Fortbildung für Multiplikatoren:
Neosalafismus – Prävention in den Handlungsfeldern politische Bildung, Schule, Jugendhilfe und Gemeinde

Programm

Termine: 20.-21.01., 17.-18.02., 24.-25.03. und 21.-22.04.2017, Nürnberg

Modul 1: Junge Muslime in Deutschland (Einführung und Hintergrund)
20.-21.01.2017

Dieses Modul führt in die Vielfalt muslimischer Lebenswelten in Deutschland ein und präsentiert wichtige Hintergrundinformationen zu unterschiedlichen Aspekten von Identität und Religiosität von jungen Muslimen. Die Informationen bilden die Grundlage für die anschließende Auseinandersetzung mit islamistischen Orientierungen und Verhaltensweisen und Ansätzen der Präventionsarbeit.

Ziele:
  • Vermittlung eines Grundwissens über Demographie der Muslime in Deutschland
  • Sensibilisierung für Gemeinsamkeiten und Unterschiede nichtmuslimischer und muslimischer Jugendbiographien
  • Information über Ausdrucksformen und Wandel muslimischer Religiosität im Migrationskontext
  • Information über Formen von Diskriminierung und Ausgrenzung
  • Sensibilisierung für Zusammenhänge von Selbst- und Fremdwahrnehmungen
Inhalte:
  • Demographische Daten zu (jungen) Muslimen in Deutschland
  • Exemplarische Vorstellung von Biographien von jungen Muslimen
  • Vorstellung von Forschungsergebnissen zu Diskriminierungserfahrungen von jungen Migranten/Muslimen in Schule und Arbeitsmarkt
  • Praxisblock: Diskussion des Begriffes Selbstethnifizierung am Beispiel von Musikvideos junger Migranten/Muslime
  • Vorstellungen von jugendkulturellen Trends und Strömungen unter jungen Muslimen
  • Einführung in religiöse Themen und Fragen am Beispiel von Diskussionen unter jungen Muslimen in Sozialen Netzwerken
  • Praxisblock: Diskussion problematischer Aspekte von Selbstethnifizierung und „Rückzug auf den Islam“ in der pädagogischen Arbeit
Modul 2: Religiös begründeter Extremismus (Problembeschreibung)
17.-18.02.2017

Dieses Modul informiert über die historischen und ideologischen Hintergründe islamistischer Ideologien und Bewegungen und setzt diese in Bezug zu islamischen Traditionen und Glaubensinhalten. Dabei wird das Verhältnis von Islam und Islamismus genauer bestimmt. Ein inhaltlicher Schwerpunkt des Moduls liegt auf aktuellen Ausdrucksformen neosalafistischer Strömungen, wobei ein besonderes Augenmerk auf jugendliche Anhänger dieser Strömungen gelegt wird. Damit werden die Teilnehmer in die Lage versetzt, neosalafistische Einstellungen und Verhaltensweisen und Einstellungen zu erkennen und gegenüber anderen Formen muslimischer Religiosität abzugrenzen.

Ziele:
  • Sensibilisierung für Terminologie Islam/Islamismus
  • Information über zentrale islamische Glaubensinhalte
  • Sensibilisierung für innermuslimische theologische Diversität
  • Information über wesentliche Inhalte und Ausdrucksformen islamistischer Ideologien (Schwerpunkt Neosalafismus)
  • Information über Attraktivitätsmomente des Neosalafismus unter Jugendlichen
Inhalte:
  • Praxisblock: Auseinandersetzung mit eigenen Vorstellungen über „den“ Islam
  • Vorstellung zentraler Glaubensinhalte des Islam
  • Exemplarische Vorstellung innermuslimischer theologischer Vielfalt (Konfessionen, Rechtsschulen etc.)
  • Historischer Überblick über Entstehung islamistischer Bewegungen
  • Vorstellung unterschiedlicher Definitionen des Begriffs „Islamismus“ (u. a. religions- und politikwissenschaftliche Zugänge)
  • Vorstellung unterschiedlicher islamistischer Strömungen in Deutschland (Verweis auf ideologische und strategische Unterschiede)
  • Praxisblock: Erarbeitung von Inhalten islamistischer Strömungen am Beispiel von Selbstzeugnissen
  • Überblick über die Geschichte des Neosalafismus in Deutschland (Akteure, Ideologie, Dynamik)
  • Praxisblock: Erfahrungen der Teilnehmer mit neosalafistischen Jugendlichen
  • Überblick über dschihadistische Aktivitäten in Deutschland
  • Überblick über Dawa-Strategien neosalafistischer Akteure
  • Praxisblock: Gemeinsame Analyse von Dawa-Videos mit Blick auf Attraktivität für Jugendliche
Modul 3: Grundlagen der Prävention (Handlungsoptionen)
24.-25.03.2017

