten Fernsehfiktion dar. Das aufklärerisch-didaktische Themenfernsehspiel hatte zunächst ausgedient. Die Fernsehmacher wollten nicht mehr die Welt erklären, sondern sie auf eine emotionale Weise zeigen. Technisches Handwerk, filmische Ästhetik, Genre-Orientierung und eine Ausrichtung am populären Hollywood-Film waren neue Kriterien. Gesellschaftskritik war vor allem in Hinblick auf ein jüngeres Publikum, das mit Reihen wie "Wilde Herzen" (ARD) geködert wurde, weitgehend im Kino-"Look" verpackt. Die 'Traumfabrik' hielt als Vorstellungsmodell Einzug ins Fernsehen. Hans Janke, neuer Fernsehspielchef beim ZDF, suchte die "Qualität im Populären" und fand sie vor allem in 90-minütigen Krimis. Reihen wie "Bella Block" (ZDF, seit 1993) oder "Sperling" (ZDF, 1996–2007) schnitten gesellschaftspolitische Themen an und agierten mit brüchigen Helden, die gesellschaftlich Position bezogen. "Emotionalisierung" war eines der zentralen Gebote. Durch eine Standardisierung der Sendeplätze für die Fiktion erhoffte man sich einen höheren Wiedererkennungswert in einem durch die neuen Sender explosionsartig ausgeweiteten Programmangebot.

Reißerische Titel – emotionalisierte Handlungen



Der neue Trend wurde von den Privatsendern verschärft. Sie gingen mit TV-Movies wie "Schlag weiter, kleines Kinderherz" (RTL, 1994) oder "Natalie – Endstation Babystrich" (Sat.1, 1994) an den Start, die durch reißerische Titel und emotionalisierte Handlungen ihr Publikum fanden. "Der Sandmann" (RTL II, 1995), "Das Phantom" (ProSieben, 2000), "Der Tunnel" (Sat.1, 2000), "Wambo" (Sat.1, 2001) oder "Das Wunder von Lengede" (Sat.1, 2003) zeigten jedoch, dass qualitativ herausragende Produktionen auch bei den Privatsendern möglich waren und sich dabei Qualität und Quote nicht ausschlossen.