1.12.2009 | Von:
Bio Donau 3 FM

TÜV-Siegel für Lokalradio

Zweimal jährlich, im Frühjahr und im Herbst, werden für die Radiosender in Deutschland repräsentative Reichweitenanalysen erhoben. Rund 66.000 Deutsche und in Deutschland lebende EU-Ausländer ab 10 Jahren werden telefonisch danach befragt, wie lange sie welche Hörfunkprogramme nutzen. Die Interviews werden von sechs Sozialforschungsinstituten durchgeführt und dauern rund 30 Minuten. Die Media-Analyse liefert jedoch hauptsächlich quantitative und keine qualitativen Ergebnisse. DONAU 3 FM, ein privates Lokalradio aus Ulm, ließ daher den TÜV-Süd eine "Zufriedenheitsstudie" erstellen und darf seitdem das TÜV-Siegel im Senderlogo tragen.

Die Lokalwelle DONAU 3 FM aus Ulm ist Deutschlands erstes Radio mit TÜV-Siegel und die deutsche Medienlandschaft damit um ein Zertifikat reicher.

Im Prinzip gibt es nur eine "harte" Währung für die Hörfunknutzung. Diese ist zwar relativ umstritten, wird aber mangels Alternative weiterhin von der Hörfunkbranche akzeptiert: die Media-Analyse Hörfunk, kurz "ma Radio" genannt. Die von öffentlich-rechtlichen und privaten Radiosendern gemeinsam mit der Werbewirtschaft finanzierte und zweimal im Jahr durchgeführte Untersuchung über die Hörfunknutzung gilt als wichtigstes Instrument zur Reichweitenerhebung im Radio. Die ma-Zahlen sind die Basis für die Werbereichweiten der Hörfunkprogramme und damit auch die allgemein gültige Währung für den Werbemarkt. Unzufrieden sind die Radiosender mit der oftmals hohen Schwankungsbreite bei aufeinanderfolgenden Ausweisungen der ma-Zahlen. Viele führen das auf die Erhebungsmethode zurück, die sich rein auf das Erinnerungsvermögen der Befragten stützt. Die mangelnde Aktualität der Ergebnisse bei deren Veröffentlichung ist eine weitere Schwäche der Untersuchung, die zudem keinerlei Auskunft über die Qualität eines Hörfunkprogramms gibt.


Besonders für die Lokalradios ist es schwierig, mit den Reichweitendaten der Media-Analyse im lokalen Werbemarkt erfolgreich zu argumentieren. Viele schaffen es aufgrund zu niedriger Hörerreichweiten nicht einmal in die Untersuchung. Lange warten musste auch "Donau 3 FM", der lokale private Radiosender für Ulm und die angrenzenden Landkreise. Das Lokalradio aus Baden-Württemberg, das am 1. Januar 2003 den Sendebetrieb aufnahm, wurde erstmals in der ma Radio 2009/II im Juli des Jahres ausgewiesen. 17.000 Hörer pro Durchschnittsstunde sollen es sein.
Zertifikatsübergabe im Funkhaus von DONAU 3 FM. Barbara Hochbaum (TÜV SÜD), David Rohde (DONAU 3 FM), Dr. Markus Nienhoff (TÜV SÜD), Carlheinz Gern und Stephan Huber (DONAU 3 FM) (v.l.)Zertifikatsübergabe im Funkhaus von DONAU 3 FM. Barbara Hochbaum (TÜV SÜD), David Rohde (DONAU 3 FM), Dr. Markus Nienhoff (TÜV SÜD), Carlheinz Gern und Stephan Huber (DONAU 3 FM) (v.l.)


"Gefühlt" sind es mehr, meint der Sender. "In der letzten Zeit bekommen wir immer öfter positives Hörer-Feedback in Form von Anrufen und E-Mails; aber auch unsere Reporter unterwegs oder Veranstaltungen des Senders werden ständig gelobt. Wir haben das Gefühl, dass wir sehr treue und zufriedene Hörer haben", sagt David Rohde, seit zwei Jahren Programmchef des Lokalradios. Seitdem Rohde den Sender leitet, hat er feste Sendezeiten für Rubriken eingeführt und das Programm stärker formatiert. Lokale Informationen, eigene Exklusivgeschichten und viele Events, bei denen der Sender präsent ist, fördern die Popularität des Lokalradios, glaubt der Programmchef. Lokalnachrichten werden stündlich zwischen 6.30 Uhr und 19.30 Uhr ausgestrahlt. Seit neuestem auch am Samstag Vormittag.

"Wir wollten uns nicht allein auf die quantitative Befragung der Media-Analyse verlassen, wir wollten wissen, was die Hörer an unserem Programm wirklich schätzen", sagt Rohde. Deshalb gab der Sender eine eigene Untersuchung in Auftrag, eine so genannte "Zufriedenheitsstudie". Mit der Durchführung - und das ist ungewöhnlich - wurde kein herkömmliches Marktforschungsinstitut, sondern der TÜV-Süd beauftragt. Das Unternehmen, das man normalerweise eher als Autofahrer kennt, untersucht seit Kurzem auch Serviceleistungen und Kundenzufriedenheit bei Auftraggebern aus der Hotel-, Wellness- oder Möbelbranche. Bei gutem Abschneiden gibt es das TÜV-Siegel.

Donau 3 Logo großDonau 3 Logo groß
Zwei Fragen waren für den Sender zu klären, dessen "Kunden" die Hörer sind: Wie zufrieden sind die DONAU 3 FM-Hörer und wie bewerten sie das Programm im Vergleich zu anderen Sendern? Im Oktober wurden rund 400 Stammhörer des Lokalradios per Telefon befragt. Um ein TÜV-Zertifikat zu erlangen, galt es mindestens die Note 2,25 auf einer Bewertungsskala von 1 bis 5 zu erreichen. Das Ziel hat der Sender nicht verfehlt. Nach dem nun vorliegenden Ergebnis der TÜV-Prüfer liegt die Endnote der Stammhörer für DONAU 3 FM bei 1,62.

Besonders positiv wurden neben der Musik die lokalen Nachrichten, die Website und die Servicemeldungen des Lokalradios bewertet. "Kritik gab es natürlich auch", sagt Rohde, "trotz Traumnote übrigens am meisten an der Musik. Aber da ist es auch besonders schwer, es jedem Recht zu machen." Welche weiteren Vorschläge die Befragten zur Verbesserung des Programms parat hatten, bleibt mit Blick auf die Konkurrenz Betriebsgeheimnis. "Da waren schon wertvolle Anregungen dabei. Wir werden das nun ausführlich prüfen und die besten Ideen in wenigen Wochen umsetzen", verspricht der Programmleiter.

"Mit dem TÜV-Siegel hat unser Sender jetzt einen offiziellen und repräsentativen Beweis über die Hörerzufriedenheit in der Hand", zeigt sich auch Marketingleiter Stephan Huber zufrieden. Gerade im lokalen Wettbewerb sei es wichtig, mehr über das regionale Nutzungsverhalten der Hörer aus dem Sendegebiet zu erfahren und dieses statistisch zu belegen. Die positiven TÜV-Ergebnisse will er jetzt im Wettbewerb gegenüber Handel und Wirtschaft deutlich herausstellen. Ein für jeden sichtbarer Anfang ist bereits gemacht. Im Logo des Senders prangt ab sofort ganz exklusiv das TÜV-Siegel. Ob es seinen Zweck erfüllt, muss sich noch beweisen.