In diesem Modul werden die theoretischen Grundlagen der Präventionsarbeit erarbeitet. Dabei werden zunächst allgemeine Überlegungen zur Abgrenzung der Präventionsarbeit von anderen pädagogischen Arbeitsfeldern vorgestellt. Aufbauend auf diesen Hintergrundinformationen erfolgt eine Auseinandersetzung mit Forschungen zu Radikalisierungsprozessen, um diese auf Ansätze für die pädagogische Präventionsarbeit zu befragen.

Ziele:
  • Bestimmung des Verhältnisses von Prävention zu politischer Bildungsarbeit und allgemeiner Jugend- und Sozialarbeit
  • Information über zentrale Aspekte von Radikalisierungsprozessen
  • Sensibilisierung für Möglichkeiten und Grenzen präventiver Arbeit
Inhalte:
  • Einführung in erziehungswissenschaftliche Grundlagen des Präventionsbegriffs
  • Abgrenzung des Präventionsbegriffs von anderen pädagogischen Arbeitsfeldern
  • Praxisblock: Diskussion mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern über Selbstverständnis ihrer Arbeit/Einrichtung
  • Überblick über Forschungen zu Radikalisierungsprozessen
  • Praxisblock: Erarbeitung von Ansatzpunkten präventiver Arbeit am Beispiel eines Radikalisierungsmodells
  • Überblick über Radikalisierungsprävention in anderen Ländern/gesellschaftlicher Kontext von Präventionsarbeit
Modul 4: Präventionsarbeit in der Praxis (Handlungsoptionen)
21.-22.04.2017

In diesem Modul werden konkrete Ansätze der Präventionsarbeit zum Thema Neosalafismus in lokalen Kontexten erarbeitet. Im Mittelpunkt steht dabei die Auseinandersetzung mit Vernetzungsmöglichkeiten und Kooperationen in unterschiedlichen Handlungsfelder der pädagogischen Arbeit.

Ziele:
  • Information über Präventionsbereiche (primäre, sekundäre und tertiäre Prävention) und bestehende Präventionsprojekte im Themenfeld „Neosalafismus“
  • Aufzeigen konkreter Handlungsmöglichkeiten (Interventionsformate) in der eigenen Einrichtung
  • Aufzeigen von Vernetzungsmöglichkeiten vor Ort /im Stadtteil/in der politischen Bildung
Inhalte:
  • Vorstellung von Erfahrungen der Islamismusprävention in Deutschland (Ansätze, Projekte, Materialien)
  • Überblick über Handlungsfelder, Akteure und Interventionsebenen der Präventionsarbeit
  • Praxisblock: Zielbestimmung in Gruppenarbeit nach Handlungsfeldern (Politische Bildung, Jugendhilfe, Schule, Gemeinde)
  • Praxisblock: Erarbeitung von Handlungsoptionen in den jeweiligen Einrichtungen an exemplarischen Konfliktsituationen
  • Praxisblock: Erarbeitung von übergreifenden Handlungsstrategien im Stadtteil
Fortbildungsleitung: Dr. Michael Kiefer, Samy Charchira (API gUG), Dr. Götz Nordbruch und Dr. Jochen Müller (ufuq.de)



Herausforderung Islamismus

Infodienst Radikalisierungsprävention

Der Infodienst bietet praxisbezogene Hintergrundinformationen und Materialien zur Herausforderung durch salafistische Strömungen. Er richtet sich an alle Berufsgruppen, die im Rahmen ihrer Tätigkeit mit dem Thema in Berührung kommen, unter anderem in der schulischen und außerschulischen Bildung und in der öffentlichen Verwaltung.

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