Farbfoto: Viele Menschen mit Kindern halten rote, blaue und weißen Pappschilder in die Luft, um daraus die russische Flagge nachzubilden.

3.2.2020 | Von:
Mona Schnackenburg

Bürgerbeteiligung und Bürgerhaushalt im russischen Schulsystem

Farbfoto:Umgedrehte Stühle auf Tischen in einem russischen Klassenzimmer. (© picture-alliance/dpa, Sputnik)

Viele Menschen fragen sich derzeit, wie die Zukunft der deutsch-russischen Beziehungen sein werden. Die Zukunft liegt bei der Jugend und darum haben wir uns besonders gefreut, dass ein Programmpunkt auch ein Besuch in einer russischen Schule und Informationen zu Methoden der Bürger- und Schülerbeteiligung im russischen Schulsystem sein würde.

Im Schulwesen gibt es zum Teil große Unterschiede. Deutschland ist im Vergleich zu Russland klein und Bildung ist Ländersache. Da die Länder unterschiedlich regiert werden, haben sich unterschiedliche Schulsysteme herausgebildet.

In Russland ist das Bildungswesen stark zentralistisch organisiert. Wesentliche Inhalte der Lehrpläne sind zentral organisiert und trotz der Größe Russlands sind die Abschlussprüfungen von Osteuropa bis an den Pazifik im Wesentlichen vergleichbar.

Diese zentrale Steuerung macht natürlich die Einbindung von Eltern und Schülern oft viel schwieriger, dennoch gibt es inzwischen Eltern- und Schülerbeteiligungen.

Einerseits wird die Digitalisierung genutzt, um Eltern über die Entwicklung ihrer Kinder zu informieren. Beispielsweise tragen Lehrer jeden Tag Noten und Fehlzeiten in ein digitales Programm ein, das dann auch von Eltern aufgerufen werden kann. Eltern erfahren also deutlich schneller, ob der Mathe-Unterricht geschwänzt wurde oder eine schlechte Note geschrieben.

Über den Bürgerhaushalt gibt es auch Ansätze, Schüler direkt an Budget-Entscheidungen zu beteiligen.

In einer von uns besichtigten Schule in Moskau wurden Schüler daran beteiligt, Pflanzen für einen Schulgarten auszuwählen, zu pflegen und wurden auch in Budget-Entscheidungen des Schulgartens eingebunden.

Noch direkter ist die Einbindung in der Stadt Jaroslawl nördlich von Moskau. Hier können Schülerinnen und Schüler direkt Projektvorschläge für die Verwendung von einem Bürgerbudget machen. Dieses Vorschlagswesen erfolgt im Rahmen einer Projektvorstellung, über die eine Jury entscheidet. Hier war sich allerdings die deutsche und russische Seite über mögliche Probleme schnell einig. Eine ganz eigenständige Entscheidung der Schüler könnte bedeuteten, dass statt Bibliotheken und Schulgärten Süßigkeitenautomaten und Handy-Räume geplant werden.

Dies wird in Jaroslawl dadurch gelöst, dass Erwachsene die Ideen der Schüler vor der schulinternen Vorstellung noch einmal auf wirkliche Schultauglichkeit prüfen. Anschließend dürfen die Schüler ihre Ideen einer Jury vorstellen.

Dieser Einblick in das russische Schulsystem war aus schulischer Sicht durchaus interessant – die eine oder andere Idee diese Mitverwaltung im Rahmen des Bürgerhaushalts könnte auch für deutsche Schulen überprüft werden.


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