30.8.2012

Ethische Grenzen des Journalismus – das Gladbecker Geiseldrama (1988)

Der Gladbecker Geiselnehmer Hans-Jürgen Rösner beim Interview mit einem Journalisten während der GeiselnahmeDer Gladbecker Geiselnehmer Hans-Jürgen Rösner beim Interview mit einem Journalisten während der Geiselnahme (© picture-alliance/dpa)


Die Berichterstattung über das Gladbecker Geiseldrama von 1988, bei dem Gewalttäter eine Bank überfallen hatten und mit ihren Geiseln durch die Bundesrepublik flüchteten, kann als besondere Form der inszenierten Realität gelten – und damit in gewisser Weise als Vorläufer späterer Reality-TV-Formate. Fernsehreporter folgten den Geiselnehmern und interviewten sie in ihrem Fluchtauto, während vor ihnen die mit der Pistole bedrohten Geiseln saßen. An dieser Form der Berichterstattung wurden in der bundesdeutschen Öffentlichkeit erstmals ausführlich die ethischen Grenzen des Journalismus diskutiert. Dabei stand die Frage im Mittelpunkt, inwieweit es zulässig ist, dass sich eine auf Sensationen ausgerichtete Fernsehberichterstattung in die polizeiliche Verfolgung einmischt und die Angst der Opfer in exklusiven Bildern ausgiebig präsentiert.