25.7.2012 | Von:
Eva Leipprand

Nachhaltige Entwicklung als kulturelle Herausforderung

Kulturelle Bildung für "nachhaltige" Kompetenzen

Aus alledem folgt, dass für eine kulturelle Bildung, die sich der nachhaltigen Entwicklung verschreibt, Partizipation ein Kernelement sein muss. Der kulturelle Wandel kann nur als zivilgesellschaftliches Projekt funktionieren. Es geht darum, im einzelnen Menschen und in der Gesellschaft, von der Kita bis zur Erwachsenenbildung, diejenigen Kompetenzen zu stärken, die wir für den Übergang in die postindustrielle Gesellschaft brauchen. Und hier kommt jetzt auch die Kultur im engeren Sinne ins Spiel, das Malen, das Schreiben und Lesen, die Musik, der Tanz, Foto und Film; das Wahrnehmen, das Formen und Gestalten. Die Entfaltung der Kreativität, der weite Raum der Möglichkeiten.

Als Zusammenfassung des vorher Gesagten und als Diskussionsgrundlage hier ein Vorschlag, was solche "nachhaltigen" Kompetenzen sein könnten:
  • die eigene Kultur als Teil der weltweiten Vielfalt und gleichzeitig als besonderen und unverwechselbaren Ort zu erleben, an dem man sich verwurzelt und zu Hause fühlt. Das Zuhausesein in der eigenen Kultur ist Voraussetzung für fruchtbare interkulturelle Erfahrung.
  • den Umgang mit der Natur auch als eine kulturelle Aufgabe wahrzunehmen und dabei überkommene Denkmuster (z. B. das Recht auf Ausbeutung der Natur) zu überprüfen. Das bedeutet, nach allen Seiten offen zu sein, sich auf das Unbekannte einzulassen, das Ungewisse auszuhalten.
  • sich anderen Kulturen zu öffnen und ihre Vielfalt als eine Ressource für die Zukunft der Menschheit zu erkennen, zu schützen und zu nutzen. Dies bedeutet auch, die kulturelle Bedingtheit des eigenen Handelns zu hinterfragen und Angebote anderer Kulturen in die Transformationsstrategien einzubeziehen.
  • Zufriedenheit, Glück, Erfüllung nicht nur im Materiellen zu suchen, sondern in den Möglichkeiten zum eigenen kreativen Tun und der Teilhabe am kulturellen Leben, Sinn zu finden in gemeinsamen Aufgaben.
  • die Perspektive auch des anderen einnehmen zu können, gerade auch in Fragen globaler Gerechtigkeit; vernetzt zu denken und zu fühlen; ein Wir-Gefühl in der Gemeinschaft zu entwickeln bis hin zum globalen Wir der Menschheit insgesamt.
  • den Weg in die Zukunft in diesem Sinne als einen weltweiten Suchprozess zu begreifen, Anpassungsfähigkeit zu entwickeln und selbst Verantwortung für die Zukunft des Planeten zu übernehmen.
Ich freue mich sehr, darüber mit Ihnen in Austausch zu treten.

Vortrag vom 17. November 2011 beim Didaktikdialog "Zukunft ist jetzt!" Kulturelle und politische Bildung für Nachhaltige Entwicklung, eine Tagung der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) in Kooperation mit der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung (bkj)