26.11.2008 | Von:
Steffen Müller

Radio ist besser als sein Ruf

Wider das "Dudelfunk"-Image

"Radio funktioniert in der Multitasking-Welt wunderbar und ist bestens aufgestellt für die Zukunft", meint Radiostratege Steffen Müller. Wenn sich doch nur das altbackene Image besser aufpolieren ließe!

"Wir tun zu wenig, um den alten Begriff 'Radio' als Marke zu positionieren, die hip und trendy wirkt", appellierte Steffen Müller, Geschäftsführer der MOIRA Rundfunk GmbH, bereits auf den Münchener Medientagen 2007 an die Manager der Branche. Heute, ein Jahr später, haben die Radiomacher das Marketingproblem offenbar immer noch nicht zu lösen vermocht. So wurden Müllers Mahnungen auf den Medientagen 2008 in München deutlicher: "Radio hat kein Contentproblem, Radio hat ein miserables Image." Er kann es nicht fassen, dass sich das Medium mit dem höchsten Nutzungsfaktor immer nur das kleinste Stück aus dem Werbekuchen abschneiden darf.

Alte UKW-Empfangsgeräte haben vielleicht bald schon ausgedient. Foto: sxcAlte UKW-Empfangsgeräte haben vielleicht bald schon ausgedient. Foto: sxc (© sxc )
Schuld am Imageverlust des Radios, so glaubt Steffen Müller, ist die Assoziation von Radio mit den alten technischen Geräten. Seine These unterstützt er mit Hilfe einer Studie aus Amerika: Systematisch wird darin aufgelistet, wie die Zahl der positiven Rezensionen über das Radio in Zeitungen und Zeitschriften im Laufe der vergangenen Jahre abgenommen hat. Dabei, so Müller weiter, müsse man nicht einmal über den großen Teich schauen: "Erlösung durch Massenverschrottung" titelte Spiegel Online bereits 2006 in Anspielung auf das verpönte Image des massenkompatiblen "Dudelfunks" und das von der Politik anvisierte Ende der UKW-Frequenzen spätestens im Jahr 2015.


"Da haben wir als Gattung versagt", meint Steffen Müller und fordert, dass das Medium sich neu aufstellt, selbst wenn das eine Stange Geld koste: "Das Medium mit der größten Nutzung darf sich nicht auf Dauer mit einem Mini-Werbemarktanteil zufrieden geben."

Dennoch zeigt sich Müller optimistisch. Das Radio als Medium der mobilen Gesellschaft habe immerhin die ersten Jahre der Digitalisierung von allen Massenmedien am besten überstanden. Und auch für die Zukunft sei es bestens aufgestellt: "Radio ist 'on', es ist interaktiv", sagt Müller. Radio habe bewiesen, dass es in der Multitasking-Welt funktioniert.

Neben der Stärkung des Images müssten die Programmanbieter also weiter dafür sorgen, dass das schnellste aller Medien künftig auf allen von den Usern genutzten technischen Plattformen präsent sei.