30.8.2012

Zeitunabhängige Fernsehnutzung

Die Entwicklungen neuer Technologien der Speicherung von Fernsehsendungen und der Verbreitung von Fernsehen im Zusammenhang mit der Digitalisierung, haben neue Formen der Fernsehnutzung möglich gemacht. Der generelle Trend geht hin zu einer zeitunabhängigen Nutzung. Wann die Zuschauer fernsehen, ist nicht mehr ausschließlich an die Programmstrukturen der Sender und den Empfang über Antenne, Kabel oder Satellit gebunden.

Aufzeichnungstechnik

Datenträger im Wandel der ZeitDatenträger im Wandel der Zeit (© Alexey khromushin/fotolia.com)
Die Zeit des unabhängigen Fernsehens begann 1976 mit der von der Firma JVC entwickelten VHS-Kassette und den entsprechenden Videorekordern, mit denen es möglich war, Fernsehsendungen aufzuzeichnen. Von hier aus ging die Entwicklung zu weiteren Techniken der programmunabhängigen, zeitversetzten Fernsehnutzung (z. B. DVD/Festplattenrekorder). Neben den zahlreichen Kinospielfilmen werden seit 2000 auch Fernsehserien im Handel auf DVD und Blue-ray angeboten, was zu einer anderen Seriennutzung führte, werden doch auch hier in Freundeskreisen oft mehrere Folgen hintereinander gesehen.

"Video-on-Demand" und Internetangebote

Neben der Möglichkeit, Fernsehsendungen auf verschiedenen Datenträgern zu speichern, gibt es weitere Arten des unabhängigen Fernsehens. Die Digitalisierung macht es möglich. "Video-on-Demand" (VoD) ist die Bezeichnung für den individuellen Abruf von Fernsehsendungen oder Filmen durch den Zuschauer von einem Anbieter, der die Inhalte auf einem Server gespeichert hat. Die Zuschauer können gegen eine Gebühr die Sendungen abrufen, wenn sie gerade Zeit und Lust zum Fernsehen haben. Zu den größten deutschen VoD-Portalen zählen maxdome (ProSiebenSat.1 Media AG), Videoload (Telekom), iTunes (Apple) und der Videodownloadshop von Media Markt. In weit größerem Maße als die genannten VoD-Anbieter werden jedoch illegale Streaming-Portale genutzt, auf denen aktuelle Kinofilme und Serien kostenlos angeschaut werden können. Für großes Aufsehen sorgte 2011 die Schließung des Streaming-Portals kino.to, das zu den 50 meistbesuchten deutschen Websites gehörte und täglich über 200.000 Besucher anzog. Der Filmindustrie, VoD-Anbietern und Videotheken entgehen durch derartige Portale Einnahmen in Milliardenhöhe.

Weiterhin können ausgewählte Sendungen kostenfrei in den Mediatheken fast aller deutschen TV-Sender (ARD, ZDF, RTL, Sat1, arte etc.) angesehen werden. Die Sendungen sind meist bis zu 7 Tage nach deren Ausstrahlung in den Mediatheken abrufbar. Fernsehen ist damit für den Zuschauer nicht mehr nur das altbekannte Programmfernsehen, das nach einem festen Schema seine Sendungen verbreitet und auf dessen Struktur sich die Zuschauer verlassen können. Fernsehen kann nun zu jeder Zeit mit selbst gewählten Inhalten auf verschiedenen Geräten stattfinden.