15.8.2009 | Von:
Von Inge Seibel-Müller

Vor allem Schotten mögen Bauers Radio

Auf dem deutschen Radiomarkt gilt der Hamburger Heinrich Bauer Verlag eher als "Zwerg" in der Hörfunkbranche. Als einzige Beteiligung hält Bauer 25 Prozent an "Radio Hamburg", dem Marktführer in der Hansestadt. In Großbritannien ist die Bauer Media Group dagegen inzwischen zweitgrößter privater Hörfunkanbieter. Insgesamt hat der Konzern dort 38 Programme, die über UKW, im Internet sowie digital verbreitet werden.

(14.09.09) - Dass der Hamburger Großverlag Bauer in Großbritannien zu den führenden Hörfunkanbietern zählt, ist hierzulande selbst Radioexperten kaum bekannt. Viel Aufmerksamkeit erlangte der deutsche Medienkonzern auf den britischen Inseln zuletzt mit der Live-Übertragung eines U2-Konzerts Ende August.

So viel Anerkennung hat der deutsche Großverlag Bauer in Großbritannien zuvor wohl nie erfahren. Als das britische Tochterunternehmen Bauer Radio im August die Live-Übertragung eines Konzerts der Supergruppe U2 aus Sheffield über 23 seiner Programme bekannt gab, stufte sogar der kritische "Guardian" das Vorhaben als "eines der Radioereignisse des Jahres" ein. Beachtlich ist diese Anerkennung auch deswegen, weil die Guardian Media Group selbst mehrere Hörfunkprogramme betreibt, doch längst nicht so viele und erfolgreiche wie Bauer Radio.
Der deutsche Heinrich-Bauer-Verlag gehört zu den privaten Giganten im britischen Radiomarkt.Der deutsche Heinrich-Bauer-Verlag gehört zu den privaten Giganten im britischen Radiomarkt. (© is )
Auf dem deutschen Radiomarkt zeigte der Hamburger Großverlag bislang dagegen kaum Engagement und gilt eher als "Zwerg" in der Hörfunkbranche. Als einzige Beteiligung hält Bauer 25 Prozent an "Radio Hamburg", dem Marktführer in der Hansestadt. Verschiedene frühere Bemühungen um Lizenzen oder weitere Beteiligungen scheiterten unter anderem in Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern. In Großbritannien ist die Bauer Media Group dagegen inzwischen zweitgrößter privater Hörfunkanbieter. Insgesamt hat der Konzern dort 38 Programme, die über UKW, im Internet sowie digital verbreitet werden.

Das britische Radio-Imperium des Hamburger Großverlags

Das selbst unter deutschen Hörfunkexperten kaum bekannte Radio-Imperium des Hamburger Großverlags auf den britischen Inseln entstand durch die Übernahme eines Pakets aus Publikumszeitschriften wie "FHM", "Grazia" und "Yours" sowie 38 Radiostationen vom britischen Medienkonzern "EMAP" für rund 1,6 Milliarden Euro im Januar 2008. Zu der Senderkette gehören neben den beiden Londoner Stationen "Magic 105.4" und "Kiss 100", das "Big City Network" mit Lokalsendern in Liverpool, Leeds und Newcastle sowie schottische UKW-Stationen in Glasgow, Edinburgh und Dundee. Zudem werden mehrere Programme landesweit digital verbreitet.

Dabei kann der bislang kaum hörfunkerfahrene Medienkonzern beachtliche Erfolge vorweisen. Im zweiten Quartal dieses Jahres hatten die Bauer-Programme nach den Ergebnissen der Radio Joint Audience Research Limited (vergleichbar mit der MA-Radio in Deutschland) in Großbritannien einen Marktanteil von 10,7 Prozent. Von den privaten Hörfunkbetreibern ist lediglich die Global-Radiokette, zu der das auch in Deutschland bekannte "Capitol Radio" gehört, mit einem Marktanteil von 17,2 Prozent größer. Im Großraum London erreichen die beiden Bauer-Stationen immerhin 11,5 Prozent des heiß umkämpften regionalen Hörfunkmarktes. In britischen Fachmedien wird die Bauer Media Group bereits ehrfurchtsvoll als "German media giant" bezeichnet, weil das Unternehmen nach der "EMAP"-Übernahme auch zum größten Zeitschriftenverlag in Großbritannien avanciert ist.

Höhenflug wurde vorerst gestoppt

Ende Mai wurde Bauers bisheriger Höhenflug auf dem britischen Radiomarkt allerdings vorerst gestoppt. Nach einem Bericht des "Guardian" hatten Bauer-Manager monatelang mit "Globalradio" über die Übernahme von fünf lukrativen Lokalstationen in Mittelengland - zeitweise sogar exklusiv - verhandelt. Den Zuschlag erhielt schließlich der britische Radiomanager Phil Riley, der die Lloyds TSB Banking Group als Kapitalgeber und Anteilseigner ins Boot holen konnte.

Doch nicht nur die verpasste Senderübernahme belastet Bauers Radio-Engagement in Großbritannien. Längst hat die europaweite Werbekrise auch den britischen Hörfunkmarkt erreicht. Bauers kommerzielle Radios, die ähnlich wie deutsche Privatsender ganz überwiegend aus Werbeeinnahmen finanziert werden, müssen Personal abbauen, um nicht in die Verlustzone zu geraten. Bei den landesweit verbreiteten Digitalstationen "Heat" und "Q-Radio" wurden nach Erkenntnissen des "Guardian" bereits 15 Mitarbeiter entlassen. Weiterer Personalabbau droht jetzt vor allem bei den Stationen des "Big City Networks" im Norden Englands.

Von Entlassungen bei den schottischen Stationen ist dagegen bislang nicht die Rede. Zwar gilt der Verlag - genau wie die Bewohner des nördlichen Sendegebiets auf der britischen Hauptinsel - als äußerst sparsam, doch will man den dortigen Erfolg durch Personalabbau offenbar nicht gefährden. Die Schotten mögen Bauers Radio - immerhin hört dort jeder Vierte regelmäßig eine der Regionalstationen des deutschen Großverlags.