29.7.2010 | Von:
Das Funkhaus Würzburg

Lokalradio macht Zeitung

Im Funkhaus Würzburg wird seit November 2008 online auch Zeitung gemacht. www.mainfranken24.de heißt das Projekt, das sich als eigenständige Marke neben den Funkhaussendern Radio Charivari und Radio Gong behaupten soll. Redaktionell werden alle Synergieeffekte genutzt. Das Angebot im Internet wird von den Rundfunkredakteuren betreut.

30. Juli 2010.- Als in den 80er Jahren erstmals in Bayern rund 40 privat organisierte Lokalradios unter Aufsicht der Landeszentrale für neue Medien ihren Sendebetrieb aufnahmen, waren es vor allem die Kommunalpolitiker, die sich hier eine neue Plattform und ein neues Sprachrohr erhofften. Bei der oft kritisierten Durchformatierung der Sender verlor zwar der Wortumfang zunehmend an Bedeutung, dennoch ließ und lässt sich anhand zahlreicher Studien immer wieder feststellen, dass lokale Inhalte für die Akzeptanz der Lokalradios eine große Bedeutung haben.

Kein Wunder also, dass auf den Lokalrundfunktagen in Nürnberg - auch 25 Jahre nach Start der Privatradioszene - noch Konsens darüber herrscht: Lokale Geschichten aus dem Sendegebiet sind die Grundlagen für jeden kreativen Content im Radio. Selbstverständlich werden auch beim Radio neue Formen entwickelt und erprobt, die der gewandelten Mediennutzung gerecht werden. Auch hier wächst unter dem Schlagwort der "Medienkonvergenz" zusammen, was einstmals fein säuberlich getrennt war.

Der multimediale Radioredakteur schneidet und vertont schon lange nicht mehr nur Audiomaterial: er filmt, fotografiert und bestückt auch die Website der Radiostation. Oder sogar eine ganze Online-Zeitung, wie es seit Ende 2008 die Radioredakteure im Funkhaus Würzburg tun. Das Funkhaus Würzburg mit den beiden Lokalstationen "Radio Gong" und "Radio Charivari" hat keine tagesaktuellen Zeitungsverlage als Gesellschafter. So entstand die Idee, eine eigene Zeitung im Internet als dritte Marke zu den beiden Radiosendern zu etablieren.







Im Funkhaus Würzburg wird seit November 2008 online auch Zeitung gemacht. www.mainfranken24.de heißt das Projekt, das sich als eigenständige Marke neben den Funkhaussendern Radio Charivari und Radio Gong behaupten soll.

"Es ist einfach eine weitere Form von Medienkonvergenz", sagt Volker Omert, Chefredakteur der Zentralredaktion im Funkhaus Würzburg und Programmchef bei Radio Charivari im gleichen Haus. Volker Omert, der neben seinem Studium der Betriebswirtschaft eher zufällig zum Radio kam, kennt, wie er sagt, alle Höhen und Tiefen: "Radio ist wie alle Medien einer permanenten Veränderung unterworfen, zumal der Druck durch das Internet steigt und die Technik neue Möglichkeiten eröffnet. Dieser ständige Drang, sich weiter zu entwickeln, rief bei uns im Funkhaus die Idee ins Leben, zusätzlich zu den Radiosendern eine Online-Zeitung zu entwickeln. So entstand die Homepage "Mainfranken24".
mainfranken24.de ist die Onlinezeitung des Funkhauses Würzburg.mainfranken24.de ist die Onlinezeitung des Funkhauses Würzburg. (© Snapshot )


Die Online-Zeitung für Mainfranken soll als eigene Marke bestehen. Im Funkhaus Würzburg wird darauf geachtet, dass sie nicht wie ein Werbekanal für die Radiostationen wirkt. Das Konzept liest sich wie das Angebot der Lokalsender: Die aktuellsten Nachrichten aus Mainfranken, Deutschland und der Welt und Servicethemen wie Wetter, Kleinanzeigen, Verkehrs- und Blitzermeldungen. Zu vielen Themen werden Videos und Fotos angeboten.

Für die Hörfunkredakteure sind die journalistischen Herausforderungen mit dem neuen Online-Angebot enorm gestiegen. Für ‚Mainfranken24' wurden keine neuen Mitarbeiter eingestellt, nur ein Videoprofi unterstützte den Lernprozess in der Anfangsphase. "Wir nutzen alle Synergieeffekte und letztendlich sichert dieses Angebot auch Arbeitsplätze", argumentiert der Chefredakteur. Seine Leute hat Omert ganz einfach "ins kalte Wasser" geschmissen: "Machen, probieren, learning by doing. Das kennen selbst die Älteren in meiner Mannschaft noch aus der Anfangsphase des privaten Radios, da wurde auch experimentell begonnen." Omerts größtes Problem, so klingt es durch, scheint das Erstellen der Nachrichten im einwandfreien Schriftdeutsch zu sein. Darauf habe beim Hörfunk ja bisher keiner geachtet.


Noch sieht Omert das Onlineangebot in der Entwicklungsphase: "Wir gehen hier in Vorleistung und arbeiten noch nicht kostendeckend. Aber im Bereich ‚Crosspromotion' können wir unseren Kunden natürlich erheblich mehr anbieten, als ein klassischer Radiosender." Auch die Klickzahlen für mainfranken24.de liegen noch unter dem Niveau der Radiosender. Während im Januar des Jahres Radio Gong Würzburg beispielsweise 185.000 Visits verzeichnete, waren es etwa 46.000 bei der Online-Zeitung. Sollte das neue Angebot die Radiosender einmal überholen, sieht Omert darin auch kein Problem: "Das bleibt dann in der Familie."

Überhaupt ist Omert, wie viele Radiomanager, dem Internet eher wohlgesonnen. Das Radio, als Tagesbegleiter, sei am besten zum crossmedialen Arbeiten geeignet und daher würden sich Radio und Internet perfekt ergänzen. Eine Gefahr sieht der Radioprofi aber dann doch: "Radio, das sind eigentlich Bilder im Kopf. Seit wir aber auch visuell arbeiten, verzichten wir ‚on air' schon manchmal auf ausführlichere Berichte und verweisen ganz einfach auf die Fotos und Videos im Netz."